Staatskrise
Kapitalflucht bringt ukrainische Banken in Not

Die Staatskrise hat die Banken des Landes bis zu sieben Prozent ihrer Einlagen gekostet. Von massivem Kapitalabzug ist die Rede. Die USA sagten eine Milliardenbürgschaft zu – und Investoren gehen auf Schnäppchenjagd.
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KiewIn der Ukraine werden derzeit Möglichkeiten zur Eindämmung eines massiven Kapitalabzugs aus heimischen Banken erwogen. Bis zu sieben Prozent der Bankeinlagen wurden in der turbulenten und blutigen letzten Woche von ukrainischen Konten abgezogen. Die unübersichtliche Lage verschärft die Sorgen über den drohenden Zahlungsausfall des osteuropäischen Landes.

Am Mittwoch gab Russlands zweitgrößte Bank VTB bekannt, sich dem Marktführer Sberbank anzuschließen und die Kreditvergabe in der Ukraine zu drosseln. Es sei im Moment schwer, die Risiken dort abzuwägen, erklärte VTB-Chef Andrej Kostin. Den Angaben des Instituts zufolge werden nun weder Kredite an Einzelpersonen noch an Firmen vergeben. Sberbank hatte dagegen am Freitag erklärt, große Unternehmen mit gesunden Finanzen würden weiter Darlehen bekommen.

Der Höhepunkt des Kapitalabzugs mit 30 Milliarden Hrywnia (2,3 Milliarden Euro) fand zwischen dem 18. und dem 20. Februar statt, als auf dem Unabhängigkeitsplatz im Stadtzentrum von Kiew blutige Demonstrationen und Straßenschlachten mit Sicherheitskräften stattfanden. Das sagte der Zentralbankgouverneur Stepan Kubiw von der Natsionalnyi Bank Ukrainy in seinem ersten Interview seit seiner Ernennung am 24. Februar.

Um einen möglichen Finanzkollaps abzuwenden, haben die USA der Ukraine am Mittwoch eine Kreditbürgschaft von einer Milliarde US-Dollar (727 Millionen Euro) zugesagt. „Wir schnüren erst mal eine Garantie von einer Milliarde Dollar, zusammen mit einigen weiteren Elementen“, sagte US-Außenminister John Kerry am Mittwoch vor Reportern in Washington. Die EU bereitet nach seinen Worten Kreditbürgschaften in Höhe von 1,5 Milliarden Dollar für die frühere Sowjetrepublik vor. Kerry formulierte damit das erste konkrete Hilfsangebot, seit das Parlament in Kiew den bisherigen prorussischen Präsidenten Viktor Janukowitsch am Samstag abgesetzt hatte.

Derweil arbeitet die Übergangsregierung unter dem geschäftsführenden Präsidenten Oleksandr Turchynov an einer Regierungsbildung. Der frühere Parlamentspräsident Arseni Jazenjuk - eine Schlüsselfigur der Protestbewegung in der Ukraine - soll die frühere Sowjetrepublik aus der Staatskrise führen. Nach dem Machtwechsel soll der 39-Jährige Interims-Regierungschef werden. Derzeit wird der Finanzbedarf der Ukraine auf bis zu 35 Milliarden Dollar geschätzt.

„Die Wirtschaft der Ukraine benötigt finanzielle Hilfen und das erhöht den Druck auf die politischen Akteure zur Bildung einer Regierung der nationalen Einheit“, sagte Ökonomin Lilit Gevorgyan von IHS Global Insight in London. Die erhebliche Rettungssumme, die von der Ukraine derzeit genannt wird, werde von der internationalen Gemeinschaft kaum an eine schwache und nicht das ganze Land vertretende Regierung vergeben.

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  • Die Ukraine sollte das als Chance sehen. Staatsbankrot erklären und eine Währungsreform einleiten und Schulden neu verhandeln. Die Währung frei floaten lassen ist richtig aber ich würde den Markt beobachten und die Währung weitere 10%-20% unter dem fairen Wert vorerst binden. Das dürfte Geld in die Ukraine ziehen, Importe verteuern und den Binnenmarkt einen Schub geben. Außerdem sind die Lohnstückkosten sind billig um Investoren zu locken. Das Problem sind die steigenden Energiekosten. Unter Umständen müssen Betreiber für 2-3 Atomkraftwerke gewonnen werden. Auch deshalb muss sich die Ukraine auf ihr Stärken besinnen und die Landwirtschaft forcieren. Das ist ein Wachstumsmarkt.
    Verhandeln mit Billig-Airline und die Krim zum Tourismuszentrum ausbauen.
    Gibt es keinen Neuanfang, werden die wie Griechenland, auf Jahrzehnte am Tropf hängen.

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