Stabilitätswächter
Mehr Vorsorge von Lebensversicherern gefordert

Politik und Stabilitätsaufseher mahnen die Versicherungsbranche, ihre Finanzpolster zu stärken. Derzeit machen Niedrigzinsen vor allem den Lebensversicherern zu schaffen. Risiken sollen umgangen werden.
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BerlinDer Ausschuss für Finanzstabilität in Deutschland hat die Lebensversicherer angesichts der Niedrigzinsen zu mehr Vorsorge gegen Risiken und zu einer Kapitalstärkung aufgefordert. Die Branche sollte ihre Risikotragfähigkeit erhöhen, ein breites Produktangebot vorhalten sowie ihre Eigenmittelpolster stärken. Das erklärte das Finanzministerium nach einer Sitzung der Finanz-Stabilitätswächter am Freitag in Berlin.

Dem vor einem Jahr gestarteten und prominent besetzten Gremium gehören die Spitzen des Finanzministeriums, der Bundesbank sowie der Finanzaufsicht Bafin an. Damit soll früher sowie schlagkräftiger auf Fehlentwicklungen reagiert werden. Beleuchtet wurden Auswirkungen der Niedrigzinsen für den Wohnimmobilienmarkt, die Banken sowie Lebensversicherer. Der Ausschuss sieht derzeit keine Gefahren für die Finanzstabilität in allen drei Bereichen in Deutschland.

Die seit einiger Zeit anhaltenden Niedrigzinsen erschweren es den Lebensversicherern, Leistungsversprechen an ihre Kunden zu erfüllen, weil Neuanlagen nicht mehr genügend Rendite erzielen. Der Ausschuss stellte nun fest: „Analysen haben ergeben, dass die möglichen Belastungen des gegenwärtigen Niedrigzinsumfelds mit Blick auf die Finanzstabilität noch tragbar erscheinen.“ Eine länger anhaltende Niedrigzinsphase könnte jedoch materielle Auswirkungen haben. Hierauf habe auch die Bundesbank bereits 2013 hingewiesen.

Im Bereich der Wohnimmobilien setzen niedrige Zinsen den Angaben zufolge Anreize zur Finanzierung größerer Kreditsummen. Daher könne sich die Nachfrage nach Wohnimmobilien erhöhen, was Preissteigerungen nach sich ziehen könne. „Insgesamt zeigen die verfügbaren Daten zu Kreditvergabe und Immobilienpreisen auf bundesweiter Ebene bislang jedoch keine die Finanzstabilität potenziell gefährdende Dynamik“, hieß es. Stabilitätsrisiken könnten aus einem Zusammenwirken anhaltender Preissteigerungen, wachsender Kreditvergabe und gelockerter Kreditstandards entstehen.

Bei Banken werde die Zinsmarge belastet, was die Ertragskraft verringere. Dies begrenze Möglichkeiten, aus einbehaltenen Gewinnen Eigenkapital aufzubauen. Das Niedrigzinsumfeld könne Banken auch dazu verleiten, in riskante Geschäfte zu investieren. Zudem könnten Institute versucht sein, ihre Verschuldung zu erhöhen. „Bisher lassen sich solche Ausweichreaktionen aber nicht beobachten“, hieß es allerdings in der Mitteilung nach der Ausschusssitzung.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Stabilitätswächter: Mehr Vorsorge von Lebensversicherern gefordert"

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  • Vor der Sorge um die Vorsorge der Lebensversicherer sollte die Sorge der Verbraucher, der Kunden liegen.

    Die Börsen-zeitung veröffentlicht heute den Hinweis, dass
    ... "müssen künftig auch die Anbieter kapitalbildender Lebensversicherungen den europäischen Einheitsbeipackzettel mitliefern.

    Sowas ärgert die Assekuranz und freut die Fonds. Freilich gibt es keine (EU)-Regel ohne Ausnahme: Spezifische Altersvorsorgeprodukte wie Riester-Renten bleiben erst einmal außen vor. Das wiederum freut die Assekuranz und ärgert die Fonds." ...

    "Dass gerade das zentrale Gesetzgebungsverfahren über die Transparenz von Finanzprodukten in der denkbar intransparentesten Form zum Abschluss kam, nämlich in schriftlichen Abstimmungen von Unterhändlern der Institutionen, ist bedenklich. Nicht nur Finanzprodukte haben Risiken und Nebenwirkungen, auch politische Verhandlungen hinter verschlossenen Türen. Nicht auszuschließen, dass sich in der Praxis rasch Mängel herausstellen, die im Zusammenspiel ehrgeiziger Interessenvertreter, übereifriger EU-Beamter und Abgeordneter, die am Ende nur noch Zeit für schriftliche Verfahren hatten, unentdeckt blieben."

    https://www.boersen-zeitung.de/index.php?li=1&artid=2014065004&titel=Risiken-und-Nebenwirkungen

    vielleicht kann die Redaktion diese Informationen aufgreifen und klären, ob der Lebensversicherungskunden denn den Anspruch haben, nachrechnen zu dürfen, ob der Auszahlungsbetrag bei Fälligkeit der Versicherung korrekt berechnet ist oder nicht?

  • "Eine länger anhaltende Niedrigzinsphase könnte jedoch materielle Auswirkungen haben. Hierauf habe auch die Bundesbank bereits 2013 hingewiesen."

    Das sind eben erst 3 Monate her! Der Bundesbank unterzuschieben, sie hätte eben erst von den Niedrigzinsen, manipuliert seitens der EZB, quasi eben erst erfahren, ist schon ein starkes Stück.

    Ich halte den Artikel scheint eine schlecht umgesetzte, schlechte Pressemitteilung des Verbandes der Versicherer zu sein.

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