Stadtsparkasse München
Kostenloses Online-Konto nur für Gutverdiener

Wer nicht monatlich mindestens 1.750 Euro aufs Online-Konto einzahlt, muss bei der Stadtsparkasse München künftig Gebühren zahlen. Das ruft sogar den Bürgermeister auf den Plan. Doch ungewöhnlich ist das Vorgehen nicht.

Frankfurt Es ist gerade einmal vier Wochen her, da kündigte die Stadtsparkasse München neue Kontomodelle an – wie viele andere Geldhäuser auch. Im Kern müssen die Kunden immer mehr zahlen als bisher, so auch in München.

Dort gibt es drei verschiedene Konten. Das Komfort-Konto kostet nun 7,95 Euro im Monat, einzelne Dienstleistungen sind kostenlos. Für das Individual-Konto müssen Kunden 2,95 Euro zahlen – und für etliche Leistungen extra. Überweisungen per Papierbelegt schlagen zum Beispiel mit 60 Cent zu buche, Auszahlungen am Geldautomaten mit 30 Cent.

Aufgebracht hat den Münchner Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) die dritte Kontovariante, das Online-Konto. Das ist kostenlos, wenn der Kunde monatlich mindestens 1.750 Euro einzahlt. Sonst muss er 4,95 Euro berappen. Genau daran stört sich Reiter, der an der Spitze des Verwaltungsrats der Sparkasse steht, und er machte seinem Unmut diese Woche in einem Statement Luft. Reiter hält die Gebühren für unfair, wenn Geringverdiener mehr berappen müssen.

„Mein Ziel ist es, dass nicht ausgerechnet die untersten Einkommensgruppen mit der höchsten Gebührenlast bei der Kontoführung belegt werden, sondern ein sozial ausgeglicheneres Modell oberste Einkommensgruppen ebenfalls angemessen einbezieht“, sagt Reiter. Ihn hätten dazu eine „Vielzahl von Beschwerden“ erreicht, die höhere Gebühren bei geringen Zahlungseingängen als sozial ungerecht bewertet hätten.

Reiter will erreichen, dass die Stadtsparkasse ihre neuen Gebühren noch einmal überdenkt. Er habe Sparkassenchef Ralf Fleischer gebeten, ein „alternatives Gebührenmodell zu berechnen, welches bei gleichem betriebswirtschaftlichem Ergebnis eine sozialgerechte Lastenverteilung zum Inhalt hätte“, so der Oberbürgermeister. Die Sparkasse will das nun prüfen und das Thema in einer der nächsten Verwaltungsratssitzungen aufgreifen, wie ein Sprecher sagte.

Die öffentliche Rüge Reiters ist ungewöhnlich. Möglicherweise heikle Angelegenheiten werden von Vorstand und Verwaltungsrat meist hinter den Kulissen geklärt. Die Sparkasse operativ zu führen, ist dabei Sache des Vorstands. Allerdings, so heißt es im bayrischen Sparkassengesetz, erlässt das Kontrollgremium Richtlinien für die Geschäftsführung.

Grundsätzlich ist das Vorgehen der Stadtsparkasse München alles andere als ungewöhnlich. Gratis-Konten für Arme gibt es nämlich so gut wie nicht, belegt eine Auswertung der FMH Finanzberatung für Handelsblatt Online unter 62 Banken. Bei 33 Gratis-Konten verlangen die Institute einen monatlichen Gehalts- oder zumindest Geldeingang. So sind beispielsweise die Gratis-Konten der Commerzbank und der Postbank daran gebunden, dass 1000 Euro beziehungsweise 1200 Euro im Monat eingehen.Andernfalls verlangt die Postbank 5,90 Euro und die Commerzbank gar 9,90 Euro. 1000 Euro müssen es bei der Volkswagen Bank und der PSD Nord eingehen.

Auch bei Sparkassen gibt es solche Modelle. So kostet das Onlinekonto der Mittelbrandenburgischen Sparkasse Potsdam 2,50 Euro, wenn weniger als 1200 Euro im Monat eingehen. Die Gebühr für das Aktiv-Konto der Frankfurter Sparkasse springt auf 6,90 Euro, sollte der Kunde nicht 1300 Euro einzahlen.

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Auch andere Banken knüpfen ein Gratis-Konto an den Gehaltseingang

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