Staranalyst Mike Mayo
„Banken sind immer noch eine Blackbox“

Mike Mayo ist einer der bekanntesten Köpfe der US-Finanzbranche. Im Gespräch mit dem Handelsblatt sieht der US-Staranalyst beim spektakulären Kollaps des Brokers MF Global die alten Mechanismen der Wall Street am Werk.
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New YorkWir sind auch stinksauer“, sagt Mike Mayo, New Yorker Staranalyst, der gleichermaßen gefürchtet wie geachtet ist. „Wir, das sind die 99 Prozent der Wall Streeter, die die Finanzkrise nicht hervorgerufen haben“, sagt er, der als einer der wenigen Experten die Bankenkrise von 2008 vorhergesehen hat.

Wie die Protestler der „Occupy Wall Street“-Bewegung ist Mayo auf großer Mission – nur auf andere Art und Weise. In seinem nüchtern eingerichteten Büro in der „Avenue of the Americas“ inmitten des boomenden Geschäftsviertels Midtown steht hinter ihm überlebensgroß das Cover des derzeit in der New Yorker Finanzmeile wohl am heftigsten diskutierten Buches. Seines Buches: „Exil an der Wall Street – der Kampf eines Analysten zur Rettung der Banken vor sich selbst“.

Mayo gehört zum Kreis der wenigen Experten, die wie der populäre New Yorker Professor Nouriel Roubini die Finanzkrise haben kommen sehen. Aber Mayo ist anders als der Akademiker Roubini: Manche Banken würden sagen, er ist gefährlicher. Denn auf den an der Wall Street arbeitenden Analysten hören die Investoren. Stuft er eine Aktie herab, äußert sich abfällig über sie, dann fallen die Kurse.

In seinem Buch beschreibt Mayo, wie es zur Krise kam und wie Banken versucht haben, ihn als frühzeitigen Warner kaltzustellen. So verlor er auf Druck der Branche seinen Job bei Credit Suisse, nachdem er 1999 die Banken wegen der bereits damals wuchernden Kreditrisiken auf „Verkaufen“ herabgestuft hatte. War er mitten in der Krise noch bei der Deutschen Bank beschäftigt, arbeitet er heute für den französischen Credit-Agricole-Konzern.

Wie 1999 sieht Mayo derzeit schwere Zeiten für die US-Bankenbranche aufziehen: „Sie wird eine etwas mildere Version dessen erleben, was die japanischen Banken seit einer kleinen Ewigkeit durchmachen: niedriges, unspektakuläres Wachstum.“ Der Grund: Weil die Immobilienkrise in den USA nicht ausgestanden ist, schlummern nach seiner Berechnung immer noch unrealisierte Verluste in Höhe von 300 Milliarden Dollar in den Büchern der US-Banken.

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„Banken sind immer noch eine Blackbox“

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„Fehlverhalten zu selten geahndet“

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Zu wenig Kapitalismus

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