Starbanker Sean Fitzpatrick: Irlands Dunkelmann der Unschuld

Starbanker Sean Fitzpatrick
Irlands Dunkelmann der Unschuld

Irland arbeitet die Bankenkrise auf: Sean Fitzpatrick, früher Chef der Anglo Irish Bank, muss sich vor Gericht verantworten. Es geht um Betrug – und die Frage, wie der Manager ein Potemkin’sches Dorf aufbauen konnte.
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LondonFast 15 Minuten hat es gedauert, bis der Richter alle Anklagepunkte gegen Irlands berühmtesten Banker Sean Fitzpatrick vorgetragen hat. Der ehemalige Chef der Anglo Irish Bank, die als das Symbol der Krise auf der grünen Insel schlechthin gilt, brauchte dagegen nur Sekunden, um zu sagen: Er sei unschuldig.

Ende der Woche hat Irland das neueste Kapitel aufgeschlagen, um den Absturz des keltischen Tigers aufzuarbeiten. Fitzpatrick und zwei weitere Ex-Banker der Anglo Irish, die sich als größtes Milliardengrab für den irischen Steuerzahler erwies, müssen sich vor Gericht wegen Betrugs verantworten. Auch Fitzpatricks Ex-Kollegen beteuerten ihre Unschuld.

Es waren die Hinterlassenschaften von Bankern wie Fitzpatrick, die Irland an den Rand des Ruins brachten. 64 Milliarden Euro hat die Regierung in ihre Großbanken gesteckt, knapp die Hälfte davon ging an die Anglo Irish.

Als Fitzpatrick 1986 den Chefposten übernahm, war die Bank ein unbedeutendes Provinz-Institut. 2007 zeichnete eine Unternehmensberatung die Anglo Irish zur „besten Bank“ der Welt aus.

Doch es war ein gigantisches Potemkin’sches Dorf, das Fitzpatrick aufgebaut hatte: Einen Großteil der Geschäfte machte die Bank mit 15 Immobilienentwicklern – jedem einzelnen hatte das Institut gut eine halbe Milliarde Euro geliehen. Nach dem Platzen der Immobilienblase steckten fast zwei Drittel der Kredite in Hotels, Büros und Einkaufszentren, die keiner brauchte.

Im Vergleich dazu mutet die Summe, die Fitzpatrick 2008 den Job kostete, mickrig an. Es ging um Kredite über 87 Millionen Euro, die er heimlich von der Bank erhalten und verschleiert hatte.

Der Prozess wird voraussichtlich bis Ende Mai gehen. Fechten die Angeklagten aber das Urteil an, dürfte sich das Verfahren noch Jahre hinziehen.

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