Starke Töne vor Tarifverhandlungen: Verdi watscht Banken für Kahlschlag ab

Starke Töne vor Tarifverhandlungen
Verdi watscht Banken für Kahlschlag ab

In der anstehenden Tarifrunde für die Bankbeschäftigten will die Gewerkschaft zu fünf Prozent mehr Gehalt fordern. Es dürfte eine harte Auseinandersetzung werden, wirft Verdi den Instituten doch vor, ihre Beschäftigten schlecht zu behandeln.

HB FRANKFURT. Allein bei den Kreditinstituten wurden laut Dienstleistungsgewerkschaft Verdi in den vergangenen fünf Jahren mehr als 70 000 Stellen gestrichen, bis 2008 dürften weitere 15 000 Jobs dem Rotstift zum Opfer fallen. Das sei bisher einmalig in der Branche, sagte Verdi-Vorstandsmitglied Uwe Foullong am Donnerstag in Frankfurt am Main.

Er äußerte sich auch zu den anstehenden Tarifverhandlungen. „Ich schätze, dass bei der Sitzung der Tarifkommission am 4. April Gehaltsforderungen von vier bis fünf Prozent erhoben werden. Das ist meine ganz persönliche Meinung“, sagte Foullong. Angesichts der guten wirtschaftlichen Situation der Unternehmen gebe es Spielraum für deutliche Gehaltssteigerungen für die rund 430 000 Bankbeschäftigten.

Wenig Verständnis hat die Gewerkschaft für Forderungen aus der Bankenbranche nach längeren Arbeitszeiten und weniger Urlaub. Sollten die Arbeitgeber mit dieser Forderung in die Tarifverhandlungen gehe, würde dies auf großen Unmut bei den Beschäftigten stoßen, warnte Foullong.

Scharfe Kritik übte der Gewerkschafter am Stellenabbau bei Banken und Versicherungen. Der Leistungsdruck auf die verbliebenen Mitarbeiter sei gestiegen, zugleich mangele es in einigen Bereichen bereits an Fachkräften. „Der Personalabbau von heute ist der Fachkräftemangel von morgen“, sagte Foullong. Personalabbau sei eine „stupide Unternehmenspolitik“ und der falsche Weg.

Auch in der Versicherungsbranche, in der laut ver.di-Schätzungen allein im vergangenen Jahr 5 000 Stellen wegfielen, rechnet die Gewerkschaft mit dem Abbau weiterer Jobs. Bis 2008 dürften es vermutlich weitere 10 000 Stellen sein, die gestrichen würden, hieß es. Nicht enthalten in der Schätzung sind Arbeitsplätze, die möglicherweise durch die Umstrukturierungen bei der Allianz entfallen. Foullong forderte Allianz-Vorstandschef Michael Diekmann in diesem Zusammenhang auf, betriebsbedingte Kündigungen auszuschließen.

Stellenstreichungen trotz Gewinnsteigerungen seien „unverantwortlich und unmoralisch“. Das Management habe nicht nur eine Verantwortung für seine Anteilseigner, sondern auch für die Beschäftigten. Foullong bekräftigte die Forderung der Gewerkschaft nach einer gesetzlichen Regelung, wonach betriebsbedingte Kündigungen verboten sein sollten, wenn das Unternehmen Gewinne erwirtschaftet und die Rendite steigert.

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