Starker Franken
Schweizer Notenbank macht Milliardenverluste

Die SNB stemmt sich mit Devisenkäufen gegen die Flucht in den Franken und hat dabei im ersten Quartal Milliarden verloren. Der Rekord-Verlust aus dem Jahr 2010 ist aber lange nicht erreicht.
  • 0

ZürichDer Kampf gegen die Aufwertung des Frankens hat der Schweizer Notenbank im ersten Quartal einen Milliardenverlust beschert. Die durch Franken-Verkäufe aufgelaufenen und hauptsächlich in Euro, Dollar und Yen investierten Devisenanlagen der Schweizerischen Nationalbank (SNB) verloren im ersten Quartal um 6,4 Milliarden Franken an Wert. Der Euro hatte 1,1 Prozent an Wert eingebüßt. Beim Dollar lag der Kursverlust bei 3,8 Prozent.

Kursgewinne und Zinserträge aus Wertpapieren konnten das Minus nach SNB-Angaben vom Montag nur zum Teil ausgleichen, so dass ein Verlust von 2,6 Milliarden Franken blieb. Gemildert wurde der Devisenverlust durch den steigenden Goldpreis, der der SNB einen Gewinn von 800 Millionen Franken einbrachte. Unter dem Strich lag der Konzernverlust bei 1,7 Milliarden Franken (1,4 Milliarden Euro) nach einem Gewinn von knapp 1,9 Milliarden Franken im Quartal davor.

Die SNB stemmt sich mit Devisenkäufen gegen die von der Euro-Schuldenkrise ausgelöste Flucht in den Franken. Ein steigender Frankenkurs verteuert die Exporte. Wegen sinkender Importpreise droht Deflation. Im September führte die SNB einen Mindestkurs für den Euro von 1,20 Franken ein, den sie mit Devisenkäufen verteidigt. Derzeit notiert der Euro bei 1,2015 Franken im Vergleich zu 1,2172 Franken am Ende des letzten Jahres. Insgesamt hält die SNB ausländische Währungen im Wert von rund 245 Milliarden Franken. Sie sind zu 51 Prozent in Euro und zu rund 28 Prozent in Dollar angelegt.

Als die Aufwertung des Frankens 2010 ihren Anfang nahm und die SNB bei höheren Kursen als heute Euro gegen Franken zu kaufen begann, fuhr die Notenbank einen Rekord-Verlust von fast 20 Milliarden Franken ein. 2011 fiel dann wieder ein Gewinn von 13,5 Milliarden Franken an.

Im Prinzip kann die Schweizer Notenbank endlos gegen die Aufwertung des Frankens mit selbst geschaffenem Geld intervenieren. Wenn aber etwa der Dollar weiter an Wert verliert, laufen Verluste auf und die Schweizer Kantone erhalten weniger oder gar keine Gewinnausschüttungen und müssen die so entstandenen Lücken in ihren Haushalten anderweitig decken. Wegen der starken Schwankungen an den Märkten sei es nur bedingt möglich, das Quartalsergebnis auf das ganze Jahr hochzurechnen, erklärte die SNB.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Starker Franken: Schweizer Notenbank macht Milliardenverluste"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%