State Bank of India: Comeback des indischen Champions

State Bank of India
Comeback des indischen Champions

Die National Bank of India (SBI) ist die größte Bank des Subkontinents. Doch Größe allein führt nicht zu echter Stärke. Junge, aufstrebende Privatbanken machen der SBI das Leben schwer. Mit einer aggressiven Expansionspolitik will Unternehmens-Chef Om Prakash Bhatt neue Konkurrenten ausbremsen und die nationale Spitzenposition der SBI bewahren.

DELHI. Als große alte Dame der indischen Bankenwelt genießt die State Bank of India (SBI) hohen Respekt. Aber sie hat mit den Jahren auch Speck angesetzt und Runzeln bekommen. Ehrgeizige, blutjunge Rivalinnen machen der SBI das Leben zusätzlich schwer. Lange hat die alternde Diva den Kopf in den Sand gesteckt und vom verblassenden Ruhm gelebt. Nun kämpft sie um ein Comeback.

Die Bank hat ähnliche Wurzeln wie HSBC und Standard Chartered: Gegründet wurde sie vor über 200 Jahren in Kalkutta als Bank of Bengal, um britischen Kolonialhändlern zu dienen. Bis heute ist sie Indiens Banken-Champion: Ihre Bilanzsumme ist doppelt so groß wie die des nächsten Rivalen ICICI. Doch der Vorsprung schmilzt rasant. Vor sieben Jahren stellte die SBI-Gruppe 30 Prozent des Bilanzvolumens aller indischer Banken. 2007 waren es nur noch 24 Prozent.

Weil ihm Politiker, Bürokraten und Gewerkschaften die Hände binden, schlug der staatseigene Riese aus seiner Größe und Bekanntheit bisher kein Kapital. SBI wächst kaum, während Indiens Finanzbranche Jahr für Jahr um 20 Prozent und mehr expandiert. Mit einer Basis von 100 Millionen Kunden und fast 10 000 Filialen in allen Winkeln des Landes im Rücken schaute die Chefetage lange untätig auf blutjunge, aggressive Privatbanken herab wie ICICI, HDFC, Axis oder Yes Bank. Keine ist älter als ein Jahrzehnt. Aber sie wachsen jedes Jahr um ein Drittel und mehr.

Doch Om Prakash Bhatt, seit 2006 neuer Chef, will den Elefanten das Tanzen lehren. Die Finanzmärkte gewähren dem Chairman Vorschusslorbeeren: In den vergangenen neun Monaten legte SBIs Aktienkurs etwa um das Anderthalbfache zu. Nicht für das Erreichte, sondern als "Vertrauensbeweis für die Zukunft" kürte auch der "Business Standard" Bhatt gerade zum Banker des Jahres. Die Wirtschaftszeitung würdigt eine Salve von Initiativen, die dem Institut zurück zu goldenen Zeiten helfen sollen.

Zumindest ist die Erosion des Marktanteils gestoppt. Jetzt schaltet Bhatt auf Vorwärtsstrategie: "Ich will SBI zu einem nationalen Champion machen wie ICBC in China", lautet seine Vision. Im Firmenkundengeschäft ist die Bank traditionell Indiens größte Quelle für Übernahmefinanzierungen. "Aber unsere Unternehmen haben ehrgeizige Akquisitionspläne", weiß der Chef, "daher müssen auch wir größer werden." Sein Ziel ist es, die Bilanzsumme von SBI in zwei Jahren von 145 Mrd. auf 250 Mrd. Dollar anwachsen zu lassen. Zukäufe und Beteiligungen in Übersee schließt er nicht aus. "Ich sehe Chancen", frotzelte er jüngst in der lokalen Presse, "denn die USA sind zum größten Emerging Market geworden."

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