Steuerabkommen
Ackermann rät der Schweiz zu Härte im Steuerstreit

Josef Ackermann bezeichnet das Steuerabkommen mit der Schweiz als „Win-Win-Situation“, doch die Chancen dafür stehen seiner Meinung nach schlecht. Bei der Zukunft des Investment-Bankings ist er optimistischer.
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ZürichDer Ex-Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann ruft die Schweiz dazu auf, im Steuerstreit mit Deutschland hart zu bleiben. "Die Schweiz darf keine weiteren Zugeständnisse machen, sondern muss am Ausgehandelten festhalten", sagte Ackermann in einem Interviez mit der NZZ am Sonntag. Er bezeichnete das umstrittene Steuerabkommen als "Win-Win-Situation", räumte aber ein, dass die Chancen für das Abkommen schlecht stehen.

Am 23. November soll der Deutsche Bundesrat über das umstrittene Steuerabkommen abstimmen. Es sieht vor, dass die Schweizer Banken auf bisher unversteuerte Vermögen deutscher Kunden anonym eine Abgeltungssteuer von 21 bis 41 Prozent erheben. Zukünftige Erträge sollen mit einer anonymen Quellensteuer belegt werden. Die Bundesregierung rechnet im ersten Jahr mit Einnahmen von rund zehn Milliarden Euro aus dem Vertrag.

SPD und Grüne wollen den Vertrag im Bundesrat aber scheitern lassen, weil durch das Abkommen ihrer Ansicht nach Steuerflüchtlinge zu billig weggkommen. Laut einem Bericht des "Spiegel" will Finanzminister Wolfgang Schäuble versuchen, SPD-regierte Bundesländer noch umzustimmen, indem die Länder einen höheren Anteil an den zu erwarteten Erträgen bekommen sollen.

Ackermann kritisierte, dass die Schweiz im Steuerstreit durch internen Zank ihre Position geschwächt habe. "Diese Kakofonie nimmt unserem Land die Schlagkraft", sagte er, etwa, indem in der Schweiz eine Debatte um die Einführung des automatischen Informationsaustausches geführt werde. Offiziell sieht die Schweiz in ihrem Abgeltungssteuermodell eine Alternative zum automatischen Informationsaustausch, der das Ende des letzten Restes Bankgeheimnis bedeuten würde. Aber auch Schweizer Banker wie der Raiffeisen-Chef Pierin Vincenz glauben, dass langfristig der Informationsaustausch nicht aufzuhalten sei.

Mit Blick auf die Banken-Welt äußerte Ackermann Verständnis für die Entscheidung der UBS, das Investmentbanking radikal zu verkleinern. Ein Vorbild für die Deutsche Bank sieht er darin aber nicht. "Es wird sich weisen, wer künftig besser fährt", so Ackermann, "jene, die sich jetzt stark anpassen, oder jene, die weiter auf Investment Banking setzen und mit Marktanteilen rechnen." Die Deutsche Bank ist demnach in die zweite Kategorie einzuordnen. "Die Deutsche Bank ist die einzige europäische Bank, die im weltweiten Investment Banking noch eine wichtige Rolle spielt - und sich dazu bekennt."

Das Investment Banking muss an die neue Regulierung sicher angepasst werden. Doch Ackermann glaubt weiterhin fest an die Zukunft des Investment Bankings, vor allem im Anleihe-Bereich, den UBS jetzt radikal verkleinern will. Denn "das traditionelle Kreditgeschäft wird immer mehr durch das Kapitalmarktgeschäft ersetzt", meint Ackermann. In den USA würden sich Unternehmen bereits stärker über den Markt als über Banken finanzieren. Europa dürfte diesem Trend folgen.

Zur derzeitigen Politik der Europäischen Zentralbank (EZB), notfalls mit Ankäufen von Anleihen von Krisenstaaten die Euro-Zone zu stabilisieren, sieht Ackermann keine Alternative. Aber die lockere Geldpolitik berge auch Risiken. "Sollte die Konjunktur anspringen und die bei den Notenbanken liegende Liquidität in den Wirtschaftskreislauf gelangen, könnte die Inflation steigen", so Ackermann. "Im Moment stehen die Zeichen jedoch auf Rezession."

 

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  • Zitat:

    "Die "kleinen" Leute würden nach dem grossen Bankencrash sehr schnell wieder zu bescheidenem Wohlstand kommen können, sehr viel schneller als das unter derzeit herrschender Allmacht des Kapitals möglich ist"

    Mal wieder der Spruch eines Menschen, der glaubt das Reiche viel Geld haben. Daher für Sie: ARME haben (relativ zum Einkommen) viel Geld bei einer Bank. Reiche haben dagegen Immobilien und Unternehmen. Aus diesem Grund werden bei einem Bankencrash ARME viel Geld verlieren, während Reiche schlicht reich bleiben. Eine BMW-Aktie bleibt eine BMW-Aktie, auch wenn alle Banken crashen. Aber Girokonten, Sparbücher und Festgeldanlagen hören auf zu existieren. Und ja: Einlagensicherungsfonds hören dann ebenfalls auf zu existieren.

  • @Ulrich62
    hätten Sie ihre Thesen bezüglich Eigenkapitalregeln vor 5 Jahren verbreitet hätte ich gesagt chapo der hat Ahnung. Jetzt im nachhinein ist das alles nutzlos in Bezug auf Eigenkapital und Regulierung da sich das Problem von selbst löst,durch wieder ein verlorenes Jahrzehnt oder wenn es ganz schlimm kommt mit einem Reset des Weltfinanzsystems.

  • Ich hoffe die jenigen welche "Bill Clinton" mit "DROGEN" und "NUTTEN" erpresst haben oder "Barschel/Engholm" mit dem "Tavor in der Wanne" erwischt es mal beim belauschen der FILMKRIKTIK!

    gttp://central.banktunnel.eu/20121117-18-rundschau.jpg

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