Steuerhinterziehung in der Schweiz
HSBC half Waffenhändlern und Terror-Finanzierern

Pikante Details einer Steueraffäre in der Schweiz bringen die HSBC in Bedrängnis. Die Bank soll Tausenden Kunden bei der Steuerhinterziehung geholfen haben – darunter Waffenhändler und Schmuggler von Blutdiamanten.
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LondonDer internationale Rechercheverband ICIJ hat erneut Daten zur Steuerhinterziehung veröffentlicht und diesmal den Schweizer Ableger der britischen Großbank HSBC ins Visier genommen. Über die „Swissleaks“ berichteten am Montag unter anderem die „Süddeutsche Zeitung“, NDR und WDR sowie die französische „Le Monde“, der britische „Guardian“ und die BBC. Demnach half der Schweizer HSBC-Ableger zahlreichen internationalen Persönlichkeiten und Politikern dabei, mehrere Millionen Euro vor dem Fiskus zu verstecken.

Wie das Recherchenetzwerk mitteilte, legten internationale Kunden bei der Bank Milliardenbeträge an, davon offenbar viel als Schwarzgeld. Den ausgewerteten Kontendaten zufolge lagerten 2007 dort mehr als 75 Milliarden Euro. In den Daten sind dem ICIJ zufolge mehr als 100.000 Kunden aus über 200 Ländern gelistet.

HSBC habe unter anderem von „Geschäften mit Waffenhändlern profitiert“, die Mörserbomben an Kindersoldaten in Afrika geschickt hätten, erklärte das Netzwerk. Andere kriminelle Partner seien „Schmuggler von Blutdiamanten“ und Terrorismus-Finanzierer gewesen.

Unklar ist bisher, wer genau die Steuersünder waren und wie viele davon aus Deutschland kommen. Das Bundesfinanzministerium erklärte, die Daten seien an die zuständigen Finanzämter weitergeleitet worden. Von 3000 Konten seien jedoch nur sechs dem Finanzamt bekannt gewesen, berichtete der NDR.

Die Dokumente stammen von dem früheren HSBC-Mitarbeiter Hervé Falciani. Er hatte sie entwendet und 2009 an die französischen Steuerbehörden übergeben. Andere Länder, darunter auch Deutschland, bekamen Unterlagen, um ebenfalls zu ermitteln. Zugriff auf die Daten hatte auch die französische Zeitung „Le Monde“, die sie wiederum dem Recherchenetzwerk zur Verfügung stellte.

Der Fall war bereits in der Öffentlichkeit bekannt. Neu sind aber die Dokumente und die umfangreiche Auswertung. In Belgien und Frankreich wurden bereits Ermittlungsverfahren gegen die HSBC-Tochter in der Schweiz eingeleitet. In Belgien seien die Nutznießer hauptsächlich Diamantenhändler aus Antwerpen gewesen, teilte die ermittelnde Staatsanwaltschaft im vergangenen November mit. Finanzbehörden in mindestens zwölf Ländern sollen mit den internen Unterlagen der Bank bereits mehr als eine Milliarde Euro Steuern und Strafen eingetrieben haben, berichtet die „Süddeutsche Zeitung“.

Gegen Whistleblower Falciani hat die Schweizer Staatsanwaltschaft den ICIJ-Berichten zufolge vor kurzem Anklage erhoben. Er war 2012 in Barcelona festgenommen worden. Ihm soll es nach eigenen Angaben nie um Geld gegangen seien.

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HSBC räumt „Kontrollversagen“ ein

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  • Lesen Sie bitte einmal, was ich schrieb.Es war bekannt.BaKred und die Folgebehörde, waren über diesen speziellen Punkt informiert.

  • Wo ist denn die Bankenaufsicht geblieben. Die Schweiz hat mit Sicherheit die gleichen Geldwäschevorschriften wie sie auch in anderen zivilisierten Staaten gelten. Wenn man dan sieht, dass in Deutschland die Mitarbeiter von Kreditinstituten seitens der Aufsicht und den Prüfern permanent getreten werden um ja jeden noch so kleinen dubiosen Betrag als Geldwäsche zu melden, sind die Aufseher in der Schweiz offensichtlich auf beiden Augen blind. Die FATF stuft doch die Länder regelmämßig nach Risikokriterien ein. Dann bleibt doch eigentlich für die Schweiz nur noch die Einstufung als Hochrisikoland. Dann stehen die auf einer Stufe mit Nordkorea und dem Iran. Dann würde auch mal wieder Bewegung in die Kategorie der Hochrisikoländer kommen. Geht natürlich nicht, da die Einstufung eine politisch motivierte Veranstaltung ist und sich nicht an den wirtschaftlichen Gegebenheiten orientiert.

  • Wundern tut mich nichts mehr bis auf eines: Niemand redet von den Steuerparadiesen der Briten auf den Inseln im oder am Ärmelkanal.Guernsey, Jersey gehören sogar der Königin privat auch andere Inseln sind autark und haben ebenfalls internationale Steuerflüchtlingskunden. Warum fasst da keiner nach, da schlummern doch gleich viele Milliarden Euro.

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