Steuerhinterziehung in der Schweiz

HSBC half Waffenhändlern und Terror-Finanzierern

Pikante Details einer Steueraffäre in der Schweiz bringen die HSBC in Bedrängnis. Die Bank soll Tausenden Kunden bei der Steuerhinterziehung geholfen haben – darunter Waffenhändler und Schmuggler von Blutdiamanten.
Update: 09.02.2015 - 10:45 Uhr 13 Kommentare

HSBC-Bank bunkerte Milliarden Schwarzgeld

LondonDer internationale Rechercheverband ICIJ hat erneut Daten zur Steuerhinterziehung veröffentlicht und diesmal den Schweizer Ableger der britischen Großbank HSBC ins Visier genommen. Über die „Swissleaks“ berichteten am Montag unter anderem die „Süddeutsche Zeitung“, NDR und WDR sowie die französische „Le Monde“, der britische „Guardian“ und die BBC. Demnach half der Schweizer HSBC-Ableger zahlreichen internationalen Persönlichkeiten und Politikern dabei, mehrere Millionen Euro vor dem Fiskus zu verstecken.

Wie das Recherchenetzwerk mitteilte, legten internationale Kunden bei der Bank Milliardenbeträge an, davon offenbar viel als Schwarzgeld. Den ausgewerteten Kontendaten zufolge lagerten 2007 dort mehr als 75 Milliarden Euro. In den Daten sind dem ICIJ zufolge mehr als 100.000 Kunden aus über 200 Ländern gelistet.

HSBC habe unter anderem von „Geschäften mit Waffenhändlern profitiert“, die Mörserbomben an Kindersoldaten in Afrika geschickt hätten, erklärte das Netzwerk. Andere kriminelle Partner seien „Schmuggler von Blutdiamanten“ und Terrorismus-Finanzierer gewesen.

Unklar ist bisher, wer genau die Steuersünder waren und wie viele davon aus Deutschland kommen. Das Bundesfinanzministerium erklärte, die Daten seien an die zuständigen Finanzämter weitergeleitet worden. Von 3000 Konten seien jedoch nur sechs dem Finanzamt bekannt gewesen, berichtete der NDR.

Die Dokumente stammen von dem früheren HSBC-Mitarbeiter Hervé Falciani. Er hatte sie entwendet und 2009 an die französischen Steuerbehörden übergeben. Andere Länder, darunter auch Deutschland, bekamen Unterlagen, um ebenfalls zu ermitteln. Zugriff auf die Daten hatte auch die französische Zeitung „Le Monde“, die sie wiederum dem Recherchenetzwerk zur Verfügung stellte.

Der Fall war bereits in der Öffentlichkeit bekannt. Neu sind aber die Dokumente und die umfangreiche Auswertung. In Belgien und Frankreich wurden bereits Ermittlungsverfahren gegen die HSBC-Tochter in der Schweiz eingeleitet. In Belgien seien die Nutznießer hauptsächlich Diamantenhändler aus Antwerpen gewesen, teilte die ermittelnde Staatsanwaltschaft im vergangenen November mit. Finanzbehörden in mindestens zwölf Ländern sollen mit den internen Unterlagen der Bank bereits mehr als eine Milliarde Euro Steuern und Strafen eingetrieben haben, berichtet die „Süddeutsche Zeitung“.

Gegen Whistleblower Falciani hat die Schweizer Staatsanwaltschaft den ICIJ-Berichten zufolge vor kurzem Anklage erhoben. Er war 2012 in Barcelona festgenommen worden. Ihm soll es nach eigenen Angaben nie um Geld gegangen seien.

HSBC räumt „Kontrollversagen“ ein
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13 Kommentare zu "Steuerhinterziehung in der Schweiz: HSBC half Waffenhändlern und Terror-Finanzierern"

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  • Lesen Sie bitte einmal, was ich schrieb.Es war bekannt.BaKred und die Folgebehörde, waren über diesen speziellen Punkt informiert.

  • Wo ist denn die Bankenaufsicht geblieben. Die Schweiz hat mit Sicherheit die gleichen Geldwäschevorschriften wie sie auch in anderen zivilisierten Staaten gelten. Wenn man dan sieht, dass in Deutschland die Mitarbeiter von Kreditinstituten seitens der Aufsicht und den Prüfern permanent getreten werden um ja jeden noch so kleinen dubiosen Betrag als Geldwäsche zu melden, sind die Aufseher in der Schweiz offensichtlich auf beiden Augen blind. Die FATF stuft doch die Länder regelmämßig nach Risikokriterien ein. Dann bleibt doch eigentlich für die Schweiz nur noch die Einstufung als Hochrisikoland. Dann stehen die auf einer Stufe mit Nordkorea und dem Iran. Dann würde auch mal wieder Bewegung in die Kategorie der Hochrisikoländer kommen. Geht natürlich nicht, da die Einstufung eine politisch motivierte Veranstaltung ist und sich nicht an den wirtschaftlichen Gegebenheiten orientiert.

  • Wundern tut mich nichts mehr bis auf eines: Niemand redet von den Steuerparadiesen der Briten auf den Inseln im oder am Ärmelkanal.Guernsey, Jersey gehören sogar der Königin privat auch andere Inseln sind autark und haben ebenfalls internationale Steuerflüchtlingskunden. Warum fasst da keiner nach, da schlummern doch gleich viele Milliarden Euro.

  • Wundern tut mich nichts mehr bis auf eines:

  • Die Politiker unterstützen durch Nichtaktivitäten solche Bankster.
    Wo bleiben die Zerschlagungen der iNVESTMENTBANKEN und "normalen! Sparbanken?
    Wo bleiben die Transaktionssteuern?
    Welcher Staat bestraft solche Bankster?
    Alles nur leere Worte und Lügen. Man kann wie immer alles mit wenigen Worten sagen:
    Geld stinkt nicht. Die Ethik und Moral überlassen wir den sogenannten "Kleinkarierten". So ist es schon ewig. In der Welt bestimmt die Plutokratie. Fertig aus.

  • Teil 3
    Es sind nur wenige Beispiele. keine Verschwörungstheorien. Die verlogene Stellungnahme der HSBC in Genf ist nur die Spitze des Eisberges.
    Wenn das ganze Ausmaß des Skandals offenbar würde, würde kein Stein mehr auf dem anderen bleiben.

  • Teil 2
    um die Banken bildeten, das wurde nach zahlreichen Aussagen und den harten Fakten von den Banken selbst initiiert. Tausende von Kunden in der ganzen Welt wurden geschädigt. Das war seit 1990 Gang und Gebe. Ein schönes Beispiel in Monaco ist ein, nur ein paar Straßenzüge weiter entfernte Briefkastenanlage von solchen Firmen, 50 Terminhändler in einem Büro, Hauptsache, die internationalen Callcenter der Keiler funktionierten. Deren Faxberichte und Telefonanrufe sprachen Bände. Ein weiteres Beispiel fand sich in der Niederlassung der HSBC Bank in Athen, nahe des allseits heute bekannten Syntagma, auch von dort aus wurden den "Reichen" noch mehr Gewinne beschert, die einmal als Zucker-oder Ölgeschäfte etc. ausgewiesen wurden. Aus abbruchreifen Häusern in der Plaka nebenan. Da waren allenfalls Ratten oder Katzen wohnhaft. Von den Superbankern der HSBC kein einziger.
    Der Euro musste verhindert, gestört und zum Platzen gebracht werden.
    Waffen wollten, wie z.B. bei der Firma "Excotra" (Kongo) in Brüssel finanziert werden, da wurde auch schon mal eingebrochen oder, wenn ein Klient das Geld zurückverlangte, diesem die Beine gebrochen. Mehrere Andere sollen, hört man auf Informationen plötzlich einem Unfall zum Opfer gefallen sein. Das wurde damals in das Land der Räuberpistolen verworfen. Leute, die sich beruflich damit auseinandersetzen mussten, wurden von einer gekauften Schar Anwälte, korrupten Politikern mundtot gemacht. Wurden gefoltert oder verschwanden. Kriege wollten finanziert sein, das war Planung derer, die glaubten, ihre Vorstellung der Welt durchsetzen zu können. Hauptdrahtzieher dieser Bankgeschäfte mit der HSBC lebten im schönen Andalusien, nicht weit von der HSBC in Gibraltar, einer ausgewiesenen Geldwaschanlage im Briefkastenformat. Von den Angestellten vor Ort in Marinas Bay wusste selbst der Portier keine Person zu berichten, der seinem traurigen Dasein nachging, für die Kofferträger aus aller Welt die Türen zu öffnen.

  • Do you want to know a secret?
    Der eigentliche Skandal ist nicht der, dass sich jetzt die ganze Welt darüber empört, sondern der, dass es zahllose Hinweise auf die Finanzierung von Terror und Waffenhändlern gab. So auch schon 2001, als die HSBC die Republican Bank of NY in der 17, Ave. de Oostende in Monaco übernahm. Hierzu gibt es zahlreiche schriftliche Berichte aus diesen Tagen. Dokumentarisches Material von ungeahnter politischer Sprengkraft für die Republican Bank of New York in der damaligen Zeit. Heute ein lebendes Mahnmal für kollektives Versagen den Verbrechern in den Banken entgegenzutreten, die sich auch nicht erblödeten, ihre Aasgeier, die dann folgten, einmal jährlich in einer Runde mit Politikern und Bankern zu feiern. Selbst Angestellte der HSBC lieferten schon damals eindrucksvolle Beweise an trauter Tafel, hoch über den Dächern von Monaco.
    Republican Bank of New York ist nur eines von Hunderten Beispielen, deren ehemaliger Besitzer, Edmond Safra, kam am 3. Dezember 1999 durch ein nie ganz aufgeklärtes Tötungsdelikt ums Leben. Man wollte keine schlafenden Hunde wecken. Da hätte die Justiz, das monegassische Kassationsgericht, das die Verbindungen zu zahllosen Briefkastenfirmen kannte, das BaFin war damals auch in Kenntnis, handeln müssen. Nein, lieber Jachtreisen von der sonnigen Küste Monacos waren damals wichtiger. Eine Bankklitsche wie die NBoNY machte Milliarden, kein Mensch konnte sich erklären, wie es möglich war, mit ein paar Figuren, die im jährlichen Rechenschaftsbericht aufgeführt waren und eher in der Gehaltsklasse einer Putzfrau oder eines Pagen zu finden waren, solche Umsätze zu bewerkstelligen. Die HSBC kaufte die Klitsche zügig nach dem Tod Safras auf. Wie auch in London zahlreiche Banken, in Irland und in ausgewiesenen Steueroasen. Es gab so viele Beispiele, die sich nicht mehr aufzählen ließen.
    Die hohen Zinsen auf das Anlagevermögen konnten nur gehalten werden, da sich eine ganze Subkultur von "Terminhändlern" wie (Teil 1)

  • Wir sprechen immer von Wertegemeinschaft in Europa. Was denkt sich eigentlich die Elite bei diesem Thema. Bankvorstände und hochrangige Politiker halten viele Konferenzen ab, aber was jetzt rauskommt war doch bekannt.
    Wertegemeinschaft mit Bankgeheimnis und Steuergeheimnis in einer sozialen Marktwirtschaft funktioniert nicht, aber Sprüche führen zum Zerfall unseres Zusammnehaltes.

    Wenn man Wertegemeinschaft will, muss man funktionierende Regeln schaffen, die auch zu weniger Geschäft führen können. Abwägung tut not, schafft Treuhandverhälnisse ab, es muss Transparenz herrschen, auch wenn dies zu ökonomischen Nachteilen kurzfristig führt.

    Nicht der schützt die Marktwirtschaft der alles zulässt, sondern der der abwägt und generelle Regeln schafft. Ddie Politik zum Beispiel in der Schweiz hat der Demokratie mehr geschadet als manches linke Geschwätz.

  • Schön, wenn da wieder eine illegale Sache skandalisiert wird?
    Es wird der Leser in der üblichen Empörungskultur aktiviert und die Kommentare geben der Berichterstattung recht. Wir hier unten die Opfer, da oben, das sind die Täter die sich an kein Gesetz halten.

    Probleme analysieren. Methoden zur Entdeckung entwickelln. Gezielte Aktionen gegen illegale Machenschaften. Täter identifizieren, Gesetze für eine entsprechende Verurteilung beschließen. Entsprechende Strafmaße schaffen (z.B. Privatvermögen der "Zuständigen" einziehen können).

    Und an alle Moralspostel: Erst mal das eigene Leben reflektieren, von Energieverbrauch über Gehaltsvergleiche mit anderen regionen der WElt, Konsumverhalten checken, eigene Renditeerwartung für die Altersvorsorge überprüfen.... dann erst beschweren.

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