Steuerstreit mit den USA
Credit Suisse gibt Beihilfe zur Steuerhinterziehung zu

Die Credit Suisse räumt Verstöße gegen US-Steuergesetze ein: Das Top-Management habe davon nichts gewusst, erklärt der Bankchef vor einem US-Untersuchungsausschuss – übernehme aber die Verantwortung.
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Washington/ZürichIm Steuerstreit zwischen der Schweiz und den USA hat der Chef der Credit Suisse Verstöße gegen US-Steuergesetze eingeräumt. Eine kleine Gruppe von Anlageberatern habe Beihilfe zu Steuerhinterziehung für reiche Amerikaner begangen, erklärte Brady Dougan am Mittwoch vor einem Untersuchungsausschuss des US-Senats. Die von Zürich aus operierenden Mitarbeiter hätten interne Vorschriften missachtet. Das Top-Management habe erst nach umfangreichen internen Untersuchen davon erfahren. „Wir bedauern zutiefst, dass einige Privatbanker der Credit Suisse vor 2009 offenbar gegen US-Recht verstoßen haben“, sagte Dougan. „Dafür übernehmen wir die Verantwortung“, auch wenn die Banker sich alle Mühe gegeben hätten, ihr Tätigkeiten vor der Geschäftsleitung geheim zu halten.

In einem am Dienstag veröffentlichen Untersuchungsbericht warf der Ausschuss der Bank vor, reiche Amerikaner mit einer Reihe von Tricks und konspirativen Maßnahmen bei der Hinterziehung von Steuern geholfen zu haben. Kundenberater seien mit Touristen-Visa in die USA eingereist und hätten ohne entsprechende Genehmigung Kunden angeworben und beraten.

Am Flughafen Zürich habe die Bank eine spezielle Filiale eingerichtet, in die reiche Kunden bei einem Zwischenstopp kommen konnten, ohne sich länger in der Schweiz aufhalten oder gar in ein Hotel einchecken zu müssen.

Den Vorwurf, das Geldhaus habe für mehr als 22.000 reiche Amerikaner Konten eröffnet, auf denen bis zu zwölf Milliarden Dollar zum größten Teil unversteuert gelegen hätten, wies der CS-Chef zurück. Die Zählung beruhe auf falschen Annahmen und die Methode sei nicht richtig.

Gegen die zweitgrößte Schweizer Bank läuft seit 2011 ebenso wie gegen ein weiteres rundes Dutzend Geldhäuser ein Ermittlungsverfahren des US-Justizministeriums in der gleichen Sache. Einzelheiten darüber sind nicht bekannt. In älteren Gerichtsdokumenten war bisher die Rede von mindestens vier Milliarden Dollar, die bei der Schweizer Bank versteckt gewesen sein sollen. Die Höhe der möglichen Schwarzgelder ist von Bedeutung, weil sich auch danach die Strafe bemisst, die Credit Suisse wird zahlen müssen, um einer formellen Anklage des US-Justizministeriums zu entgehen. Der Bank könnte eine höhere Strafe drohen als bisher angenommen.

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