Steuerstreit UBS schafft sich Spielraum

Die Schweizer Großbank UBS wappnet sich für eine Einigung im US-Steuerstreit: Eine Kapitalerhöhung von 3,8 Milliarden Franken soll möglichen finanziellen Belastungen durch den Steuerprozess vorbeugen und weitere Verluste auffangen. Hinter den Kulissen ringen UBS und die US-Steuerbehörde um eine außergerichtliche Einigung - die Zeit drängt.
  • Hans G. Nagl und Torsten Riecke
Mit ihrer Kapitalerhöhung folgt die Schweizer UBS dem Beispiel vieler amerikanischer Banken. Quelle: ap

Mit ihrer Kapitalerhöhung folgt die Schweizer UBS dem Beispiel vieler amerikanischer Banken.

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FRANKFURT/ZÜRICH. Gestärkt durch eine überraschende Kapitalerhöhung geht die UBS in womöglich schicksalhafte 14 Tage ihres Geschäftsjahres. Bis am Dienstag (30. Juni) muss sich die amerikanische Regierung im Steuerstreit mit der Schweizer Großbank äußern. Wenn es in den nächsten zwei Wochen keine außergerichtliche Einigung mit der US-Steuerbehörde über die Herausgabe von 52 000 Kundendaten gibt, beginnt am 13. Juli der Zivilprozess gegen die UBS. Hinter den Kulissen wird jedoch fieberhaft um einen Vergleich in letzter Minute gerungen. Nach einem Bericht der Schweizer Zeitung "Sonntag" könnte ein Kompromiss die Bank bis zu fünf Mrd. Franken kosten. Die UBS wollte das nicht kommentieren.

Angesichts der möglichen finanziellen Belastungen durch den Steuerprozess erscheint die Kapitalerhöhung um 3,8 Mrd. Franken umso dringlicher. Zudem ist die Kapitalmaßnahme aber auch notwendig, um weitere Verluste aufzufangen. Erwarten die Eidgenossen für das laufende zweite Quartal doch erneut rote Zahlen. Analysten schätzen den Fehlbetrag auf bis zu zwei Mrd. Dollar. Auch der Abfluss von Kundeneinlagen konnte immer noch nicht gestoppt werden. Die Bank hatte im ersten Quartal 23 Mrd. Franken verloren. Darin drückt sich auch die Unsicherheit der Kunden über den US-Streit aus.

Die UBS folgt mit ihrer Kapitalerhöhung dem Beispiel vieler amerikanischer Banken. US-Institute haben in den vergangenen Wochen mehr als 75 Mrd. Dollar frisches Kapital aufgenommen. Das Interesse der Investoren an Bankaktien ist wieder gestiegen, nachdem sich die Kreditmärkte etwas beruhigt haben und die jüngsten Ergebnisse vieler Banken besser als erwartet ausgefallen waren.

Die Kapitalmaßnahme kommt zudem kurz nachdem die Schweizerische Nationalbank von den Großbanken eine höhere Risikovorsorge gefordert hatte. Durch die Kapitalerhöhung kann die UBS ihre Kernkapitalquote von zuletzt 10,5 auf 11,9 Prozent anheben. Zählt man noch den Bilanzeffekt aus dem Verkauf der brasilianischen Tochter Pactual hinzu, könnte der Wert sogar auf 12,4 Prozent steigen. Zum Vergleich: Erzrivalin Credit Suisse kommt auf eine Quote von mehr als 14 Prozent.

Verantwortlich für die Verluste in den Monaten April bis Juni sind nach Angaben der UBS unter anderem Restrukturierungskosten von 650 Mio. Franken für den massiven Personalabbau. Die Bank hatte im April den Abbau von weiteren 7 500 Stellen angekündigt.

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