Strafzinsen auf Sparkonten „Sag' niemals nie“

Kleinsparer sollen vor Strafzinsen sicher sein. Das betonen Bankmanager immer wieder. Doch der Gedanke, dass vermögende Kunden negative Zinsen auf ihre Einlagen zahlen müssen, gilt nicht mehr als abwegig.
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„Für den normalen Sparer hätten Negativzinsen Konsequenzen, die wir alle nicht wollen.“ Quelle: Marc-Steffen Unger für Handelsblatt
Postbank-Chef Frank Strauß (l.) im Gespräch mit Handelsblatt-Chefredakteur Sven Afhüppe

„Für den normalen Sparer hätten Negativzinsen Konsequenzen, die wir alle nicht wollen.“

(Foto: Marc-Steffen Unger für Handelsblatt)

FrankfurtBisher waren sich die Geldhäuser in Deutschland einig: keine Strafzinsen auf Einlagen privater Sparer. Doch langsam bröckelt der Konsens. Zumindest für vermögende Kunden gelten Negativzinsen unter bestimmten Umständen als nicht mehr ausgeschlossen. Darauf verwiesen Postbank-Chef Frank Strauß und DZ-Bank-Chef Wolfgang Kirsch auf der Handelsblatt-Tagung „Banken im Umbruch“.

Eine kleine Genossenschaftsbank ist dabei bereits vorgeprescht. Die Raiffeisenbank Gmund am Tegernsee verlangt seit Donnerstag Strafzinsen von Privatkunden – zumindest von Wohlhabenden. Diese Kunden müssen ein „Verwahrentgelt“ von 0,4 Prozent für Beträge von mehr als 100.000 Euro auf dem Giro- oder Tagesgeldkonto berappen. Die Banken selbst müssen einen solchen Strafzins von 0,4 Prozent zahlen, wenn sie Geld bei der Europäischen Zentralbank (EZB) parken.

Das Beispiel von Tegernsee könnte Schule machen. Je größer die Anlagebeträge von institutionellen Firmenkunden oder auch vermögenden Privatkunden seien, desto stärker würden Negativzinsen künftig „eine Rolle spielen“, sagte Strauß. Firmenkunden müssen diese schon jetzt akzeptieren.

Wo bekomme ich noch Zinsen?

Wo bekomme ich noch Zinsen?

Strafzinsen für Kleinsparer erwartet der Postbank-Chef jedoch nicht. „Für den normalen Sparer hätten Negativzinsen Konsequenzen, die wir alle nicht wollen.“ Aber: Man sollte sich als Banker nach den Erfahrungen aus der Finanzkrise schwer damit tun, „nie“ sagen, fügte er an.

Auch Wolfgang Kirsch, Chef der genossenschaftlichen DZ Bank, rechnet nicht mit Strafzinsen für den normalen Privatkunden. „Wir alle scheuen, glaube ich, im Moment die flächendeckende Einführung eines Negativzinses.“ Denn das könne unerwünschte Folgen haben, weil Kunden dann ihr Geld von den Konten räumen.

Aber der Vorstand der Raiffeisenbank Gmund am Tegernsee habe vielleicht in der Sache gar nichts falsch gemacht: „Jemand, der 100.000 Euro und mehr auf den Konto hat, der bewegt sich schon fast in sehr professionellen und institutionellen Welten“, sagte Kirsch.

Das wurde im ersten Halbjahr aus 100.000 Euro
Platz 20: Aktien Venezuela
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Die Börse in Caracas ist winzig, nur wenige Aktien sind dort notiert und die Umsätze liegen oft bei nur ein paar tausend Dollar pro Tag. Internationale institutionelle Investoren meiden venezolanische Aktien. Die Inflation im Land galoppiert, der Versorgungsmangel eklatant, die Währung Bolivar ist auf Talfahrt. Anleger, die im Januar 100.000 Euro in den IBC-Index investierten, haben so jetzt nur noch 54.320 Euro. Im Vorjahr hatten sich die Kurse noch mehr als vervierfacht.

 

Schlusstand 30.6.2016, Angaben ohne Transaktionskosten.

Platz 19: Aktien China
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Die Wirtschaft in China macht Anlegern seit über einem Jahr Sorgen. Die Börse stürzte entsprechend weiter ab. Der Leitindex CSI 300, der die 300 größten Aktien Festlandschinas erfasst, brach um 15,6  Prozent ein. Da gleichzeitig der Yuan zum Euro leicht abwertete blieben Anlegern von 100.000 Euro nur 80.900 Euro übrig.

 

Schlusstand 30.6.2016,  Angaben ohne Transaktionskosten.

Platz 18: Aktien Euro-Zone
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Der Jahresauftakt an Europas Börsen war schon ein Horror, dann kam noch das Debakel um den Brexit hinzu. Die Folge: Die Aktien in der Euro-Zone notieren tief im Minus. Wer Anfang des Jahres 100.000 Euro in den Leitindex Euro Stoxx 50 investierte, verfügt angesichts des Minus von 12,3 Prozent jetzt nur noch über 87.670 Euro. Am schlimmsten erwischte es dabei Anleger in Italien – der FTSE MIB 100 Index verlor fast ein Viertel seines Wertes.

 

Schlusstand 30.6.2016, Angaben ohne Transaktionskosten.

Platz 17: Britisches Pfund
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Investoren haben die britische Währung nach dem Brexit-Votum regelrecht heruntergeprügelt. Schon vorher litt es deutlich, am Tag nach der Bekanntgabe des Referendums stürzte es dann zum US-Dollar um bis zu knapp 14 Prozent und zum Euro um mehr als acht  Prozent ab. Zur US-Währung liegt das Pfund auf dem niedrigsten Stand seit über 30 Jahren. Zum Euro liegt das Pfund „nur“ auf dem niedrigsten Stand seit rund zwei Jahren. In diesem Jahr wurden aus 100.000 in Pfund angelegten Euro 88.620 Euro.

 

Schlusstand 30.6.2016, Angaben ohne Transaktionskosten

Platz 16: Aktien Deutschland
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Auch Aktienanleger in Deutschland hat bislang kein schönes Jahr. Gleich zu Beginn des Jahres stürzte der Leitindex Dax ab. Danach erholte er sich zwar – machte die Verluste vom Jahresanfang aber nie ganz wett. Der Brexit-Schock setzte dem Dax dann erneut zu. Aus 100.000 im Dax investierten Euro sind innerhalb von sechs Monaten nur noch 90.110 Euro geworden.

 

Schlusstand 30.6.2016, Angaben ohne Transaktionskosten Angaben ohne Transaktionskosten

Platz 15: Aktien Schweiz
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Auch die Aktien der Schweiz gingen auf Talfahrt. Der Franken legte dabei zum Euro nur ganz leicht zu. Im vergangenen Jahr hatte er kräftig aufgewertet, nachdem die Schweizerische Nationalbank den Euro-Mindestkurs für den Franken aufgegeben hatte. Von daher machten Anleger mit Franken in diesem Jahr keine Währungsgewinne. Von 100.000 Euro blieben 91.320 Euro übrig.

 

Schlusstand 30.6.2016, Angaben ohne Transaktionskosten Angaben ohne Transaktionskosten

Platz 14: Aktien Großbritannien
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Das Brexit-Votum hat der britische Leitindex rasch verkraftet.  Der Leitindex „Footsie“ war zwar am 24. Juni heftig eingebrochen, holte die kurzfristigen Verluste dann aber wieder auf. Trotzdem sind Experten skeptisch, da wegen des Ausstiegs Großbritanniens aus der EU eine lange Phase der Ungewissheit droht. Dennoch notiert der Footsie auch auf Halbjahressicht 4,2 Prozent im Plus. Da der Euro jedoch zum Pfund kräftig zulegte, machten Euro-Anleger, die ihre Positionen nicht absicherten, einen Verlust von 8,01 Prozent und hatten bei einer Anlagesumme von 100.000 Euro so nur noch 91.990 Euro auf dem Konto.

 

Schlusstand 30.6.2016, Angaben ohne Transaktionskosten

Er würde den kaufmännischen Ratschlag geben, dass sich Banken jeweils die gesamte Kundenverbindung anschauen sollten. Wenn der Kunde auch Finanzprodukte des Hauses – etwa Fonds – zur Vermögensanlage nutze und es so einen Ausgleich für die Bank gebe, „macht man die Faust in der Tasche und lässt den Kunden unbehelligt von negativen Zinsen“. Doch wenn jemand allein deshalb zur Bank komme, um angesichts deren guten Ratings Geld sicher anzulegen, sei das kein Geschäft. „Wir sind auch Kaufleute.“

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9 Kommentare zu "Strafzinsen auf Sparkonten: „Sag' niemals nie“"

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  • @Herr Hans Mayer, 01.09.2016, 17:34 Uhr:

    "Damit wird die Freiheit der Menschen endgültig vorbei sein.
    Wer ist dagegen?. Die AfD"

    Quatsch. Mit der AfD und ihren Genossen im Geiste - und überhaupt dem ganzen Politiksystem, das solche Parteien erst hochgebracht hat - wird das der Fall sein.

  • ... (also den vermeintlichen „Zukunftsmärkten“, die sozusagen mit der Reparatur bzw. Begrenzung der zuvor durch dieses unser heutiges Wirtschafts- und Finanzsystem selbst verursachten SCHÄDEN ihr Geld verdienen.) Also ..."

    Sorry mal wieder.

  • Ralph S.17.08.2016, 15:55 Uhr
    Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich. 

  • Ralph S.25.08.2016, 12:45 Uhr
     Stimmt nicht. Die einzige Spielregel die es gibt, sind keine Kinder. Ansonsten ist meine Herzdame (inzw. sogar Verlobte) absolut gleichberechtigt. Und wird nach der Uni als meine persönliche Fitnesstrainerin und Ernährungscoach arbeiten. Wenn ich mit spätestens Mitte 40 mit dem Börsenzeugs aufhöre, und als GT3 -Fahrer im selbst finanzierten Team in der VLN mit einem R8 LMSultra teilnehme.


    Hahahahahahahahahahahahahaha Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich. 

  • Ich glaube das ein Bargeldverbot das gewünscht Ziel sein wird, Dann wrd den Leuten noch ein Licht aufgehen, 1% Negativzins Plus 3 % Inflation, das ganze mal auf 10 Jahre gerechnet, niemand kann dem entrinnen, das wird das Ziel sein.
    Damit wird die Freiheit der Menschen endgültig vorbei sein.
    Wer ist dagegen?. Die AfD

  • „Für den normalen Sparer hätten Negativzinsen Konsequenzen, die wir alle nicht wollen.“ (Anm.: warum die Banken das Bargeld so gerne loswären, kann sich wohl hoffentlich jeder denken).
    Aber: Man sollte sich als Banker nach den Erfahrungen aus der Finanzkrise schwer damit tun, „nie“ sagen, fügte er an."

    Soso, es geht also schon los mit den Negativzinsen.

    Und dann? Wie geht's weiter?

    Sollen die Leute, die nicht wollen, dass ihr Geld so peu à peu auf direktem Wege auf die Banken übergeht quasi gezwungen werden, dies entweder indirekt in Form von Gebühren („Wenn der Kunde auch Finanzprodukte des Hauses – etwa Fonds – zur Vermögensanlage nutze und es so einen Ausgleich für die Bank gebe, „macht man die Faust in der Tasche und lässt den Kunden unbehelligt von negativen Zinsen“.) zuzulassen oder aber auf Teufel komm raus immer noch mehr zu konsumieren (s. Kommentar von Ralph S.), um so Wachstum um jeden Preis zu generieren?

    Wachstum von was? Der immer weiter wachsenden Müllberge? Des Raubbaus an Natur und Ressourcen? Der Bäuche? Apropos Bäuche: Das Übergewicht unter der Weltbevölkerung ist dermaßen dramatisch angestiegen, dass bereits heute viele Kinder an „Altersdiabetes“ - Diabetes Typ 2 gabs nämlich früher bei Kindern nicht – leiden (die billigsten Erzeugnisse der Lebensmittelindustrie sind ja meist zugleich die ungesündesten). Da kann man sich leicht ausrechnen, was da in Zukunft noch auf die Gesundheitssysteme zukommen wird.

    Diesen Umstand könnten einige ganz Schlaue jetzt vielleicht ganz cool als „Chance“ interpretieren und ihr Geld einfach hier anlegen (also den vermeintlichen „Zukunftsmärkten“ die sozusagen mit der Reparatur bzw. Begrenzung der zuvor durch dieses unser heutiges Wirtschafts- und Finanzsystem selbst verursachten ihr Geld verdienen. Also, mir wär‘ das echt zu zynisch. Hoffe, nicht nur mir.

    Einfach krank, das Ganze.

  • Ralph S.25.08.2016, 12:45 Uhr
     Stimmt nicht. Die einzige Spielregel die es gibt, sind keine Kinder. Ansonsten ist meine Herzdame (inzw. sogar Verlobte) absolut gleichberechtigt. Und wird nach der Uni als meine persönliche Fitnesstrainerin und Ernährungscoach arbeiten. Wenn ich mit spätestens Mitte 40 mit dem Börsenzeugs aufhöre, und als GT3 -Fahrer im selbst finanzierten Team in der VLN mit einem R8 LMSultra teilnehme.


    Hahahahahahahahahahahahahaha Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich. 

  • Ralph S.17.08.2016, 15:55 Uhr
     Bin nur 2x im Jahr in der Domstadt. Im Frühjahr zur FIBO, da der Kolibri als Sportwissenschaftlerin nach dem Uniabschluss als meine persönliche Fitnesstrainerin und Ernährungscoach arbeiten wird, und wir uns dort weitergehende Expertise holen. Und im Sommer zu den Kölner Lichter wegen des geilen Feuerwerks am Rhein. Außerdem hatte ich mal dort eine City-Immobilie im Townhaus-Stil, die ich aber dieses Jahr verkauft habe.


    HAHAHAHAHAHAHAHAHAHAHAHAHAHA Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich. 

  • Wer eine größere Summe (6-stellig oder mehr) längerfristig auf einem Girokonto oder einem TG/FG liegen lässt, dem sollte man das Geld gleich komplett abnehmen denn anscheinend weiß er oder sie nix sinnvolles damit anzufangen.

    Entweder übergebe ich das Geld meinem Vermögensverwalter, und der investiert es sinnvoll (in Aktien oder eine weitere Immobilie) und lässt es für mich arbeiten. Oder aber ich investiere das Geld in Hubraum, und kaufe mir halt noch einen Supersportwagen. So einfach ist das.

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