Strafzinsen auf Sparkonten: „Sag' niemals nie“

Strafzinsen auf Sparkonten
„Sag' niemals nie“

Kleinsparer sollen vor Strafzinsen sicher sein. Das betonen Bankmanager immer wieder. Doch der Gedanke, dass vermögende Kunden negative Zinsen auf ihre Einlagen zahlen müssen, gilt nicht mehr als abwegig.
  • 9

FrankfurtBisher waren sich die Geldhäuser in Deutschland einig: keine Strafzinsen auf Einlagen privater Sparer. Doch langsam bröckelt der Konsens. Zumindest für vermögende Kunden gelten Negativzinsen unter bestimmten Umständen als nicht mehr ausgeschlossen. Darauf verwiesen Postbank-Chef Frank Strauß und DZ-Bank-Chef Wolfgang Kirsch auf der Handelsblatt-Tagung „Banken im Umbruch“.

Eine kleine Genossenschaftsbank ist dabei bereits vorgeprescht. Die Raiffeisenbank Gmund am Tegernsee verlangt seit Donnerstag Strafzinsen von Privatkunden – zumindest von Wohlhabenden. Diese Kunden müssen ein „Verwahrentgelt“ von 0,4 Prozent für Beträge von mehr als 100.000 Euro auf dem Giro- oder Tagesgeldkonto berappen. Die Banken selbst müssen einen solchen Strafzins von 0,4 Prozent zahlen, wenn sie Geld bei der Europäischen Zentralbank (EZB) parken.

Das Beispiel von Tegernsee könnte Schule machen. Je größer die Anlagebeträge von institutionellen Firmenkunden oder auch vermögenden Privatkunden seien, desto stärker würden Negativzinsen künftig „eine Rolle spielen“, sagte Strauß. Firmenkunden müssen diese schon jetzt akzeptieren.

Strafzinsen für Kleinsparer erwartet der Postbank-Chef jedoch nicht. „Für den normalen Sparer hätten Negativzinsen Konsequenzen, die wir alle nicht wollen.“ Aber: Man sollte sich als Banker nach den Erfahrungen aus der Finanzkrise schwer damit tun, „nie“ sagen, fügte er an.

Auch Wolfgang Kirsch, Chef der genossenschaftlichen DZ Bank, rechnet nicht mit Strafzinsen für den normalen Privatkunden. „Wir alle scheuen, glaube ich, im Moment die flächendeckende Einführung eines Negativzinses.“ Denn das könne unerwünschte Folgen haben, weil Kunden dann ihr Geld von den Konten räumen.

Aber der Vorstand der Raiffeisenbank Gmund am Tegernsee habe vielleicht in der Sache gar nichts falsch gemacht: „Jemand, der 100.000 Euro und mehr auf den Konto hat, der bewegt sich schon fast in sehr professionellen und institutionellen Welten“, sagte Kirsch.

Er würde den kaufmännischen Ratschlag geben, dass sich Banken jeweils die gesamte Kundenverbindung anschauen sollten. Wenn der Kunde auch Finanzprodukte des Hauses – etwa Fonds – zur Vermögensanlage nutze und es so einen Ausgleich für die Bank gebe, „macht man die Faust in der Tasche und lässt den Kunden unbehelligt von negativen Zinsen“. Doch wenn jemand allein deshalb zur Bank komme, um angesichts deren guten Ratings Geld sicher anzulegen, sei das kein Geschäft. „Wir sind auch Kaufleute.“

Kommentare zu " Strafzinsen auf Sparkonten: „Sag' niemals nie“"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • @Herr Hans Mayer, 01.09.2016, 17:34 Uhr:

    "Damit wird die Freiheit der Menschen endgültig vorbei sein.
    Wer ist dagegen?. Die AfD"

    Quatsch. Mit der AfD und ihren Genossen im Geiste - und überhaupt dem ganzen Politiksystem, das solche Parteien erst hochgebracht hat - wird das der Fall sein.

  • ... (also den vermeintlichen „Zukunftsmärkten“, die sozusagen mit der Reparatur bzw. Begrenzung der zuvor durch dieses unser heutiges Wirtschafts- und Finanzsystem selbst verursachten SCHÄDEN ihr Geld verdienen.) Also ..."

    Sorry mal wieder.

  • Ralph S.17.08.2016, 15:55 Uhr
    Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich. 

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%