Strauchelndes Institut: Barclays kämpft mit Altlasten

Strauchelndes Institut
Barclays kämpft mit Altlasten

Die britische Großbank treibt den Konzernumbau weiter voran. Zur Präsentation der Jahreszahlen verkündete der neue Chef Jes Staley, dass auch das Afrika-Geschäft beendet werde.

LondonDer neue Barclays-Chef Jes Staley treibt den Umbau der britischen Großbank voran. Künftig soll sich das skandalgeschüttelte Institut neben dem Heimatmarkt vor allem noch auf die USA konzentrieren, eine transatlantische Bank sein. Barclays kündigte am Dienstag an, die 62-prozentige Beteiligung an der Afrika-Tochter in zwei bis drei Jahren abstoßen zu wollen. Damit zieht Staley einen Schlussstrich unter die mehr als ein Jahrhundert alten Geschäftsbeziehungen nach Afrika. Staley hatte zuletzt bereits das vergleichsweise riskante und kapitalintensive Investmentbanking gestutzt und zahlreiche Aktivitäten in Asien beendet. Zudem streicht er tausende Stellen. „Es gibt natürlich noch mehr, was wir tun müssen“, sagte er.

Der frühere JP-Morgan-Banker ist Ende des Jahres angetreten, das strauchelnde Institut, das immer wieder von Altlasten eingeholt wird, in die Erfolgsspur zurückzubringen. Ähnlich wie bei der Deutschen Bank oder Credit Suisse sind die Investoren bei Barclays aber sehr skeptisch.

Im vergangenen Jahr fiel der bereinigte Vorsteuergewinn der Briten um zwei Prozent auf 5,4 Milliarden Pfund, umgerechnet 6,92 Milliarden Euro. Damit wurden die Analystenerwartungen deutlich verfehlt. Sonderlasten für Rechtsstreitigkeiten drückten im Schlussquartal erneut auf das Ergebnis. An der Londoner Börse brachen die Barclays-Aktien daraufhin um mehr als zehn Prozent ein.

Ende vergangenen Jahres wurden für diverse Skandale, in die die Bank verstrickt ist, sowie sonstige Rechtsstreitigkeiten gut vier Milliarden Pfund Vorsorge getroffen. Ende 2014 waren es nur 2,36 Milliarden Pfund. Die Aufstockung geht maßgeblich auf Kreditversicherungen zurück, die an Kunden vertrieben wurden, die diese oft gar nicht in Anspruch nehmen konnten.

Barclays teilte zudem mit, mit dem US-Justizministerium und der US-Börsenaufsicht SEC bei der Untersuchung der Rekrutierungspraxis der Branche in Asien zu kooperieren. 2013 hatte die SEC eine Ermittlung gegen die US-Großbank JP Morgan eröffnet. Dabei geht es vor allem um die Einstellung und Förderung von Kindern einflussreicher Politiker und Manager in China, um dadurch an Großprojekte zu gelangen.

Die Barclays-Mitarbeiter sollen für 2015 zusammen ein Bonus von 1,67 Milliarden Pfund bekommen, zehn Prozent weniger als 2014. Der Ex-Chef Antony Jenkins erhält für das vergangene Jahr eine Vergütung von 3,4 Millionen Pfund. Er war im Sommer mit ungewöhnlich harten Worten vor die Tür gesetzt worden. Staley hatte den auf der Insel viel beachteten Posten dann im Dezember übernommen.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
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