Streit in London
Was JP Morgan der Berliner U-Bahn verschwieg

Vor einem Gericht in London zanken sich die Großbank JP Morgan und die Berliner Verkehrsbetriebe. Ein Finanzprodukt steht im Zentrum des Streits. In der Verhandlung geht es auch um kompromittierende Aussagen der Banker.
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LondonIn den Verhandlungen um ein Finanzprodukt gab es im Jahr 2007 einiges, was die US-Großbank JP Morgan den Vertragspartner nicht wissen lassen wollte. Es ging um ein Derivat im Umfang von 200 Millionen Dollar, mit dem die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) den Bau von Straßenbahn- und U-Bahn-Wagen absicherten. Doch einiges sollte im Dunkeln bleiben, zeigten die BVG-Anwälte am Dienstag vor einem Londoner Gericht.

Sie verwiesen auf eine Telefonmitschrift, wonach ein JP-Morgan-Vertriebsmann zu einem Kollegen sagte: „Wir wollen [dem BVG-Vertragspartner] nicht zeigen, dass wir so viel Geld damit verdienen, richtig?“ Ein anderer Banker nannte demzufolge den Verhandlungspartner in Berlin eine „Nervensäge“ („pain in the a...e“).

In dem Verfahren fordert JP Morgan von dem kommunalen Hauptstadt-Unternehmen umgerechnet gut 150 Millionen Euro plus Zinsen, die die BVG dem Institut nach dessen Auffassung noch zahlen müssen. Die BVG steht auf dem Standpunkt, nicht über das wahre Risiko des fraglichen Finanzgeschäfts aufgeklärt worden zu sein. Die Bank wirft den Berlinern vor, die Schuld für Verluste in dieser Höhe um jeden Preis anderen in die Schuhe schieben zu wollen.

Hintergrund des Disputs ist ein Finanzderivat, mit dem die BVG auf Anraten von JP Morgan ihre Finanzierung von Straßenbahn- und U-Bahnwagen absicherten. Als sich die Papiere mit Beginn der Finanzkrise als Schrott erwiesen und die BVG dadurch Verluste von rund 156 Millionen Euro eingefahren hätten, habe das Berliner Unternehmen noch ausstehende Zahlungen an die US-Bank eingestellt, berichtete unlängst der Berliner „Tagesspiegel“.

Die fraglichen Finanzderivate gehören zu bestimmten Anlagepaketen (CDOs), die Banken aus einer Reihe von Anleihen schnüren und die im Zuge der Finanzkrise massiv in die Kritik geraten sind. Nach 2008 sind viele Anleger, die durch solche Geschäfte Millionen verloren haben, gegen die Banken vor Gericht gezogen. Sie warfen den Instituten vor, das mit den Kreditpaketen verbundene Risiko verschwiegen zu haben. JP Morgan hatte zuletzt wegen einer Reihe von Rechtsstreitigkeiten fast 20 Milliarden Dollar gezahlt. Die größte US-Bank verdiente zuletzt aber trotzdem wieder glänzend. Der Nettogewinn summierte sich im vierten Quartal auf 5,3 Milliarden Dollar.

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Kommentare zu " Streit in London: Was JP Morgan der Berliner U-Bahn verschwieg"

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  • Wie kann man denn überhaupt nur so dumm sein, kommunale Verkehrsbetriebe und sonstige Infrastruktur überhapt zu verkaufen, vermieten oder was auch immer. Noch dazu Geschäfte so einem Partner.
    Die wollen Gewinne machen, die sind doch nicht die öffentliche Wohlfahrt.
    Aber, wieder mal wollten unsere deutschen Poitiker ganz schlau sein, jetzt wurden sie wieder mal aufs Kreuz gelegt. recht geschieht ihnen.
    Wann werden die endlich haftbar gemacht, für so eklatante Fehler.?
    Das dumme ist nur, am Ende bezahlt der Steuerzahler...

  • Ich versteh nicht, warum eine deutsche Kommune Geschäfte abschliessen muss/darf, die sie nicht versteht. Richtig wäre doch gewesen, einen Kredit in Höhe des Finanzierungsbedarfs aufzunehmen und diesen über die wirtschaftliche Nutzungsdauer der U-Bahn linear zu tilgen......aber da hätte natürlich jeder Depp gesehen wie unwirtschaftlich und teuer die U-Bahn eigentlich ist....

  • Pfui pfui, PisaPisa,
    gleichgeschaltet sagt man doch nicht! Das erinnert an die NaZi`s. Das heißt heute : Harmonisiert!

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