Streit mit Unicredito: Polen sucht Kompromiss

Streit mit Unicredito
Polen sucht Kompromiss

Im Streit um die Fusion der beiden polnischen Tochterbanken der italienischen Unicredito-Gruppe deutet sich ein Kompromiss an.

WARSCHAU. Die polnische Regierung, so heißt es in Warschauer Bankkreisen, könne der Fusion der Bank Pekao mit der Bank Przemyslowo-Handlowy (BPH) zustimmen, wenn Unicredito im Gegenzug die kroatische Splitska Banka an den polnischen Marktführer Bank PKO BP verkaufe. Bislang verlangte die Regierung von den Italienern einen Verkauf der BPH, die ihnen bei der Übernahme der HVB-Gruppe zugefallen war. Ein entsprechendes Ultimatum des polnischen Schatzministeriums lief am Dienstag ab.

Tatsächlich muss Unicredito aus kartellrechtlichen Gründen eine Tochterbank in Kroatien verkaufen. Ein entsprechender Bescheid der Zentralbank in Zagreb wurde bereits auf deren Homepage veröffentlicht. Die Italiener behalten die Zagrebacka Banka mit einem Marktanteil von gut 25 Prozent, während sie die Splitska Banka verkaufen wollen, die auf einen Anteil von gut neun Prozent kommt. Erste Kaufangebote von der französischen Societé Générale, der belgischen KBC, der ungarischen OTP und eben der polnischen Bank PKO BP liegen bereits vor. Geht es nach dem Willen der Zentralbank, dann sollen Institute, die bereits auf dem einheimischen Markt sind, nicht zum Zuge kommen. Dazu zählen insbesondere die Hypo Alpe Adria, Raiffeisen, die Intesa-Tochter Privredna Banka Zagreb und die Erste & Steiermärkische Bank.

In der Zentrale der PKO BP spricht man offen vom Kaufinteresse in Kroatien und anderen Ländern Südosteuropas wie etwa Serbien. Unlängst hat das Institut eine Bank in der Ukraine erworben.

Unterdessen geht der Nervenkrieg um die Fusion der beiden polnischen Töchter des Unicredito in der Öffentlichkeit weiter. Während Premier Kazimierz Marcinkiewicz vorsichtig Gesprächsbereitschaft gegenüber Unicredito-Präsident Alessandro Profumo signalisierte, betonte Schatzminister Pawel Szalamacha, man fordere weiterhin einen Verkauf der Bank Przemyslowo-Handlowy. „Unser Standpunkt hat sich nicht geändert“, bekräftigte Szalamacha. Seine Regierung erwäge sogar Schritte vor europäischen Gerichten gegen die EU-Kommission, die der Fusion bereits zugestimmt hatte. Auch eine Klage vor polnischen Gerichten gegen Unicredito werde erwogen.

In Warschauer Bankkreisen hält sich hartnäckig das Gericht, die polnische Regierung wolle aus der mehrheitlich staatlichen PKO BP als Branchenführer sowie der Agrarbank BGZ und dem Versicherer PZU eine starke Finanzgruppe schaffen, die unter der Dominanz des Staates stehe.

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