Streit zwischen Russland und Türkei
Credit Europe Bank will Russland-Tochter verkaufen

Der russische Finanzsektor leidet stark unter den westlichen Sanktionen. Jetzt will die Credit Europe Bank, die einem türkischen Milliardär gehört, ihr Russlandgeschäft veräußern.

MoskauKäufer gesucht: Die Credit Europe Bank hat ihre russische Tochtergesellschaft zum Verkauf gestellt. Bereits Mitte Januar soll die Investmentbank Morgan Stanley mit der Suche nach möglichen Abnehmern beauftragt worden sein, heißt es aus Finanzkreisen

Begründet wird der Verkauf mit der schwierigen Lage des russischen Finanzsektors, der stark unter den westlichen Sanktionen leidet, und dem politischen Streit zwischen Russland und der Türkei. Die Credit Europe Bank ist in den Niederlanden registriert, gehört aber dem türkischen Milliardär Hüsnü Özyegin.

Die Sanktionen, welche die russische Führung nach dem Abschuss eines Jagdbombers gegen die Türkei verhängt hat, betreffen den Finanzsektor bislang nicht. Laut Analyst Oleg Schagow vom Investitionshaus „Solid“ sind Sanktionen in dem Bereich auch nur ein „letzter Ausweg“, sollte die Türkei ihrerseits die Sberbank und ihre türkische Tochter Denizbank in die Mangel nehmen.

Doch angesichts des Tempos, mit dem sich die bilateralen Beziehungen derzeit verschlechtern, ist ein solches Szenario nicht völlig auszuschließen. Zuletzt hat auch Ankara erste Strafmaßnahmen gegen die russische Wirtschaft verhängt – basierend auf Dumpingvorwürfen gegen den russischen Stahlsektor.

Russischen Medienberichten nach hofft Credit Europe auf einen Erlös nahe dem Eigenkapital von rund 220 Millionen Euro. Doch der Verkauf könnte sich als schwierig erweisen. In russischen Bankenkreisen wird jedenfalls auf einen massiven Abschlag von rund 70 Prozent spekuliert.

Credit Europe ist nicht das einzige Bankhaus mit türkischem Kapital, das seine Präsenz in Russland herunterfährt: So reagierten Turkiye Is Bankasi und die Prokommerzbank auf die politischen Turbulenzen mit Kapitalflucht. Turkyie Is Bankasi senkte ihre Aktiva in Russland im Dezember um satte 44,7 Prozent, die Prokommerzbank um immerhin sechs Prozent.

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