Stressszenarien der Banken Für die Rückkehr der Drachme planen 30 bis 70 Mitarbeiter

Deutsche Banken bereiten sich auf den Ernstfall vor: Sie spielen minutiös die Rückkehr der Drachme durch und basteln an Notfallplänen für den Euro-Ausstieg der Griechen. Die Kreditinstitute müssen sich wappnen.
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Griechenlands Wirtschaftslage ist prekär. Quelle: Reuters

Griechenlands Wirtschaftslage ist prekär.

(Foto: Reuters)

FrankfurtKommt er, oder kommt er nicht? Wenige wünschen den Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone, oft als Grexit bezeichnet, herbei. Doch auszuschließen ist er nicht. Deshalb bereiten sich deutsche Banken auf den Ernstfall vor. „Die großen Banken denken darüber nach, wie sie reagieren müssen“, sagt Daniel Kapffer, Experte für Risikomanagement und Partner der Unternehmensberatung Accenture. „Allein schon weil die aufsichtsrechtlichen Bestimmungen sagen: Die Banken sollen sich Stressszenarien ausdenken und diese entlang der ganzen Wertschöpfungskette prüfen.“ Das könne auch der Ausstieg Griechenlands aus der Euro-Zone sein.

Einige Kreditinstitute haben die Proben für eine Rückkehr der griechischen Drachme längst gestartet. „Erste Banken haben vor 12 bis 18 Monaten begonnen, sich mit der Frage zu beschäftigen, und inzwischen detaillierte Pläne ausgearbeitet“, sagt Bernd Richter, Partner der Beratungsfirma Capco. „Meist wird, je nach Größe der Bank, ein Team von 30 bis 70 Mitarbeitern eingeweiht.“ Für die Umstellung, möglicherweise nur ein Wochenende, gäbe es teils eine Planung mit Minutenvorgaben.

Bisher kursieren in der Europäischen Union keine Absichten, einen Grexit zu forcieren. Doch die Wirtschaftslage Griechenlands ist prekär. Ende vergangener Woche reiste der griechische Premier Antonis Samaras nach Berlin und Paris, um für eine Lockerung der Sparauflagen zu werben. Tatsächlich fallen Entscheidungen über Griechenland frühestens beim EU-Gipfel Mitte Oktober.

Doch die Kreditinstitute müssen sich wappnen. „Es gehört dazu, dass Banken das Szenario durchspielen, selbst wenn sie es für unwahrscheinlich halten“, sagt Dirk Müller-Tronnier, Bankenexperte der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young.

Drachme-Rückkehr würde viele Bank-Abteilungen treffen
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8 Kommentare zu "Stressszenarien der Banken: Für die Rückkehr der Drachme planen 30 bis 70 Mitarbeiter "

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  • Alle haben sie Schiss vor dem Zusammenbruch des Systems.
    Warum wohl?
    Würde der Staat, wie es ihm eigentlich zustände, sein eigenes Geld aus der Luft schöpfen und dieses Monopol NICHT den Privatbanken überlassen,
    müsste er es sich nicht für teures Geld = ZinsesZins borgen und wir bräuchten dann ALLE KEINE Steuern zu bezahlen.

    Unser GANZES Leben wird also nicht von der Politik, sondern von den Banken bestimmt. Ein einzigartiges Betrugssystem. Der ESM hat nahezu die gleichen Strukturen wie die FED. Die Versklavung wird damit auf EU Ebene hochgefahren.

  • die 100derste Meldung zum Grexit, ja wenns denn endlich soweit wäre.
    Die Jungs werden dann bei Island um Rat fragen müssen, bzgl. sparen, modernisieren, reformieren.
    Kanns kaum erwarten.

  • Spanien kommt nach GR....dann Italien, dann Frankreich....das ganze Drecksloch ist am absaufen.

  • Griechenland kann sich nur selbst retten. Der Euro-Ausstieg wäre faktisch ein zweiter, ca. 50%-iger Schuldenschnitt. Das wäre zwar insbesondere für die EZB schmerzhaft, aber zu verkraften.

    Die EU könnte GR helfen, indem für eine Übergangszeit Nahrungsmittel, Brennstoffe und Medikamente zu subventionierten Preisen geliefert werden.

    Mit Sonderwirtschaftszonen könnte GR auch internationale Investoren anlocken: Diese könnten ihre Investitionen in Drachme finanzieren, ihre Einnahmen jedoch in Euro, Yuan oder $ machen.

    Und wenn endlich auch die Superreichen ihre Steuern zahlen, geht es wieder bergauf mit GR.

  • Ich konnte mich nicht beherrschen, und musste meinem Zynismus und Sarkasmus freien Lauf lassen. Sie haben recht, auch ich schätze, dass der Grexit im November nach den US-Wahlen stattfinden wird. Wozu hätte sich T. Geithner sonst extra nach Sylt zu Schäuble begeben (dort hat er mit ihm den Termin abgestimmt, um die Wahlen in den USA nicht zu gefährden)?
    Den Edelzwicker trinke ich immer noch sehr gerne.

  • Ach kommen Sie, verehrter Edelzwicker, man muß die Dialektik im Prozeß politischer Entscheidungsfindung und deren Terminierung kennen. Einerseit werden potjomkische Dörfer aufgestellt, andereseits im Hintergrund an der Demontage gebastelt.
    Griechenland wird aussteigen, nur nicht heute und auch nicht nächste Woche. Im September wahrscheinlich auch nicht, der Oktober ist eher ebenfalls unwahrscheinlich. Es wird der November sein und zwar zeitlich etwas nach der US-Wahl. Im Dezember haben wir dann eine Euro-Zone ohne Griechenland.
    Daruf können Sie einen "Edelzwicker" trinken.
    Die Rebsorte ist zwar etwas außer Mode gekommen, ich habe sie als ein dem Elsass Benachbarter immer ganz gerne getrunken.
    Prost.

  • Wahrscheinlich ist auch der Bundeskanzlerin Frau Merkel klar, dass sich die griechische Wirtschaft nur unter der Drachme erholen kann. Das Problem ist, wie kann ein geordneter Übergang vom Euro in die Drachme erfolgen.

    Nehmen wir dazu an, das Bundesverfassungsgericht kippt den ESM und den Fiskalpakt am 12.09.2012. Was wird als nächstes geschehen. Brüssel wird eine neue Formel für den ESM und den Fiskalpakt finden müssen. Das braucht Zeit. Deshalb verzögert sich auch der Bericht der EU-Troika bis zum Oktober / November. Dazu passt, dass die Bundeskanzlerin Frau Merkel den EU-Vertrag ändern möchte. Nun stellt sich die Frage: Was soll in Brüssel geändert werden?

    Nun, was wird aus Griechenland. Möglicherweise werden die griechischen Banken angewiesen, pro Person nur einen bestimmten Betrag von max. 10.000,- Euro auszubezahlen. Der Rest wird in Drachme ausbezahlt. Damit könnten die Banken funktionstüchtig bleiben. Sollten Banken in die Schieflage geraten, könnte die EU mit Krediten die griechischen Banken unterstützen.

    Bleibt Griechenland im Euro-Raum wird alles noch sehr viel schlimmer und kostspieliger ablaufen. Dann wird der Horizont in Griechenland so schnell nicht mehr hell scheinen.

    In den USA steht die baldige Präsidentschaftswahl an. Nächstes Jahr findet die Bundestagswahl in Deutschland statt. Diese Ereignisse können und dürfen das notwendige Handeln in Europa nicht lähmen.

  • Deutsche Banken bereiten sich auf den Ernstfall vor
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    Wie kann das denn sein, wo doch gerade in den letzten Tagen überall in Politik und Medien Durchhalteparolen verbreitet werden? Das ist doch sicher nicht im Sinne der Euro-Maniker, die unter Federführung von Schäuble bereits gemeinsam mit Frankreich an der Abschaffung von nationalen Souveränitätsrechten basteln. So geht das aber nicht! Kann man diesen defätistischen Banken nicht den Mund verbieten - ein für allemal natürlich, ... und alternativlos sowieso?

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