Stresstest der Notenbank
Freude für die Aktionäre vieler US-Banken

Die amerikanische Notenbank hat 19 Großbanken des Landes einem Stresstest unterzogen. Etliche Bankaktien schnellen nach oben. Die große Mehrheit besteht die Prüfung, doch es gibt überraschende Verlierer.
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New YorkWährend viele Banken in Europa frisches Geld brauchen, stehen die großen US-Institute in der Mehrzahl gut da. Die meisten amerikanischen Großbanken scheinen ihre Hausaufgaben nach der Finanzkrise gemacht zu haben: Von 19 Banken haben 15 Institute einen Herz- und Nierencheck der amerikanischen Notenbank überstanden. Das teilte die Federal Reserve am Dienstagabend nach Börsenschluss mit und damit zwei Tage früher als ursprünglich geplant. Die US-Großbank Citigroup ist im Gegensatz zur überwiegenden Mehrheit der US-Geldhäuser beim Banken-Stresstest gestrauchelt und erklärte am Abend, man werde der Fed noch in diesem Jahr einen geänderten Kapitalplan vorlegen.

Einzelne Bankaktien waren bereits in Erwartung positiver Ergebnisse nach oben geschnellt. So hatte das Geldhaus JP Morgan eine deutliche Anhebung der Dividende angekündigt, was als Signal für einen bestandenen Stresstest gewertet wurde. In diesem Jahr solle eine um 5 Cents auf 30 Cents erhöhte Dividende an die Aktionäre ausgeschüttet werden. Die Aktie der größten US-Bank legte daraufhin um sieben Prozent auf 43,39 Dollar zu.

Der Finanzdienstleister American Express hat den Stresstest der Fed bestanden und kündigte den Rückkauf eigener Aktion im Wert von bis zu fünf Milliarden Dollar (3,8 Milliarden Euro) und eine Erhöhung der Dividende an. Die vierteljährliche Dividende werde von 18 auf 20 Cent pro Aktie erhöht, teilte American Express mit. Die Fed habe keine Einwände gegen den Rückkauf oder die Erhöhung der Dividende erhoben.

 

Auch die Aktien mehrerer anderer großer US-Banken stiegen deutlich, darunter auch das Citigroup-Papier, das 6,3 Prozent zulegte. Als bekannt wurde, dass die Citigroup zu den durchgefallenen Häusern gehört, gab das Papier nachbörslich 5,2 Prozent wieder ab. Auch der Versicherungsriese Metlife fiel durch die Prüfung, ebenso wie SunTrust Banks und Ally Financial. Metlife beklagte, dass die Prüfung nicht auf einen Versicherer zugeschnitten sei.

Die Finanzaufseher hatten wissen wollen, wie sich die Kapitaldecke von 19 Großbanken entwickeln würde, sollte das Land in eine heftige Rezession rutschen. In ihren Annahmen waren die Finanzaufseher von einem Anstieg der Arbeitslosigkeit auf 13 Prozent, einer Halbierung der Aktienkurse und einem Rückgang der Immobilienpreise um ein Fünftel im Betrachtungszeitraum bis 2013 ausgegangen.

Als Testschwelle galt ein Wert von fünf Prozent harten Kernkapitals, der nicht unterschritten werden durfte. Die Citigroup landete bei 4,9 Prozent. Metlife überschritt diesen Wert sogar, fiel aber bei einer anderen Kennziffer durch. Zu den Häusern mit den besten Ergebnissen zählten Bank of New York Mellon, State Street Corp und American Express.

Nach den Zahlen der Fed summierte sich das Kapitalpolster der 19 Banken Ende 2011 auf 759 Milliarden Dollar (576 Mrd Euro); Anfang 2009 und damit mitten in der Finanzkrise waren es nur 420 Milliarden Dollar.

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  • Bis unmittelbar vor Einsetzen der "Subprimekrise" durften betroffene US-Finanzinstitute mit strammen Bilanzen prahlen. Auch Merrill Lynch bewarb sich noch frech als Lehmanretter - um wenige Stunden später selbst als Pleitekandidat bei der Bank of America Zuflucht zu suchen... Lassen Sie sich nicht einreden, die "Subprimekrise" sei lediglich das Resultat riskanter Amlageentscheidungen gewesen. Entscheidend war vielmehr, dass Schäden und Risiken außerhalb der Bilanz versteckt werden konnten - über Jahre. Beim Off-Balance-Sheet-Accounting
    wurden Erfolge in die sichtbare Bilanz getunnelt, Misserfolge aber in nicht-bilanzierte Finanzvehikel entsorgt. Die Betrugskulisse hielt, bis ganz schlicht die Liquidität versiegte... Nichts daran hat sich geändert. In Delaware ist es sogar das Wirtschaftssmodell eines US-Bundesstaates, dass dort Betrugsvehikel mit Sonderrechten bereitgehalten werden.
    Die unproduktive Finanzwirtschaft der de-industrialisierten USA ist ein einziger Betrugsjahrmarkt.

  • Eigentümer der FED sind die US-Großbanken - man hat sich selbst einen Blankecheck ausgestellt. UND mit dem "Ergebnis" Herr Gaithner kann wieder in Europa `rumreisen und nerven.

  • Sie haben ja Recht, es ist eine "Bankenkri-e-se. Ein Riese quasi. Trotzdem: Bankenkrise. Einen schönen Tag - ohne Kri-e-se wünscht maui.

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