Stresstest
EZB fordert zusätzliches Kapitalpolster

Die Europäische Zentralbank erwägt offenbar, beim nächsten Stresstest eine höhere Kernkapitalquote für Großbanken anzusetzen. Die EZB orientiert sich dabei bereits an den Basel-III-Regularien – und dehnt die Prüfung aus.
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BerlinDie Europäische Zentralbank (EZB) geht beim Bilanz-Check und beim Stresstest für die größten Banken der Euro-Zone über die geltenden Kapitalanforderungen hinaus. Wie aus Äußerungen von EZB-Direktor Yves Mersch hervorgeht, will sie die Banken offenbar an den künftigen Vorschriften nach dem neuen Regelwerk Basel III messen, die in der EU von 2014 an schrittweise eingeführt werden. Das würde bedeuten, dass die Geldhäuser unter dem Strich einen Kapitalpuffer von mindestens sieben Prozent der Bilanzrisiken vorweisen müssen. Die EZB will die Regularien für die dreistufige Überprüfung der Institute, die der Übergabe der Aufsicht auf die Notenbank vorausgehen soll, am 23. Oktober nennen. Der EZB-Rat muss dem Plan vorher noch zustimmen.

Und die wichtigsten Kreditinstitute bräuchten „noch einen Aufschlag, der diese herausragende Bedeutung im europäischen Kontext widerspiegelt“, sagte Mersch der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (Montagausgabe). Dieser könnte laut dem Bericht ein Prozent, aber auch mehr betragen. „Wenn man das zusammenrechnet, erhält man die Kennziffer, an der wir uns orientieren werden“, sagte Mersch.

Eigentlich sehen die Übergangsvorschriften von Basel III für das kommende Jahr nur eine harte Kernkapitalquote von vier Prozent vor - doch das wird an den Finanzmärkten seit langem als weitaus zu gering angesehen. Bis Anfang 2019 muss sie auf sieben Prozent steigen. Bei den deutschen Bankenverbänden BdB und VÖB stößt die Methodik schon jetzt auf Kritik. Der Ansatz der EZB bringe „erhebliche rechtliche Risiken“, heißt es Finanzkreisen zufolge in einem noch nicht veröffentlichten Positionspapier.

Die EU-Bankenaufsicht EBA hatte 2012 bei ihrem Stresstest von rund 70 Banken in allen 27 EU-Staaten auch unter widrigen Bedingungen eine Kapitalausstattung von mindestens neun Prozent gefordert - nach dem weniger strengen Basel-II-Standard. Den damals geltenden Kapitalpuffer müssen die damaligen Teilnehmer seither aufrecht erhalten.

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  • Kommentar bezog sich auf den Kommentar von @Rechner!

  • Ich stimme Ihnen zu, wenn Sie den Standpunkt hier vertreten, dass zuerst das System stimmen muss bevor man sich Gedanken über eine Eigenkapitalunterlegung machen kann.

    Solange tatsächliche Risikoaktiva nicht berücksichtigt wird, muss andere Risikoaktiva diese fehlende Deckung auffangen. Sie ist dann um so höher zu belasten. Andere Risikoaktiva mit höherem Eigenkapital zu belasten, bedeutet eine Fehlsteuerung der Ressourcen. In der Konsequenz führt dies sogar soweit, dass die Ressourcen genau in die Geschäftsfelder gelenkt werden, die zu meiden wären und Geschäftsfelder "stranguliert" werden, die für die Bank interessant sind.

    Eine Bank mit hohem Bestand an Krisenanleihen muss demzufolge mit überhöhter Eigenkapitaldeckung für ihr übriges Geschäft diesen Systemfehler ausgleichen. In der Logik führt dies dazu, dass dieses besagte Geschäft mit zu hohem Eigenkapital belastet wird. Die Bank wird sich aus diesem Markt, z.B. der Kreditversorgung des heimischen Industrie verabschieden. Im Konkreten kommt es zu einer Kreditunterversorgung der Wirtschaft z.G. der Staatsanleihen. Eine mangelhafte Versorgung der Industrie führt zu Arbeitsplatzabbau.

    Wer sich ein solches Denkmodell einfallen lässt, kann noch nie Verantwortung getragen haben.

    Doch das eigentliche Problem liegt m.E. darin begründet, dass es keiner fachliche Kontrolle unterliegt. Institutionen, die aufbegehren müssten, fügen sich aus Angst vor Repressalien.

    Ahnungslose stehen immer alternativlosen Entscheidung gegenüber.

    Anders formuliert:
    Alternativlos kommen Entscheidungen nur dem vor, der ahnungslos ist. Wer denkt da nicht sofort an die Abstimmung zum ESM-Vertrag.

    Sie liegen also mit Ihrem Kommentar im Ergebnis absolut richtig.

  • wenn die Banken mit Eigenkapital bis zum Hals verfüllt werden kommt der böse Stresstest daher. da gehen die probleme erst richtig los weil ihre Bilanzen sowas von getürkt sind das es kracht. dass finale ist dann OMT ohne Ende und unser Spargeld ist in rauch aufgelöst. das nennt sich nachhaltige Routineretterei, ihr Deppen!

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