Stresstest
Sechs deutsche Banken fallen durch

Sechs deutsche Geldhäuser haben den Stresstest der europäischen Bankenaufsichtsbehörde Eba nicht bestanden. Bei den meisten Instituten war das bereits bekannt, aber nicht bei allen.
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FrankfurtSechs deutsche Banken brauchen nach Einschätzung der europäischen Aufseher für Krisenzeiten insgesamt 13,1 Milliarden Euro zusätzliches Kernkapital. Damit ist fast jede zweite der 13 beteiligten deutschen Banken bei dem Stresstest durchgefallen.

Die größte Lücke machte der aktuelle Stresstest bei der Commerzbank mit 5,3 Milliarden Euro aus, wie die Bundesbank und die Finanzaufsicht Bafin am Donnerstagabend gemeinsam mitteilten. Ihr scheidender Finanzchef Eric Strutz bekräftigte, dass die Commerzbank ohne Staatshilfe auskommen wolle: „Wir haben weiterhin nicht vor, zusätzliche öffentliche Mittel in Anspruch zu nehmen.“ Der Abbau von Risiken in der Bilanz - etwa durch ein gedrosseltes Kredit-Neugeschäft - soll allein 2,7 Milliarden Euro bringen. Die deutsche Wirtschaft soll nicht unter der Gewaltkur leiden: „Wir werden unseren Kunden und insbesondere dem Mittelstand auch künftig zur Seite stehen.“

Der Deutschen Bank fehlen 3,2 Milliarden Euro, um eine harte Kernkapitalquote von neun Prozent zu erreichen. Diesen Wert müssen die europäischen Institute nach Vorgabe der Bankenaufsicht EBA bis Ende Juni 2012 erreichen. Um ihre Pläne dafür der Aufsicht vorzulegen, bekommen sie aber vier Wochen länger Zeit als geplant: bis 20. Januar. Basis für den Test der Eba war die Kapitalausstattung der Banken zum 30. September 2011. Die Deutsche Bank erklärte, sie gehe davon aus, dass sie das Ziel schon bis Ende des Jahres erreichen werde, ohne die Vergabe von Krediten einschränken zu müssen.

Kapitalbedarf haben auch die DZ Bank sowie die Landesbanken Helaba, NordLB und WestLB, die bis Mitte 2012 ohnehin abgewickelt werden soll. Die LBBW, der im Oktober eine Kapitallücke von 364 Millionen Euro bescheinigt worden war, kommt dagegen nun um eine Kapitalaufstockung herum.

Insgesamt fehlen den 71 überprüften europäischen Banken 114,7 Milliarden Euro. Besonders hohen Kapitalbedarf haben Institute in Krisenländern wie Griechenland (insgesamt 30 Milliarden Euro), Spanien (26,2 Milliarden Euro) und Italien (15,4 Milliarden Euro). Bereits auf Platz vier folgen aber Deutschlands Banken mit ihrem Bedarf. Keinerlei Kapitallücke machte die Behörde bei den Banken aus Großbritannien und Irland aus.

Den europaweit höchsten Kapitalbedarf hat die Eba für die größte Bank der Euro-Zone, die spanische Banco Santander, mit 15,3 Milliarden Euro festgestellt. Die italienische HVB-Muttergesellschaft Unicredit hat bereits eine Kapitalerhöhung angekündigt, um ihre Lücke von fast acht Milliarden Euro zu schließen.

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  • naja, es wird Zeit, dass wir die Engländer langsam mal von uns abkoppeln.

    Keiner interessiert sich dafür, wenn die netten Tommys, die über Jahrhunderte die Welt ausgeplündert haben, nun auch Europa, den Kontinent ausplündern wollen.

    Es sind Piraten
    und ihr Reichtum ist Raubesgut

  • Ich finde es ja löblich, dass sich jetzt jeder um die Ausrichtung und um die Aufbau-Struktur der Banken bemüht, wo es schon zu spät ist. Aber das ist ein anderes Thema.
    Ich frage mich nur, was diese magische Hürde von 9 % in concreto bewirken soll. Natürlich, höhere Kernkapitalquote ist nett, aber, mit Sicherheit werden die Banken, die dadurch entstandenen Kosten und Einschränkungen irgendwie wieder reinholen.
    Warum? Weil der Markt, und die Menschen, jeder einzelne von uns, eben Erwartungshaltungen/Bedürfnisse hat, die eben solches handeln der Banken erfordern.

  • Die europäischen Aufseher sind also noch rigoroser als die deutschen. Verstehen tun sie zwar nichts von dem was sie so propagieren, aber rhetorisch sind sie alle Mal sehr gut drauf. Es ist wie mit dem Basel II, ohne diese Richtlinien für Banken hätte die Krise in 2008 nicht stattgefunden, weil ohne die durch Basel II hervorgerufenen Änderungen in den Aufsichtsregeln, die Banken diese ABS Papiere (die die Hauptursache der Krise waren)gar nicht hätten kaufen können. Das kann ihnen jeder bestätigen, der sich mit Basel II beschäftigt hat und die vorhergehenden Regeln kannte.

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