Stresstest
Spaniens Banken brauchen fast 60 Milliarden

Die maroden spanischen Banken benötigen Hilfen über 59,3 Milliarden Euro. Das ergab der Stresstest, den die Regierung in Auftrag gegeben hatte. Die drei größten Institute des Landes schaffen es demnach aus eigener Kraft.
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Madrid/Luxemburg/FrankfurtDie Banken des klammen Euro-Landes Spanien bräuchten fast 60 Milliarden Euro frisches Kapital, um für neues Ungemach in der heimischen Wirtschaft gerüstet zu sein. Wie die Regierung in Madrid am Freitag mitteilte, ergab der Stresstest allein für die mittlerweile verstaatlichte Bankia eine Kapitallücke von 24,7 Milliarden Euro. Insgesamt sind es demnach 59,3 Milliarden Euro. Die größten drei Geldinstitute Santander, BBVA und La Caixa benötigten keine Hilfen. Auch die Banken Unicaja, Banco Sabaldell, Kutxabynk und Bankinter brauchen keine weiteren Kapitalzuschüsse. Diese Geldhäuser machten 62 Prozent des gesamten Kreditvolumens in Spanien aus, heißt es in dem Bericht. Der Stresstest bestätigte außerdem, dass der spanische Bankensektor "größtenteils solvent und lebensfähig" sei.

Die EU-Kommission begrüßte die Veröffentlichung des Finanzbedarfs als einen zentralen Schritt, um die Branche zur Ruhe zu bringen. Die genaue Hilfssumme für den Sektor werde nun in den kommenden Monaten ermittelt. Die spanische Regierung erklärte, sie werde letztendlich um Hilfen in Höhe von etwa 40 Milliarden Euro bitten.

Nach den Ergebnissen des Tests braucht die Hälfte der 14 überprüften Institute zusätzliches Kapital. Die bereits verstaatlichten Geldhäuser allein benötigen demnach schon für sich allein 49 Milliarden Euro. Mit den Ergebnissen kann die Madrider Regierung nun ermitteln, in welcher Höhe sie Hilfen der Euro-Partner in Anspruch nehmen müssen. Spanien hat sich bereits eine Kreditlinie für die Sanierung des Bankensektors in Höhe von 100 Milliarden Euro gesichert. Zuletzt war allgemein erwartet worden, dass die Banken davon 50 bis 60 Milliarden Euro benötigen werden, da sie bereits 20 Milliarden Euro zur Stopfung der Finanzlöcher erhalten haben.

Die erforderliche Gesamtsumme von 59,3 Milliarden könnte sich noch auf 53,7 Milliarden Euro verringern, wenn derzeit geplante Fusionen im spanischen Bankensektor umgesetzt würden, heißt es in dem Papier von Oliver Wyman. Außerdem könnte sich der Bedarf an zusätzlichem Kapital theoretisch sogar um die Hälfte auf insgesamt 25,9 Milliarden Euro verringern, wenn die spanische Wirtschaft bis 2014 nur um 1,7 Prozent schrumpft. Im ungünstigsten Szenario gingen die Prüfer von einem Rückgang um 6,5 Prozent aus.

Bei dem Test hätten rund 400 Rechnungsprüfer 14 Institute unter die Lupe genommen, die etwa 90 Prozent des spanischen Bankensektors bildeten, sagte der stellvertretende Gouverneur der Zentralbank, Fernando Restoy. Man habe die härtesten jemals durchgeführten Tests gewollt, sagte Restoy bei einer Pressekonferenz.

Wohl weil die Ergebnisse des Stresstests nach ersten Einschätzungen im Rahmen der Erwartungen lagen, reagierten die Finanzmärkte zunächst kaum. Dort rechnen die Akteure mehrheitlich damit, dass Spanien bald über den Rettungsschirm ESM zusätzlich ein komplettes Hilfspaket beantragen wird, um seine Finanzierungskosten zu senken.

In dem Stresstest der Beratungsfirma Oliver Wyman wurde ermittelt, wie viel zusätzliches Kapital die angeschlagenen Institute des Landes benötigen, um einen Rückgang der heimischen Wirtschaftsleistung von 6,5 Prozent in der Zeit von 2012 bis 2014 zu überstehen.

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Kommentare zu " Stresstest: Spaniens Banken brauchen fast 60 Milliarden"

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  • Staatl. Selbstverwaltung.

  • 'Pandora061 sagt
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    Die zahlt der deutsche Steuerzahler gerne auch alleine für seine "spanischen Freunde".
    In "Bankenrettung" sind wir ganz groß, da ist uns nichts zu teuer (HRE, IKB, Commerzbank, West-LB, HSH, ...). Wir retten ja auch schon die griechischen, irischen und portugisischen Banken.
    Bald retten wir auch die zyprischen, italiänischen und französischen Banken. Alles kein Problem für den "deutschen (noch) Steuerzahler.
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    Blühender Unsinn:

    Für die Rettung der spanischen Banken bürgt Spanien.

    Portugiesische Banken haben wir keine gerettet.

    Ob der EFSF die 31 Milliarden zur Rettung der griechicschen Banken auszahlen wird ist noch sehr unklar.

    Die Rettung der irischen Banken wird von Irland vorgenommen - der EFSF hat Irland Geld geliehen und nicht den irischen Banken.


    'Pandora061 sagt
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    "■ Zweiter Schauplatz ist Berlin. Der Haushaltsausschuss des Bundestags hat am Freitag die Leitlinien für den Rettungsschirm ESM gebilligt. Streit gibt es aber über direkte Hilfen für Banken. Sie sollen künftig möglich sein, Deutschland und weitere Geberländer stellen aber strenge Bedingungen. Sie wollen nicht für die Fehler geradestehen, die die Banken in den Krisenstaaten in der Vergangenheit gemacht haben. Heftig gerungen wird dabei um die Konstruktion der Bankenunion. Sie ist die Voraussetzung dafür, dass ESM-Geld ohne Umweg über den Staat an die Banken fließen kann."

    Damit wurde schon wieder - oder wie immer - eine Bedingung für die Kreditvergabe gebrochen! Aber das ist ja nichts neues!
    Pacta sunt non iam servanta.
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    Was für eine "Bedingung für die Kreditvergabe" wurde da gebrochen?

    Was phantasieren Sie sich bloß für einen Blödsinn zusammen?

    +++

    Ab wann und unter welchen Bedingungen Banken direkt vom ESM gerettet werden können steht noch in den Sternen.

    Zu einem "Abladen" von Bankenschrott beim ESM wird es jedenfalls nicht kommen - auch wenn gewisse PIGS das gerne so hätten.

  • 'Pandora061 sagt
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    Aber sowohl in der EZB als auch beim ESM hat der ClubMed die Mehrheit.
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    Unsinn.

    In ESM und EZB sind exakt 7 von 17 Mitglieder Mittelmeeranrainer:

    Griechenland
    Spanien
    Frankreich
    Italien
    Zypern
    Malta
    Slowenien

    Und bei allen wichtigen Entscheidungen hat Deutschland sowieso ein Veto, da diese entweder einstimmig, oder mit 80% bzw. 85% Mehrheit getroffen werden müssen.

    +++

    'Pandora061 sagt
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    Das Direktorium und der Gouverneursrat genießen absoluter Immunität und können nach gutdünken "entscheiden".
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    Völliger Unsinn:

    Die Mitglieder Direktorium und der Gouverneursrat genießen Immunität ausschließlich soweit sie FÜR den ESM tätig werden.

    Die Mitglieder des Gouverneursrats sind Angesandte ihrer jeweligen Regierungen und können nur dann nach Gutdünken entscheiden wenn ihre Regierungen ihnen das erlauben.

    Die Mitglieder des Gouverneursrats müssen Regierungsmitglieder der Entsenderregierung sein mit Verantwortung für Finanzen. Für Deutschland kommt also der Bundesfinanzminister oder ein Staatssekretär im Finanzministerium in Frage.

    ARTIKEL 5 - Gouverneursrat

    (1) Jedes ESM-Mitglied ernennt ein Mitglied des Gouverneursrats und ein stellvertretendes Mitglied des Gouverneursrats. Die Ernennungen können jederzeit widerrufen werden. Das Mitglied des Gouverneursrats ist ein Regierungsmitglied des jeweiligen ESM-Mitglieds mit Zuständigkeit für die Finanzen. Das stellvertretende Mitglied des Gouverneursrats ist bevollmächtigt, bei Abwesenheit des Gouverneursratsmitglieds in dessen Namen zu handeln.

    ++++

    Sie können sich Ihre Lügenmärchen sparen.

    Der ESM-Vertrag tritt nächste Woche in Kraft, die konstituierende Sitzung des Gouverneursrats wird am 8. Oktober stattfinden.

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