Studie der Bankenaufsicht EBA
Wie neue Bilanzregeln die Banken belasten

Banken drohen neue Belastungen: Ab 2018 müssen Kreditrisiken anders bilanziert werden. Das zwingt Banken zu einer höheren Risikovorsorge und könnte etwa Folgen für das Kreditgeschäft bei der Immobilienfinanzierung haben.
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FrankfurtBilanzierungsvorschriften gelten als trockene Materie. Doch die neuen internationalen Bilanzregeln, die 2018 eingeführt werden, dürfte für die Banken spürbare Folgen haben. Sie zwingen die Banken zu einer deutlich höheren Risikopuffern im Kreditgeschäft und belasten spürbar die Eigenkapitalquoten der Institute. Das belegt eine Auswirkungsstudie der EU-Bankenaufsichtsbehörde EBA, die am Donnerstag veröffentlicht wurde.

Für die gleichen Kredite müssen die Institute danach im Durchschnitt etwa 18 Prozent mehr Risikovorsorge als Schutz vor Kreditausfällen buchen als bisher. Das belastet die Eigenkapitalquoten, die im Durchschnitt um 0,6 Prozentpunkte sinken dürften. Es ist die erste breite Untersuchung über die Folgen der neuen Bilanzstandards für europäische Banken. Die EBA hatte dazu eine repräsentative Auswahl von knapp 60 Banken aus 20 Mitgliedsstaaten befragt.

Die neuen Bilanzregeln, im Fachjargon IFRS 9 genannt, gelten neben den geplanten strengeren Kapitalvorschriften für Banken als wichtigster Belastungsfaktor für das Kreditgeschäft. Der Grund: Bislang müssen Banken erst dann eine Risikovorsorge für einen Kredit bilden, wenn sie konkret Verluste erleiden. Ab 2018 müssen die Institute bei jedem Kredit sofort abschätzen, wie hoch die potenzielle Verlustgefahr auf Sicht von einem Jahr ist. Sie müssen also vorausschauender als bislang Gefahren bilanzieren. Je langfristiger ein Kredit ist, desto stärker wirkt sich dieser Wechsel aus. Die private Immobilienfinanzierung dürfte das ganz besonders treffen, denn dort sind die Darlehen besonders langfristig.

Wenn die Banken aber mehr Risikopuffer für das Kreditgeschäft berücksichtigen müssen, belastet das natürlich auch die Eigenkapitalausstattung. Die EBA geht davon aus, dass die Eigenkapitalquote, die ein wichtiges Abbild für Stärke und Stabilität einer Bank ist, im Durchschnitt um 0,6 Prozentpunkte sinken würde.

Es gibt Banken, die sich längst auf die Umstellung der Bilanzregeln eingestellt haben. Die Aareal Bank etwa betont, dass sie in ihren Risikomodellen die potenzielle Verlustgefahr, den so genannten Expected Loss, bereits berücksichtigt. Doch das gilt nicht für alle Institute. Die EBA hat aus ihrer Umfrage den Eindruck gewonnen, dass kleinere Banken in ihren Vorbereitungen im Vergleich zu größeren Banken hinterherhinken. „Die EBA ist davon überzeugt, dass es wichtig ist, dass große wie kleine Banken nicht unterschätzen, wie viel Arbeit bei der Umsetzung von IFRS 9 anfällt“, warnt die Behörde in ihrer Untersuchung.

Die neuen Bilanzstandards vor allem bei der Risikovorsorge dürften sich auch auf die Kreditvergabe auswirken. Etwa 60 Prozent der befragten Banken sagen, dass sich die strengeren Standards auf die Preise, die Laufzeit und auf die Vergabestandards auswirken werde. Nur 28 Prozent der Banken rechnen mit keinen Auswirkungen, weil sie ihre Preise und die Vergabestandards längst im Kreditgeschäft berücksichtigen.

Die EBA will nun noch einmal tiefer in die Analyse einsteigen. „Wir werden schon bald eine zweite Umfrage beginnen. Sie wird auf die erste aufbauen und wir werden die Banken um präzisere Schätzungen bitten“, sagte der EBA-Regulierungsexperte Angel Monzon, dem Handelsblatt. Bei der aktuellen Studie hatten Banken bei den Auswirkungen oft Bandbreiten angegeben, aus denen die EBA dann jeweils Mittelwerte abgeleitet hat.

Es ist unklar, ob diese Mittelwerte die Realität treffen, oder ob die Folgen auch noch etwas härter ausfallen könnten: Zwar rechnen die Banken im Mittel nur mit einem Anstieg der Risikovorsorge von 18 Prozent, doch immerhin 86 Prozent von ihnen hatten angegeben, dass die Risikopuffer auch bis zu 30 Prozent ansteigen könnten. Und bei den Kapitalquoten hatten Banken ebenfalls nur im Durchschnitt mit einer Belastung um 0,6 Prozentpunkte gerechnet - doch 79 Prozent von ihnen halten auch eine Belastung von 0,75 Prozentpunkte für möglich.

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