Studie: Fachleute aus den Zentralbanken sorgen am besten für Preisstabilität: Politiker und Wissenschaftler sind nachgiebige Notenbanker

Studie: Fachleute aus den Zentralbanken sorgen am besten für Preisstabilität
Politiker und Wissenschaftler sind nachgiebige Notenbanker

Währungshüter, die ihre Karriere in Zentralbanken gemacht haben, sind die beste Gewähr für stabile Preise. Selbst Volkswirte, die aus der Wissenschaft kommen, nehmen eher höhere Inflationsraten in Kauf.

FRANKFURT/M. Das ist das Ergebnis einer empirischen Untersuchung von Silja Göhlmann vom Rheinisch-Westfälischen Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) in Essen und dem Mannheimer Notenbankexperten Roland Vaubel. Auch frühere Banker oder Geschäftsleute ziehen relativ niedrige Inflationsraten vor. Signifikant unwichtiger ist dagegen Preisstabilität für Zentralbanker, die Politiker oder Gewerkschafter waren.

Die Frage, ob Währungshüter aus dem Kreis der Notenbanker oder aus der Wissenschaft rekrutiert werden sollten, prägt die Debatte über Neubesetzungen im Direktorium der Europäischen Zentralbank (EZB). Die Autoren haben die Ausbildung und den beruflichen Hintergrund von 391 Mitgliedern der geldpolitischen Entscheidungsgremien aus elf Ländern für die Jahre 1973 bis 1998 und der Mitglieder des EZB-Rats von 1999 bis 2003 analysiert. Sie untersuchten, welchen Einfluss die beiden Kriterien auf die Inflation haben. Unterstellt ist, dass bei geldpolitisch unabhängigen Zentralbanken und flexiblen Wechselkursen die Ratsmitglieder die Teuerung bestimmen können, diese folglich ihre Stabilitätspräferenzen widerspiegelt.

Vom beruflichen Hintergrund her rangieren zwischen den Spitzenreitern mit Notenbank-Karriere und dem unteren Ende der Skala der Stabilitätspräferenzen die Volkswirte, die aus der Wissenschaft kommen. Sie unterscheiden sich der Studie zu Folge nicht einmal signifikant von den Schlusslichtern aus Gewerkschaften und Politik. „Es scheint, dass diese Wissenschaftler eher zu einer keynesianischenWeltsicht neigen als die Praktiker“, erläutern die Autoren.

Dass ausgerechnet EZB-Chefvolkswirt Otmar Issing und Bundesbankpräsident Axel Weber in diese Kategorie fallen, irritiert Vaubel angesichts der Breite der Untersuchung nicht. „Issing und Weber sind Ausnahmen“, sagt er. Issing wurde von seinem Lehrstuhl in Würzburg zum Chefvolkswirt der Bundesbank und später der EZB berufen. Er ist bekannt für eine ausgeprägte Stabilitätsorientierung. Weber avancierte von der Universität Köln an die Bundesbankspitze und steht ebenfalls für Preisstabilität.

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