Studie von S&P
Großbanken mit Refinanzierungs-Problem

Für die meisten der 50 größten Banken Europas bleibt die Refinanzierung ein Problem. Es fehlen nach S&P-Berechnungen mehr als eine Billion Euro. Französische, spanische und skandinavische Banken hängen hinterher.
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FrankfurtDie Refinanzierung bleibt für die meisten der 50 größten Banken in Europa nach einer Studie von Standard & Poor's (S&P) ein Problem. Ende vergangenen Jahres fehlten 36 Instituten nach Berechnungen der Ratingagentur noch insgesamt 1,3 Billionen Euro, um die künftigen Anforderungen der Regulierer an ihre stabile langfristige Refinanzierungsbasis zu erfüllen. Zwei Jahre vorher hatte die Lücke noch 2,1 Billionen Euro betragen. 80 Prozent davon entfallen auf französische und spanische sowie skandinavische Banken.

Die Lücke sei zwar im Laufe des Jahres geschrumpft, indem die Banken ihre Bilanzsumme abgebaut, weitere Einlagen eingesammelt und die guten Bedingungen am Finanzmarkt zur Refinanzierung genutzt hätten. Doch vor den Banken liege noch ein langer Weg, lautet das Fazit von S&P. Je größer ihre Lücke, desto anfälliger seien sie für Marktverwerfungen und den Verlust von Vertrauen in die Bank und ihren Heimatstaat.

Das Missverhältnis zwischen der Laufzeit eigener Anleihen, Einlagen und anderer Refinanzierungsmittel einerseits und der Laufzeit der ausgegebenen Kredite war eine der Ursachen, dass Banken in der Finanzkrise in Schieflage geraten waren, als Kunden massenhaft Geld abzogen. Die Bankenaufseher versuchen das zu verhindern, indem sie zwei Kennziffern einführen wollen, die Banken erreichen müssen. Damit soll verhindert werden, dass die Institute aus der Balance kommen.

Immerhin habe sich die Refinanzierungs-Kennziffer nach dem von S&P angelegten Maßstab seit 2010 im Schnitt der 50 Banken auf 94 von 88 Prozent verbessert - die Aufseher fordern aber 100 Prozent. Die geforderte Liquiditäts-Quote erfüllten die Banken im Schnitt mit 1,05 bereits - zwei Jahre zuvor hatte sie erst bei 0,90 gelegen.

Dennoch: Positive Auswirkungen auf das Rating haben Refinanzierung und Liquidität nur für zwei der 50 Banken: die britische Bank Standard Chartered und der deutsche Genossenschaftsbanken-Sektor mit der DZ Bank als Spitzeninstitut bekommen von S&P ausdrücklich wegen ihrer komfortablen Lage eine bessere Note. Elf Institute bewertet die Agentur schlechter.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Natürlich ist es ein recht futurologischer Ansatz. Die Zeit der traditionellen Banken, wie sei z.Zt. noch in den globalen Refugien dem Gigantomanismus und der Finanzspekulationsbetrugswirtschaft frönen, ist schon längst gezählt.
    Die heute überall unübersehbar gewordenen Probleme gleichen jenen der sozialistischen Planwirtschaftskombinate, in denen schlussendlich absolut gar keine Mehrwerte für die Bevölkerungen der „Arbeiter- und Bauernstaaten“ mehr geschaffen wurden, sondern nur noch dem Primat der Alternativlosigkeit, der systemischen Unvermeidbarkeiten oder der sonstigen Unverzichtbarkeiten, also nach Maßgabe der Gesetzmäßigkeit der geschichtlichen Entwicklung, des historischen und des dialektischen Materialismus zu funktionieren gezwungen worden waren.
    Dass die rapide anwachsenden gesamtgesellschaftlichen Realleistungsunfähigkeiten der Universalbankenkombinate der stetig mehr sklerotisierten Altindustrieländer in die selbstzerstörende Finanzspekulations- und –anlagenbetrugskriminalität führt, bedarf angesichts der Etablierung dieser Systemkriminalität seit dem Jahre 2005 wohl keiner Erklärung mehr. Details kann jeder selbst nachlesen:
    1. Global Industrial Note, publiziert 16.10.2005, von Citigroup Corp., N.Y.,
    Verfasser: Ajay Kapur, CFA, +1-212-816-4813, ajay.kapur@citigroup.com (heute: Asia strategist for Deutsche Bank in Hong Kong)
    Niall Macleod, +44-20-7986-4449, niall.j.macleod@citigroup.com
    Narendra Singh, +1-212-816-2807, narendra.singh@citigroup.com
    Titelzeile: Plutonomy – Buying Luxury, Explaining Global Imbalances
    2. Global Strategy Note, publiziert 29.09.2006, von Citigroup Corp., N.Y.,
    Verfasser: Ajay Kapur, CFA, Niall MacLeod, Tobias M. Levkovich, Robert Buckland, Jonathan Stubbs, Tsutomu Fujita, Patrick Mohr, Markus Rösgen, Geoffrey Dennis, Adrian Blundell-Wignall, Alison Tarditi, Manolis Liodakis, Keith L. Miller,
    Titelzeile: The Plutonomy Symposium — Rising Tides Lifting Yachts

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