Studie zu Start-ups: Warum San Francisco attraktiver als Frankfurt ist

Studie zu Start-ups
Warum San Francisco attraktiver als Frankfurt ist

Wo fühlen sich Firmengründer wohl? Wenn es um die Bedingungen für Start-ups geht, ist Kalifornien der Bundesrepublik weit voraus. Eine Studie der Deutschen Börse soll zeigen, wo es Nachholbedarf gibt.
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FrankfurtWenn es um die Förderung von jungen Wachstumsfirmen geht, gibt es in Deutschland noch viel zu tun – so argumentiert zumindest eine Studie der Deutschen Börse und der Wirtschaftsberatung EY. Die Studie vergleicht die Bedingungen für Firmengründer in Deutschland, Israel, Großbritannien und Kalifornien. In der Analyse, die am Mittwoch in Frankfurt vorgestellt wurde, loben Börse und Berater zwar die deutschen Fortschritte bei der Start-up-Förderung. Aber: „In einigen Punkten hinkt Deutschland bei der Attraktivität für Start-ups hinterher“, sagt Christopher Schmitz, Partner bei EY. Frankfurt ist also nicht San Francisco. Dass Börse und Berater die Defizite bei der Start-up-Förderung in Deutschland ausgerechnet jetzt herausarbeiten, ist wohl kein Zufall.

Hierzulande sehen Börse und Berater einen deutlichen Aufholbedarf beim Steuersystem, den Kapitalanforderungen an junge Unternehmen und in punkto Bürokratie. So gewähren Israel oder Großbritannien etwa Steuererleichterungen für Forschungs- und Entwicklungstätigkeiten. Und in Kalifornien müssen Gründer viel weniger Papierkram erledigen, wenn sie eine neue Firma ins Leben rufen wollen.

Doch die Analyse attestiert Deutschland noch ein Defizit. „Wir müssen den Gründergeist in Deutschland stärken, indem wir Gründer ermutigen, mit ihren Ideen auch mal zu scheitern“, fordert Eric Leupold, der das vorbörsliche Geschäft bei der Deutschen Börse verantwortet. Sein Wunsch: „Unternehmen, Politik und Universitäten müssen Hand in Hand agieren, wenn wir Deutschland für Start-ups attraktiver machen wollen“, sagt Börsen-Manager Leupold.

Neu sind diese Forderungen allerdings nicht, denn das Problem ist längst bekannt: Viele deutsche Firmengründer gehen lieber nach San Francisco als nach Frankfurt, die Zahl der Firmengründungen ging hierzulande sogar zurück. Und die erfolgreichen Börsendebüts von Start-ups in Deutschland lassen sich an einer Hand abzählen. Gerademal fünf „Einhörner“ zählt die Studie hierzulande. Das sind Start-ups, die beim Börsengang oder Ausstieg eines Investors mit mehr als einer Milliarde Euro bewertet werden. Davon zählen die Autoren in den USA ganze 65 „Einhörner“.

Dass sich die Deutsche Börse und die Beratungsfirma EY ausgerechnet jetzt ihre Analyse präsentieren, kommt wohl nicht von ungefähr: Jedes Unternehmen, dass sich für einen Börsengang entscheidet, bringt ihnen neues Geschäft. Und vor der Bundestagswahl im September haben Parteien die Start-up-Förderung als Wahlkampfversprechen für sich entdeckt.

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