Studie zu Start-ups Warum San Francisco attraktiver als Frankfurt ist

Wo fühlen sich Firmengründer wohl? Wenn es um die Bedingungen für Start-ups geht, ist Kalifornien der Bundesrepublik weit voraus. Eine Studie der Deutschen Börse soll zeigen, wo es Nachholbedarf gibt.
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Golden Gate Bridge: Eine Studie der Börse sieht in Kalifornien deutlich bessere Bedingungen für Firmengründer als in Deutschland. Quelle: AP
Startup-Mekka San Francisco

Golden Gate Bridge: Eine Studie der Börse sieht in Kalifornien deutlich bessere Bedingungen für Firmengründer als in Deutschland.

(Foto: AP)

FrankfurtWenn es um die Förderung von jungen Wachstumsfirmen geht, gibt es in Deutschland noch viel zu tun – so argumentiert zumindest eine Studie der Deutschen Börse und der Wirtschaftsberatung EY. Die Studie vergleicht die Bedingungen für Firmengründer in Deutschland, Israel, Großbritannien und Kalifornien. In der Analyse, die am Mittwoch in Frankfurt vorgestellt wurde, loben Börse und Berater zwar die deutschen Fortschritte bei der Start-up-Förderung. Aber: „In einigen Punkten hinkt Deutschland bei der Attraktivität für Start-ups hinterher“, sagt Christopher Schmitz, Partner bei EY. Frankfurt ist also nicht San Francisco. Dass Börse und Berater die Defizite bei der Start-up-Förderung in Deutschland ausgerechnet jetzt herausarbeiten, ist wohl kein Zufall.

Hierzulande sehen Börse und Berater einen deutlichen Aufholbedarf beim Steuersystem, den Kapitalanforderungen an junge Unternehmen und in punkto Bürokratie. So gewähren Israel oder Großbritannien etwa Steuererleichterungen für Forschungs- und Entwicklungstätigkeiten. Und in Kalifornien müssen Gründer viel weniger Papierkram erledigen, wenn sie eine neue Firma ins Leben rufen wollen.

Das sind die wertvollsten Start-ups der Welt
Platz 17: Spotify
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Eines der wertvollsten Start-ups der Welt wird in diesem Jahr wohl die Rangliste verlassen. Der Musikstreaming-Dienst Spotify setzt laut Medienberichten zu seinem seit langem erwarteten Börsengang an. Derzeit wird das Unternehmen aus Schweden mit 8,5 Milliarden Dollar bewertet, ein Börsengang könnte die Bewertung auf bis zu 20 Milliarden steigern. Der Dienst kommt nach eigenen Angaben auf mehr als 60 Millionen zahlende Abo-Kunden und mehr als 140 Millionen Nutzer insgesamt.

Quelle: WSJ Billion Dollar Club, Januar 2017

Platz 16. Theranos
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Mit nur 19 Jahren gründete Elizabeth Holmes (Bild) im Jahr 2003 die Firma Theranos. Mit einem kleinen Piekser in den Finger sollten innovative Technologien zuverlässige günstige Bluttests liefern. Doch dann wurden immer mehr Probleme mit den Bluttests bekannt. Ergebnisse wurden angezweifelt und letztlich als fehlerhaft zurückgezogen. 2017 konnte Theranos die folgenden Rechtstreite aber beilegen. Die letzte Finanzierungsrunde, die vor dem Skandal stattfand, bewertete das Unternehmen mit 9 Milliarden Dollar.

Platz 15: Stripe
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Die irischen Brüder Patrick (links) und John Collison gründeten 2009 das Start-up Stripe. Die Software-Plattform will Online-Zahlungsabwicklungen erleichtern und verarbeitet jährlich für Unternehmen in 25 Ländern Beträge in Milliardenhöhe. Selbst ist das Jungunternehmen 9,2 Milliarden Dollar wert.

Platz 14: DJI
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Frank Wang hat seinen Kindheitstraum wahr gemacht und sogar noch weiterentwickelt: Als er noch klein war, träumte er von einem Modell-Helikopter - als er einen besaß, crashte er ihn schnell. Doch er hielt an seinem Traum fest und gründete 2006 DJI, ein mittlerweile 10 Milliarden Dollar schweres Unternehmen, das Drohnen herstellt und verkauft. Mehr als 6000 Mitarbeiter arbeiten weltweit für die Chinesen.

Platz 13: Dropbox
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Wer hat noch keine Dateien per Dropbox verschickt? Das Start-up bietet eine Freigabe- und Speicherlösung von kleinen und großen Dateien. Drew Houston schrieb 2007 den ersten Softwarecode für Dropbox während einer Busfahrt von Boston nach New York. Mittlerweile nutzen über eine halbe Milliarde Menschen weltweit Dropbox. Das Unternehmen ist derzeit 10 Milliarden Dollar wert. Experten erwarten, dass bald ein Börsengang angekündigt wird.

Platz 12: Lyft
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Der 2012 gegründete Fahrdienst-Vermittler ist der größte Konkurrent von Platzhirsch Uber. Das Start-up ist in rund 300 US-Städten aktiv. Im Oktober 2017 steckte Google eine Milliarde Dollar in das Unternehmen. Damit stieg die Bewertung von Lyft auf 11,5 Milliarden Dollar. Ein Börsengang wird in diesem Jahr erwartet.

Platz 11: Flipkart
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Der virtuelle Marktplatz Flipkart ist das indische Pendant zu Amazon. Binny Bansal (rechts, mit Microsoft-Chef Satya Nadella) und Sachin Bansal arbeiteten vor der Gründung für den heutigen Konkurrenten Amazon, wollten dann aber eine E-Commerce-Webseite für Inder gründen. Indische Unternehmen investierten bereits drei Milliarden Dollar in das Start-up, das mittlerweile 11,6 Milliarden Dollar wert ist.

Doch die Analyse attestiert Deutschland noch ein Defizit. „Wir müssen den Gründergeist in Deutschland stärken, indem wir Gründer ermutigen, mit ihren Ideen auch mal zu scheitern“, fordert Eric Leupold, der das vorbörsliche Geschäft bei der Deutschen Börse verantwortet. Sein Wunsch: „Unternehmen, Politik und Universitäten müssen Hand in Hand agieren, wenn wir Deutschland für Start-ups attraktiver machen wollen“, sagt Börsen-Manager Leupold.

Neu sind diese Forderungen allerdings nicht, denn das Problem ist längst bekannt: Viele deutsche Firmengründer gehen lieber nach San Francisco als nach Frankfurt, die Zahl der Firmengründungen ging hierzulande sogar zurück. Und die erfolgreichen Börsendebüts von Start-ups in Deutschland lassen sich an einer Hand abzählen. Gerademal fünf „Einhörner“ zählt die Studie hierzulande. Das sind Start-ups, die beim Börsengang oder Ausstieg eines Investors mit mehr als einer Milliarde Euro bewertet werden. Davon zählen die Autoren in den USA ganze 65 „Einhörner“.

Dass sich die Deutsche Börse und die Beratungsfirma EY ausgerechnet jetzt ihre Analyse präsentieren, kommt wohl nicht von ungefähr: Jedes Unternehmen, dass sich für einen Börsengang entscheidet, bringt ihnen neues Geschäft. Und vor der Bundestagswahl im September haben Parteien die Start-up-Förderung als Wahlkampfversprechen für sich entdeckt.

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