Suche nach Investoren
Spaniens Banken hoffen auf chinesische Geldspritze

Spaniens Banken suchen dringend Investoren, um die strengeren Regeln der Finanzbranche erfüllen zu können. Offenbar sollen chinesische Staatsfonds Interesse angemeldet haben. Doch bisher dementiert China die Gerüchte.
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Peking/MadridIm Ringen um stärkere Kapitalpolster für Spaniens angeschlagene Banken halten sich Spekulationen über ein Engagement Chinas. Der chinesische Staatsfonds dementierte zwar Berichte über geplante Milliardeninvestitionen in Spanien. Diese Informationen entbehrten jeder Grundlage und seien falsch, sagte ein Vertreter von China Investment Corp (CIC) am Donnerstag in Peking. In spanischen Regierungskreisen hieß es dagegen erneut, China wolle sehr wohl in dem Land investieren. Das jüngste Dementi sei lediglich eine Kommunikationspanne. Die Entwicklung wurde mit Spannung verfolgt, weil die spanische Zentralbank noch am Donnerstag über die Kapitalpläne der Branche informieren wollte. 

Die ersten Informationen über chinesisches Investitionsinteresse waren am Dienstag in spanischen Regierungskreisen zur Sprache gekommen, nachdem Ministerpräsident Jose Luis Rodriguez Zapatero Peking besucht hatte. Chinas Ministerpräsident Wen Jiabao habe Zapatero Hilfen bei der Finanzierung der Bankenbranche zugesagt, hieß es. Zudem habe Wen versichert, dass China weiterhin spanische Staatsanleihen kaufe. Am Mittwoch berichtete dann ein Vertreter der spanischen Regierung von bis zu 13 Milliarden Dollar, die der chinesische Staatsfonds zusammen mit anderen chinesischen Investoren in die heimische Bankenbranche pumpen wolle. Auch direkte Beteiligungen seien möglich. Am Donnerstag bekräftigte ein anderer Regierungsvertreter in Madrid, China plane Investitionen in die Sparkassen und bei Staatsanleihen. Genaue Summen und Fonds könnten aber nicht genannt werden. 

Finanzspritzen von Außen kämen spanischen Banken gelegen. Die Geldhäuser des Landes brauchen nach offiziellen Angaben rund 15 Milliarden Euro, um die strengeren Regeln für die Finanzbranche zu erfüllen. Andere Schätzung gehen von bis zu 100 Milliarden Euro aus, wenn die in der Zukunft noch erwarteten Verluste im Zusammenhang mit Abschreibungen auf Immobilien mit einberechnet werden. 

Spanien steht an den internationalen Finanzmärkten unter starkem Druck. Allerdings ließ zuletzt die Furcht nach, dass die viertgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone nach Griechenland, Irland und Portugal ebenfalls auf Hilfen von Europäischer Union (EU) und Internationalem Währungsfonds (IWF) zurückgreifen muss. 

Spaniens Banken bekamen im vergangenen Jahr auf den internationalen Märkten kaum noch an Geld. Die Lage hat sich aber wieder etwas entspannt. So sanken die Kredite, die Spaniens Finanzinstitute von der Europäischen Zentralbank (EZB) aufnehmen musste, im März laut spanischer Notenbank auf 44 Milliarden Euro - den niedrigsten Stand seit Januar 2008. 

Doch Investitionen in spanische Banken bergen weiterhin Risiken. Welche genauen Bedingungen diese Risiken ausgleichen und so den Schritt für China attraktiv machen, war zunächst nicht bekannt. Der chinesische Staatsfonds hatte in den vergangenen Jahren eine sehr vorsichtige Investmentpolitik auf den internationalen Märkten verfolgt. 

Doch dem RBS-Volkswirt Silvio Peruzzo zufolge könnte vielmehr eine Stärkung des Euro die treibende Kraft sein. China habe bisher auch Initiativen unterstützt, die die Lage in hoch verschuldeten Euro-Ländern stabilisieren sollen. Es gehe China um die Stabilität des Euro - als Alternative zum Dollar. China drängt zusammen mit anderen führenden Schwellenländern vor Beginn der IWF-Frühjahrstagung auf eine Reform des derzeit am Dollar orientierten Weltwährungssystems.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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