S&P-Analyst
Staat hat keine Eile mit Commerzbank-Anteilen

Die Ratingagentur Standard & Poor's sieht die Regierung nicht unter Druck, was ihre Commerzbank-Anteile angeht. Analysten glauben, die Papiere werden nach und nach an der Börse platziert – mit gewaltigen Verlusten.
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FrankfurtDie Bundesregierung hat nach Ansicht der Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) beim Verkauf ihres Commerzbank -Anteils keine Eile. „Ich sehe die Regierung nicht unter Druck, etwas zu tun“, sagte S&P-Ratinganalyst Stefan Best. „Allerdings ist es verständlich, dass sie sich Gedanken über die Zukunft der Commerzbank macht, weil sie eine hoch systemrelevante Bank ist, die durch einen schwierigen Restrukturierungsprozess geht.“ Die Debatte um die Zukunft der Commerzbank war hochgekocht, nachdem das Magazin „Focus“ berichtet hatte, Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble habe mit dem Verwaltungsratschef der Schweizer UBS, Axel Weber, in einem Gespräch Lösungen für die Commerzbank ausgelotet.

Die Handlungsmöglichkeiten des Staates, der über den Bankenrettungsfonds SoFFin noch 17 Prozent an der Commerzbank hält, seien aber begrenzt, räumte Best ein. „Eine Möglichkeit ist es, nichts zu tun - aber das ist auch schwierig, weil die jahrelange Restrukturierung die Belegschaft und das Management belastet und es schwermacht, den gesunden Teil des Geschäfts voranzubringen“, sagte der Ratinganalyst. Der Verkauf an eine andere Bank sei "nicht unmöglich, aber das hängt von den Bedingungen ab, also vom Preis und davon, was mit den nicht zum Kerngeschäft gehörenden Teilen passieren soll, die Kapital und Refinanzierung brauchen".

Andere Experten hatten gesagt, dass der deutsche Staat in diesem Fall zumindest langfristige Garantien für die Schiffs- und Immobilienfinanzierung übernehmen müsste. Die Aufspaltung der Commerzbank in einen „guten“ Teil und eine „Bad Bank“ hält Best aber derzeit kaum für machbar, wenn der Staat dabei die Verluste zum Teil auf die Gläubiger abwälzen würde. „Sonst wäre das negativ für das Kreditrating, weil es die Wahrscheinlichkeit steigen ließe, dass vor- und nachrangige Gläubiger herangezogen werden - was auch Ansteckungsrisiken für andere Banken bergen würde“, warnte der Analyst.

Vorbei sei wohl auch die Chance, die Commerzbank mit einer Landesbank zusammenzubringen. „Das ist ein unwahrscheinliches Szenario, wenn man bedenkt, dass die Politik die öffentlichen Banken auch ohne die Commerzbank hätten konsolidieren können. Das wäre nur sinnvoll, wenn dann die Commerzbank und die anderen Landesbanken zu Zentralinstituten für die deutschen Sparkassen würden“, sagte Best. Und das sei kaum denkbar.

Die meisten Banker halten es für am wahrscheinlichsten, dass der Bund seine Commerzbank-Anteile nach und nach über die Börse platziert. Derzeit würde er damit freilich fast vier Milliarden Euro Verlust machen. Das Paket, für das er rechnerisch gut fünf Milliarden ausgegeben hat, ist an der Börse nur 1,2 Milliarden Euro wert.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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