Suspendierung nach Untersuchung

Deutsche Bank beurlaubt Manager

Die Deutsche Bank hat offenbar den Co-Leiter Unternehmensfinanzierung in Asien beurlaubt. Der Manager soll laut Kreisen Verträge eines verlustbringenden, chinesischen Gemeinschaftsunternehmen frisiert haben.
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Der Co-Leiter Unternehmensfinanzierung der Deutschen Bank in Asien soll mit Überweisungen Erträge des chinesischen Brokerhauses Zhong De Securities Co. frisiert haben. Quelle: dpa
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Der Co-Leiter Unternehmensfinanzierung der Deutschen Bank in Asien soll mit Überweisungen Erträge des chinesischen Brokerhauses Zhong De Securities Co. frisiert haben.

(Foto: dpa)

Hongkong Die Deutsche Bank AG hat offenbar den Co- Leiter Unternehmensfinanzierung in Asien beurlaubt. Vorangegangen sei der Suspendierung von Douglas Morton eine interne Untersuchung, sagten mit dem Vorgang vertraute Personen. Dabei ging es um Überweisungen an Zhong De Securities Co., ein chinesisches Brokerhaus, an dem die Deutsche Bank beteiligt ist.

Der Compliance-Abteilung der Bank lägen Hinweise vor, wonach Morton der chinesischen Partnerfirma für mindestens eine Transaktion, an der Zhong De Securities nicht mitgearbeitet hatte, Erlöse zuwies, sagten die informierten Personen. Morton sei es darum gegangen, die Erträge des verlustbringenden Gemeinschaftsunternehmens zu frisieren.

Das Banken-Chamäleon
Zeugnis der Anfangstage
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Der 10. März 1870 ist der Gründungstag der Deutschen Bank. Standort war damals nicht Frankfurt, sondern Berlin. Gründer waren Privatbankier Adelbert Delbrück und der Politiker Ludwig Bamberger. Erster Vorstandssprecher ist Georg von Siemens. Im Gründungsstatut wird die Bedeutung des Auslandsgeschäfts unterstrichen: „Der Zweck der Gesellschaft ist der Betrieb von Bankgeschäften aller Art, insbesondere Förderung und Erleichterung der Handelsbeziehungen zwischen Deutschland, den übrigen Europäischen Ländern und überseeischen Märkten.“ Eine klare Ausrichtung des jungen Instituts.

Hauptsitz in Berlin
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So sah die Zentrale der Deutschen Bank in Berlin aus, hier auf einer späteren Aufnahme aus dem Jahr 1929. Ab 1880 finanzierte die Bank zunehmend Industrieprojekte. Der Ausbau des Filialnetzes hatte zunächst keine Priorität, die meisten Geschäfte wurden aus Berlin abgewickelt.

Frankfurt kommt erst später
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Weiteres Standbein ist von Beginn an das Einlagengeschäft. Bis 1873 eröffnet die Bank Filialen in Bremen, Hamburg, Yokohama, Schanghai und London. London ist schon damals die wichtigste Auslandsniederlassung. Die Filiale in Frankfurt am Main, heute der Hauptsitz, öffnet erst 1886. Im Bild die Niederlassung an der Frankfurter Kirchnerstraße anno 1914.

Filiale in der Fuggerstadt
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Die Filialen prägten natürlich auch nicht überall das Stadtbild, so wie in Berlin und später in Frankfurt. Diese Aufnahme zeigt die Straßen von Augsburg zur Jahrhundertwende – also 1900.

Geschäftssitze im Wandel der Zeit
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Gegen Ende des ersten Weltkriegs entstand dieses Foto von kaiserlichen Militärs vor der Niederlassung in Bremen. An der Filiale in der Hansestadt lässt sich der Wandel im Stadt- und Bankenbild gut illustrieren.

Bremen 50 Jahre später
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Das historische Gebäude am Domshof blieb der Handelsstadt Bremen erhalten. Das Umfeld hat sich komplett verändert – das gilt auch für Geschäftsfelder. Auf Wandel musste das Institut in seiner Geschichte immer wieder reagieren.

Neuausrichtung nach dem Ersten Weltkrieg
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Mit Ende des Erste Weltkriegs war auch das Auslandsvermögen des Instituts verloren. Die schwierige Wirtschaftslage nebst Inflation in der Weimarer Republik macht es der Deutschen Bank nicht einfach. Im Bild ein Kassenschalter aus dem Jahr 1920.

Morton wollte die Meldung am Montag nicht kommentieren. Amy Chang, eine Sprecherin der Deutschen Bank in Hongkong, wollte nicht Stellung nehmen, ebenso wenig wie ein Vertreter von Zhong De Securities.

Die Deutsche Bank besitzt seit 2008 ein Drittel von Zhong De. Wie eine Reihe anderer ausländischer Banken hat sie Gemeinschaftsunternehmen mit kleineren chinesischen Geldhäusern gegründet. Die Joint Ventures tun sich in der Regel schwer, großen einheimischen Wertpapierhäusern wie Citic Securities Co. Marktanteile abzujagen.

Zhong De machte 2014 einen Verlust von 17 Mio. Yuan (knapp 2,5 Mio. Euro). Im Jahr zuvor fiel ein Verlust von 38 Mio. Yuan an, ergibt sich aus Unterlagen der Securities Association of China.

Die chinesische Wertpapieraufsicht erlaubt Brokern wie Zhong De eine Ausweitung ihres Geschäfts nur unter der Voraussetzung, dass sie bei Gewinn und Ertrag gewisse Mindestanforderungen erfüllen. Die Regelung gibt den ausländischen Partnern solcher Gemeinschaftsunternehmen einen Anreiz, der ortsansässigen Gesellschaft zu anhaltender Profitabilität zu verhelfen, wie ehemalige Manager solcher Firmen berichten.

Über die Entscheidung der Deutschen Bank, Morton zu beurlauben, wurde erstmals im Mai berichtet. Seinerzeit wurde die Entscheidung mit Verstößen gegen interne Verhaltensregeln begründet.

Der andere Co-Leiter der Unternehmensfinanzierung der Deutschen Bank in Asien, Venky Vishwanathan, ist ebenfalls beurlaubt, allerdings aus anderen Gründen, sagten informierte Kreise im Mai.

  • Bloomberg
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