Talanx
HDI-Mutter enttäuscht die Börse

Die Talanx verbucht im dritten Quartal höhere Gewinne als im vergangenen Jahr. Doch hohe Umbaukosten und die Explosion in Tianjin drücken auf das Ergebnis des norddeutschen Versicherungskonzerns. Die Aktie sackt ab.

HannoverDeutschlands drittgrößter Versicherungskonzern Talanx baut um – und das kostet. Im nächsten Jahr dürfte die Sanierung des Deutschland-Geschäfts in der Firmen- und Privatversicherung und der Umbau der IT 70 Millionen Euro verschlingen, kündigte das Unternehmen am Donnerstag bei Präsentation der Quartalszahlen an.

Zwar verdiente das Unternehmen von Juli bis September unter dem Strich 177 Millionen Euro und damit 19 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Die Mitarbeiter müssen sich dennoch auf harte Zeiten einstellen: Die Automatisierung und Digitalisierung führe dazu, „dass weniger Hände gebraucht werden“, sagte Firmenchef Herbert Haas. Die Zahl der Mitarbeiter werde in den kommenden Jahren bis 2020 „sicherlich“ nicht steigen, vielmehr sei mit einem „Abrieb“ zu rechnen. Wie viele Stellen wegfallen, sei noch nicht klar. „Wir werden aber versuchen, betriebsbedingte Kündigungen auszuschließen, und wir sind sehr zuversichtlich, dass wir auf derart harte Maßnahmen verzichten können.“

Der Gewinn in diesem Jahr soll 600 bis 650 Millionen Euro betragen. 2016 soll er „mehr als 700 Millionen Euro“ betragen. Damit bekräftigte Haas frühere Prognosen. Das obere Ende der Spanne sei jedoch „durchaus anspruchsvoll“, erklärte der Firmenchef. Nicht zuletzt, weil die Explosion in der chinesischen Hafenstadt Tianjin im August den Versicherer 114 Millionen Euro kostet – der größte Schadensfall für das norddeutsche Unternehmen mit Marken wie HDI oder Targo.

Mitte August war in Tianjin ein Chemielager im Hafen der Stadt explodiert. Mindestens 165 Menschen kamen dabei ums Leben. Für die Kosten muss mehr oder weniger die gesamte Branche aufkommen. Experten rechnen mit direkten Schäden von knapp 1,7 bis 3,0 Milliarden Dollar. Dazu könnten noch weitere Kosten kommen, etwa für die Entsorgung verseuchter Böden sowie für Betriebsunterbrechungen.

In den ersten neun Monaten ging der Gewinn bei Talanx auf 488 Millionen Euro zurück. Ein Jahr zuvor waren es noch 530 Millionen. Die aktuellen Zahlen zum dritten Quartal lagen damit leicht unter den Erwartungen der Analysten. Und offenbar auch unter denen der Börsianer: Mit einem Minus von bis zu vier Prozent auf zuletzt 27,81 Euro gehörte die Aktie am Vormittag zu den schwächsten Werten im MDax.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
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