Talanx

HDI-Mutter enttäuscht die Börse

Die Talanx verbucht im dritten Quartal höhere Gewinne als im vergangenen Jahr. Doch hohe Umbaukosten und die Explosion in Tianjin drücken auf das Ergebnis des norddeutschen Versicherungskonzerns. Die Aktie sackt ab.
Update: 12.11.2015 - 10:43 Uhr
Der Versicherungskonzern erholt sich nach seiner Gewinnwarnung. Quelle: dpa
Talanx

Der Versicherungskonzern erholt sich nach seiner Gewinnwarnung.

(Foto: dpa)

HannoverDeutschlands drittgrößter Versicherungskonzern Talanx baut um – und das kostet. Im nächsten Jahr dürfte die Sanierung des Deutschland-Geschäfts in der Firmen- und Privatversicherung und der Umbau der IT 70 Millionen Euro verschlingen, kündigte das Unternehmen am Donnerstag bei Präsentation der Quartalszahlen an.

Zwar verdiente das Unternehmen von Juli bis September unter dem Strich 177 Millionen Euro und damit 19 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Die Mitarbeiter müssen sich dennoch auf harte Zeiten einstellen: Die Automatisierung und Digitalisierung führe dazu, „dass weniger Hände gebraucht werden“, sagte Firmenchef Herbert Haas. Die Zahl der Mitarbeiter werde in den kommenden Jahren bis 2020 „sicherlich“ nicht steigen, vielmehr sei mit einem „Abrieb“ zu rechnen. Wie viele Stellen wegfallen, sei noch nicht klar. „Wir werden aber versuchen, betriebsbedingte Kündigungen auszuschließen, und wir sind sehr zuversichtlich, dass wir auf derart harte Maßnahmen verzichten können.“

So heftig belastet die Tianjin-Explosion Versicherungen
Riesiger Krater, zerstörte Gebäude, Container und Häuser
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Im August 2015 hatten zwei riesige Explosionen ein Industriegebiet im Hafen der chinesischen Stadt Tianjin verwüstet. Offiziellen Angaben zufolge 173 Menschen ums Leben.
Für Versicherungen in aller Welt hat das große Auswirkungen, wie bei der Vorlage der Quartalszahlen für das dritte Quartal 2015 klar wird.

Unglaubliche Druckwelle
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Den Gesamtschaden für die Versicherungsbranche hatte der Rückversicherer Munich Re auf bis zu drei Milliarden Euro geschätzt. Auch der globale Marktführer aus München musst selbst tief in die Tasche greifen.

Aufräumarbeiten im September
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Für Munich Re selbst war die Explosion der größte Einzelschaden im dritten Quartal. Kostenpunkt: 175 Millionen Euro.

Chemikalien am Unglücksort
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Die Explosion hatte in einem Lagerhaus für Chemikalien den Ausgang genommen, was die Aufräumarbeiten erschwerte.

Auch für die Hannover Rück ist der Fall der größte Einzelschaden im betroffenen Quartal. Das Unternehmen hat dafür bislang 96 Millionen Euro zurückgestellt.

Prosecutors target 11 Tianjin officials for fatal blasts
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Einer Logistikfirma wurde von chinesischen Behörden vorgeworfen, verbotenerweise große Mengen an Chemikalien gelagert zu haben.

Die Schadenzahlungen für die Tianjin-Katastrophe veranschlagt der Rückversicherer Swiss Re für das eigenen Unternehmen auf umgerechnet 220 Millionen Euro.

Tausende zerstörte Fahrzeuge
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Unter anderem brannten viele Volkswagen-Neufahrzeuge nach der Explosion aus: ein teures – und versichertes – Gut.

Für den Schweizer Versicherungskonzern Zurich hat die Katastrophe Kosten in Höhe von 245 Millionen Euro.

Ausgebrannte VW Beetle
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Der Verband der Schifffahrtsversicherer, IUMI, schätzt die in Tianjin allein an Fahrzeugen entstanden Schäden, auf mehr als 250 Millionen Euro.

Der Gewinn in diesem Jahr soll 600 bis 650 Millionen Euro betragen. 2016 soll er „mehr als 700 Millionen Euro“ betragen. Damit bekräftigte Haas frühere Prognosen. Das obere Ende der Spanne sei jedoch „durchaus anspruchsvoll“, erklärte der Firmenchef. Nicht zuletzt, weil die Explosion in der chinesischen Hafenstadt Tianjin im August den Versicherer 114 Millionen Euro kostet – der größte Schadensfall für das norddeutsche Unternehmen mit Marken wie HDI oder Targo.

Mitte August war in Tianjin ein Chemielager im Hafen der Stadt explodiert. Mindestens 165 Menschen kamen dabei ums Leben. Für die Kosten muss mehr oder weniger die gesamte Branche aufkommen. Experten rechnen mit direkten Schäden von knapp 1,7 bis 3,0 Milliarden Dollar. Dazu könnten noch weitere Kosten kommen, etwa für die Entsorgung verseuchter Böden sowie für Betriebsunterbrechungen.

In den ersten neun Monaten ging der Gewinn bei Talanx auf 488 Millionen Euro zurück. Ein Jahr zuvor waren es noch 530 Millionen. Die aktuellen Zahlen zum dritten Quartal lagen damit leicht unter den Erwartungen der Analysten. Und offenbar auch unter denen der Börsianer: Mit einem Minus von bis zu vier Prozent auf zuletzt 27,81 Euro gehörte die Aktie am Vormittag zu den schwächsten Werten im MDax.

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