Tarifkonflikt
Deutsche Bank hat Ärger mit der Fed

Wenn Finanzregulierung politisch wird: In einen Tarifkonflikt mit der Deutschen Bank haben US-Gewerkschaften die Fed eingeschaltet – mit Verweis auf ein neues Gesetz der Zentralbank.
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Auf dem Höhepunkt der Krise von 2008 übernahm die Deutsche Bank AG per Zwangsvollstreckung einen halbfertigen Hotelkomplex in Las Vegas. Die Bank investierte vier Milliarden Dollar in die Anlage mit Spielkasino, privaten Terrassen, erstklassigen Restaurants und einem mehrstöckigen Nachtclub. Die Absicht war, dort eine besondere Attraktion zu schaffen.

Womit die Bank bei der Eröffnung des „Cosmopolitan of Las Vegas“ allerdings nicht gerechnet hatte: einem Tarifkonflikt im Bundesstaat Nevada. Der Streit zog seine Kreise bis zur US-Zentralbank Federal Reserve (Fed) in Washington – und sorgt für eisige Stimmung zwischen der Deutschen Bank und der Staatsbank.

Die hartnäckige Gewerkschaft, die die in der Gastronomie beschäftigte Mitarbeiter vertritt, beließ es nicht bei den üblichen Arbeitskampfmaßnahmen wie Streikposten, Sitzstreiks oder Verkehrsblockaden. Die Culinary Workers Union Local 226 drängten die US-Notenbank zu einer verschärften Regulierung der Deutschen Bank.

Zwar schenken die Zimmermädchen, Tellerwäscher, Köche und Cocktail-Kellner des „Cosmo“ der Regulierung von Banken wohl keine große Beachtung. Doch ihre Gewerkschaftsvertreter haben sich in das Dodd-Frank-Gesetz von 2010 vertieft, um die Bank im Arbeitskampf an den Verhandlungstisch zu zwingen.

„In den letzten Jahren haben wir in Las Vegas die Erfahrung gemacht, dass Finanzinstitute, die für eine Weile ein Kasino betreiben, einfach nicht verstehen, wie die Arbeitsverhältnisse in der Stadt funktionieren“, sagt Marty Leary von Unite Here, der Dachgewerkschaft für die örtliche Interessensvertretung der Gastronomie-Mitarbeiter in Las Vegas. „Wir stellen häufig fest, dass wir sie aufklären müssen.“

Unite Here richtete auch eine Website ein, auf der unter anderem Mitarbeiter der größten deutschen Bank ermutigt werden, angebliche Verfehlungen bei ihrem Arbeitgeber der US-Aufsicht zu melden. Die Seite namens „Deutsche Bank Risk Alert“ verweist ausdrücklich auf eine Regelung im Dodd-Frank-Gesetz, wonach erfolgreiche Hinweise auf Fehlverhalten finanziell belohnt werden können.

Der Tarifkonflikt ist nur ein Beispiel für eine verschärfte Herangehensweise der Gewerkschaften: Die organisierten Arbeitnehmer in den USA gehen bei Tarifverhandlungen immer aggressiver gegen die Unternehmenseigner vor. Der Fokus der Gastronomie-Mitarbeiter auf Dodd-Frank verdeutlicht, dass die Banken neue Angriffsflächen bieten, wie einige ehemalige Aufseher und Regierungsvertreter sagten.

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