Teilverkauf der VTB-Bank: Neue Milliarden für Moskau

Teilverkauf der VTB-Bank
Neue Milliarden für Moskau

Russlands zweitgrößte Bank VTB hat internationalen Investoren für 3,3 Milliarden Dollar ein Zehn-Prozent-Paket verkauft. Für diese Platzierung bekam Boss Andrej Kostin sogar einen Schulterklopfer von Wladimir Putin.
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MoskauWenn Russlands hemdsärmeliger Regierungschef Wladimir Putin einen Topmanager in sein Wochenendhaus am Rande von Moskau zitiert, droht meist Ungemach. Der Premier staucht Konzernlenker gern vor laufenden Kameras zusammen, diktiert die Preispolitik, fordert aktivere Kreditvergabe. Gestern musste Andrej Kostin antreten, Chef von Russlands zweitgrößter Bank VTB. Ihm klopfte Putin aber demonstrativ auf die Schulter - denn Kostin hat internationalen Investoren für 3,3 Milliarden Dollar ein Zehn-Prozent-Paket an seiner Bank verkauft.

Die Platzierung der VTB-Aktien gilt als Startschuss für die größte Privatisierungswelle seit den 90er-Jahren. Mindestens 23 Milliarden Euro will die russische Regierung mit dem Verkauf von Staatsanteilen an russischen Konzernen einnehmen. Das hilft dem Finanzminister Alexej Kurdin, die klaffenden Haushaltslöcher zu stopfen. Und nebenbei suggeriert die sonst staatskapitalistischer Logik folgende Regierung neue Offenheit für ausländische Investoren. Der Verkauf des VTB-Pakets war bereits die zweite Teilprivatisierung der ehemaligen sowjetischen Außenhandelsbank; bereits im Jahr 2007 hatte die Regierung einen 15-prozentigen Anteil an die Börse gebracht. Für Ministerpräsident Wladimir Putin zeugt das Interesse der Investoren vom "Vertrauen in unser Finanzsystem und in unsere Wirtschaftspolitik".

Diese Sicht muss man nicht teilen. Zwar war das Orderbuch in der Tat um mehr als das Zweifache überzeichnet. Die Deutsche Bank, einer der Konsortialführer bei der Vorbereitung des Verkaufs, führte in der vorigen Woche viele Hundert Gespräche mit potenziellen Investoren. Doch der Verkaufspreis von 9,1468 Kopeken respektive 6,25 Dollar pro Anteil (GDR, Global Depositary Receipt) lag rund ein Drittel unter dem Ausgabekurs der Aktie im Mai 2007 - und damit unter den Erwartungen.

 Im Vorfeld des Börsengangs hatten viele institutionelle Investoren Aktien verkauft, was den Kurs der bereits handelbaren Papiere seit Jahresbeginn um mehr als zehn Prozent gedrückt hatte. Schon vor einigen Wochen hatte Finanzminister Alexej Kudrin angekündigt, wegen des schwierigen Marktumfelds den für dieses Jahr geplanten Verkauf eines weiteren Zehn-Prozent-Pakets auf 2012 zu verschieben. Parallel waren Börsengänge von drei kleineren russischen Unternehmen geplatzt. Bei der Platzierung des VTB-Pakets hat die russische Regierung derweil Wert auf Transparenz gelegt: Wie der Kreml am Wochenende durchsickern ließ, seien Order der staatlichen Bank VEB nicht berücksichtigt worden. Man habe, so eine Quelle der Wirtschaftszeitung "Kommersant", gezielt private Investoren aus dem Ausland bevorzugt. Zum Zuge kam der italienische Versicherungsriese Generali, der dem Vernehmen nach ein Prozent der VTB-Aktien zum Preis von 300 Millionen Dollar erwarb.

Im Vorfeld waren Verhandlungen mit strategischen Investoren gescheitert - darunter das amerikanische Beteiligungsunternehmen TPG Capital. In Branchenkreisen heißt es, die Texaner hätten einen Abschlag von 30 Prozent gefordert.

Für die Investoren bleiben Risiken, denn auch nach zwei Emissionen wird die russische Regierung mit ihrem 75-Prozent-Anteil bei der VTB weiterhin das Sagen haben - wie bei vielen anderen Kandidaten auf Kudrins Privatisierungsliste auch. Dies erschwert die Platzierung kleinerer Minderheitsanteile.

Dabei gilt die VTB noch als besseres Asset: Bankchef Andrej Kostin, bereits seit 1996 auf diesem Posten, hat die Bank zur Ertragsperle gemacht: Zur VTB-Gruppe gehört die größte Investmentbank Russlands, obwohl diese Sparte erst 2007 aufgebaut wurde. Im Retailgeschäft wächst die Bank durch aggressive Zukäufe und pirscht sich gemessen an Einlagen langsam an Platzhirsch Sberbank heran.

Trotzdem steht fest: Staatskonzerne wie die VTB-Gruppe sind den Launen des Premierministers Wladimir Putin ausgesetzt. Dies zeigte sich während der Finanzkrise, als er die beiden Chefs der Branchenführer Sberbank und VTB zum Rapport bestellte und dazu verdonnerte, kleinere und mittelgroße Banken mit Krediten auszustatten. Die Meinung der Minderheitsaktionäre war damals wie heute nicht gefragt.

Florian Willershausen
Florian Willershausen
Handelsblatt / Korrespondent

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