Test für Bankenreform
Paradebeispiel: Island

Noch vor vier Jahren lag das Bankensystem der Insel am Boden. Doch mit Reformen im Bankensektor leitete die Regierung die Genesung ein. Die isländische Politik gilt jetzt als Vorreiter für ganz Europa.
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Reykjavik Das Bankensystem in Island lag vor etwa vier Jahren vollständig am Boden. Das Land am äußersten Nordwestrand Europas hat aber offenbar aus der Krise die richtigen Konsequenzen gezogen, seinen Bankensektor entschlossen reformiert und befindet sich derzeit auf einem Weg der Erholung. Die eingeleiteten Reformen, einschließlich der Trennung in Geschäfts- und Investmentbanken, sollen eine neue Krise gleichen Ausmaßes verhindern und werden von der isländischen Politik als gutes Beispiel für ganz Europa empfohlen.

“Wir haben uns die Finger verbrannt und nun wollen wir sehr genau sein und eine Wiederholung verhindern”, sagt Wirtschaftsminister Steingrimur J. Sigfusson in einem Gespräch mit Bloomberg News zu den Maßnahmen für eine Bankenreform. “Die Isländer”, sagt er überdies, “sind eher an entschiedenen Schritten als an kleineren Schritten interessiert, wenn es um die Regulierung von Banken geht”.

Sigfusson stammt aus der kleineren der beiden Regierungsparteien der Koalition von Ministerpräsidentin Johanna Sigurdardottir. Diese Partei hatte unlängst einen Gesetzentwurf eingebracht, nach denen staatlich garantierte Einlagen nicht für Risikoinvestments verwendet werden dürfen. Island ebnet mit solchen Maßnahmen den Weg zur ersten vollständigen Trennung von Geschäfts- und Investmentbanken in einem westlichen Land seit dem Ende der globalen Finanzkrise vor fünf Jahren.

Aber die Idee macht Schule. Selbst Sanford “Sandy” Weill, der mit der Gründung des Bankenkonzerns Citigroup Inc. im Jahre 1998 mit dem Gramm-Leach-Bliley Act die Grundlage für Riesenkonzerne im Finanzsektor schaffte, befürwortet nach eigenen Angaben mittlerweile eine Trennung der Investmentbanken von jenen, die das klassische Einlagen- und Kreditgeschäft betreiben. Unter den Gegnern des Konzepts finden sich prominente Branchenvertreter wie Jamie Dimon von JPMorgan Chase & Co. Hier wird vor allem argumentiert, dass die Risiken bei Banken mit beiden Aufgaben besser gestreut würden, was die Wettbewerbsfähigkeit sicherstelle.

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  • Sehr geehrter Herr Oliver Stock,

    Die Trennung von Bankensektoren ist eine längst bekannte Tatsache und keine isländische Erfindung.
    Isländische Banken sollten niemals Vorbild für andere Banken werden. Im Jahr der weltweiten Bankenkrise haben sich die die isländischen Banken unrechtmäßig an Kunden- und Gläubiger-Geldern bereichert in dem Sie die Guthabenbeträge einfach einkassiert haben. Beispielsweise wurden die Guthaben der Kunden und Gläubiger bei der alten Landsbanki auf die neue Landsbanki transferiert und so die Guthaben der Gläubiger und Kunden ergaunert. Nur so konnten sich die isländischen Banken wieder erholen. England und Dänemark haben das verbrecherische System der Isländer erkannt und mussten sogar die Kundeneinlagen (abgesichert durch die Einlagensicherung) einklagen um das Geld ihrer Bevölkerung wieder zu erhalten. Nur so haben Engländer und Dänen ihre Bevölkerung vor dem verbrecherischen System der Isländer bewahrt.
    Wenn alle Banken der Welt das verbrecherische System der Isländer übernehmen würden, wären Bankenpleiten ausgeschlossen. Die neue Lehmann Brothers wäre mit den Kunden- und Gläubigergeldern der alten Lehmann Brothers sofort wieder zahlungsfähig gewesen und auch die Citigroup hätte mit der verbrecherischen Methode der Isländer nicht den Umweg über die FED und Umschuldungen der Gläubigergeldern nehmen müssen.
    Für mich sind die Isländer Verbrecher. Selbst Argentinien zahlt seine Schulden zurück. Auch der Prozess gegen den Isländischen Präsidenten war für mich nur ein Scheinprozess um die Welt zu verdummen und die Wogen zu glätten. Wenn Sie die Isländer als Vorbild darstellen, dann sind alle Verbrecher dieser Welt unsere Vorbilder.

  • @Harry: ich frage mich, wie eine Bank Kundengelder 'ergaunern' kann. Wer nicht mehr Kunde sein möchte, kann ja kündigen und zu einer anderen, vielleicth sichereren Bank ziehen. Oder regen Sie sich so auf, weil Sie wie viele Kunden leider auf Ihr Geld warten mussten, dass Sie auf Grund der hohen Zinsen für Einlagen bei isländischen Banken dort geparkt hatten? Dann müssen Sie sich auch das vorwerfen lassen, was Sie dem HB-Redakteur ungerechtfertigterwesie vorwerfen. Wir lernen: hoher Zins = Risikoprämie... Übrigens ist ein Trennbankensystem nicht die dümmste Lösung...

  • Ihren Artikel: Paradebeispiel Island ist völlig unsinnig. Wer solche Meinung vertritt und auch noch im Handelsblatt veröffentlicht, hat das Paradebeispiel der Isländer nicht verstanden. Tatsache ist doch, dass selbst die Isländer wegen dem Bankenzusammenbruch einen Scheinprozess gegen ihren Präsidenten mit Unterstützung ihrer Primierministerin geführt haben. Tatsache ist doch auch, dass die Landesbank nach ihrem Zusammenbruch die Kundengelder ergaunert hat um die neue Landesbank aufbauen zu können. Dänemark und England mussten sogar Prozesse gegen Island führen um wenigstens die Einlagensicherung ihrer Bevölkerung zu sicherzustellen. Isländische Banken konnten doch nur durch das ergaunerte Geld ihrer Kunden stabilisiert werden. Wie man da von Paradebeispiel sprechen kann ist mir schleierhaft. Dazu gehört wohl eine Portion Dummheit und Unwissenheit. Vielleicht sollte sich das Handelsblatt nach intelligenteren Mitarbeitern umsehen und so das Problem lösen.

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