Testamente
Wie sich die Banken zerlegen wollen

Heute werden die „Living Wills“ von neun internationalen Banken in den USA veröffentlicht. Die Testamente sollen ein Zerlegen der Institute im Krisenfall vorempfinden. Auch die Deutsche Bank legt eins vor.
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New York/Frankfurt„Nie wieder“, lautet das Bekenntnis von Politikern und Aufsehern nach der Finanzkrise von 2008/2009. Nie wieder soll eine Bank so wichtig für eine Volkswirtschaft sein, dass man sie im Krisenfall nicht bankrottgehen lassen kann und stattdessen mit Steuermitteln retten muss.

Ein weltweit angedachtes Mittel gegen dieses Dilemma, im Fachjargon das "Too Big To Fail"-Problem genannt, wird heute in den USA erstmals vorgestellt. Neun internationale Großbanken, darunter die Deutsche Bank, werden heute nach Börsenschluss in den USA ihre Testamente - im Bankerjargon "Living Wills" vorlegen. Darin müssen sie den Aufsichtsbehörden minutiös vorzeichnen, wie sie sich im Falle einer Krise selbst zerlegen wollen.

Das Grundproblem bleibt: Viele Banken sind zu komplex. Doch noch bevor die Pläne auf dem Tisch liegen, hagelt es Kritik von allen Seiten. Ausgerechnet Thomas Hoenig, Vize-Chef der US-Aufsichtsbehörde FDIC hält die ganze Übung für nur begrenzt tauglich, das angestrebte Ziel zu erreichen. "Ich will, dass das alles zu einem guten Ergebnis führt. Aber es wird kein Allheilmittel sein", sagte er kürzlich in einem Zeitungsinterview.

Die Testamente zwängen das Management der Banken, ihre Institute besser zu verstehen, so Hoenig. Aber die größten Banken blieben schlicht zu komplex, zu groß und mit zu viel Einfluss auf die Konjunktur. Indirekt stützt Hoenig damit Forderungen, die Banken doch noch zu zerlegen. Eine Lösung des Problems, vor dem Politiker und Aufseher weltweit bislang zurückgeschreckt sind.

Die internationale Aufseher- und Investorengemeinde wird heute Abend eine Zusammenfassung der Testamente der Deutschen Bank, von Credit Suisse, Barclays, UBS, Bank of America, JP Morgan, Citigroup, Goldman Sachs und Morgan Stanley zu sehen bekommen. Die vollständigen Dokumente, die auch vertrauliche Informationen enthalten, bleiben bei der US-Notenbank Fed. Bis 2013 müssen insgesamt 125 Institute, die von den Aufsehern in den USA reguliert werden, solche Testamente dann vorlegen.

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Testamente destabilisieren den Bankensektor

Kommentare zu " Testamente: Wie sich die Banken zerlegen wollen"

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  • Nach ihrem Testament will sich die Deutsche Bank bei Schwierigkeiten wie folgt verhalten: den Giftmüll den Steuerzahlern vor die Füße werfen.

    Steht so drin, im allerletzten Absatz (nach vielen Seiten Selbstbeweihräuherung): ausgliedern der nicht rettbaren Teile in die FMS Wertmanagement, die Bad Bank des Bundes.

  • herr fahrenheit, ja, so ist es. aber is ja scho mal besser als nix.

  • Nur Nebelkerzen für Mainstreet! Wall Street will die Wiedereinführung von Glass Steagall Act verhindern (Trennbankensystem). Immer wieder geben die Täter die Lösung vor und die Politik folgt!

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