„The Deutsche“
Was will Anshu Jain?

Das neue Führungsduo der Deutschen Bank, Jain und Fitschen, bietet allerhand Widersprüche. Wohin steuert das Geldinstitut? Der Autor des Buches „The Deutsche“ geht dieser Frage nach. Eine Antwort liefert er nicht.
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DüsseldorfEs ist nicht einfach, diese neue Deutsche Bank zu verstehen. Da sitzen zwei angeblich gleichberechtigte Co-Chefs, Anshu Jain und Jürgen Fitschen, und sollen die nicht durchweg zukunftsfeste Hinterlassenschaft ihres Vorgängers Josef Ackermann aufarbeiten. Sie tun dies, indem sie einerseits von Kulturwandel sprechen, dann aber wieder Renditeziele wie zu besten Zeiten verkünden. Indem sie einerseits versprechen, mit dem Gestern zu brechen, dann aber wieder erklären, an Bewährtem festzuhalten. Indem sie einerseits die Schuld der Finanzindustrie an der Finanzkrise einräumen, dann aber wieder behaupten, allein sei man ja nicht schuld gewesen. Kurz: Das neue Duo bietet einige Widersprüche.

An diesen reibt sich auch ein Buch von Georg Meck, Wirtschaftsredakteur der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“. Oder besser: An diesen Widersprüchen zerreibt sich dieses Buch. „The Deutsche - Investmentbanker an der Macht: Wohin geht die Deutsche Bank?“ lautet der Titel des 200-Seiten-Werks. Das Problem: Am Ende der 200 Seiten gibt es keine Antwort auf diese Frage, die derzeit die gesamte internationale Finanzszene umtreibt. Vielmehr verliert sich das Buch in den ganzen Widersprüchen, für die es tatsächlich zum jetzigen Zeitpunkt ja auch keine Lösung gibt.

Meck ist ein genauer Beobachter der Bankenszene. Er hat das neue Führungsduo begleitet, seitdem es auf dem Weltwirtschaftsgipfel Anfang dieses Jahres in Davos erstmals einer breiteren Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Minutiös zeichnet er nach, wie sich Jain und Fitschen seitdem zunächst gegen ihren Vorgänger Ackermann - der beide als Nachfolger für ungeeignet hält - durchsetzen mussten und nach Amtsantritt am 1. Juni versuchten, Deutschlands einzige Bank von Weltrang neu auszurichten.

Meck erwähnt die Biografien Jains und Fitschens genauso detailliert, wie er die Ängste in der deutschen Öffentlichkeit und Politik aufarbeitet, vor allem der Investmentbanker Jain würde aus der Deutschen Bank eine Investmentbank formen.

Das liest sich alles gut und fasst die Ausgangslage zusammen, die Jain und Fitschen bei Amtsantritt vorfanden. Das Problem des Buchs nennt Meck gleich zu Beginn selbst: Die Bank hat dieses Buch nicht gewollt. Und so gibt es auch keine Insidereinblicke.

Genau die aber hätten dem Buch genutzt. Wie sieht Fitschen seine Rolle neben Jain? Ist der Kulturwandel ernst gemeint? Welche Zukunft hat das Investment-Banking? Antworten auf diese Fragen hätten das Buch spannend gemacht. Da dem Autor aber - wie allen anderen Beobachtern - nur die Chance zur Analyse von außen blieb, gibt es diese Antworten nicht.

So aber kommt das Buch zum ungünstigsten Zeitpunkt: Alles, was sich von außen beschreiben lässt, wurde bereits geschrieben. Und für eine Analyse, wie weit das Duo seine Ziele ernst meint, ist es zu früh. Jain und Fitschen haben bisher keine Zeit gehabt, etwas anzustoßen, über dessen Erfolg man urteilen könnte.

Sven Prange
Sven Prange
Handelsblatt / Ressortleiter Report und Namen

Kommentare zu " „The Deutsche“: Was will Anshu Jain?"

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  • @FlashGordon,
    wenn Sie nur nicht immer so dick auftragen würden in Bezug auf den Inder wären Sie mir sympatischer.
    Der Kerl hat sich bisher nur selbst die Taschen gefüllt aber für die Deutsche Bank noch absolut nichts geleistet. Als langjähriger Aktionär der Deutschen Bank weiß ich wovon ich rede.

  • Klar, schön das es London für diesen Gentleman gibt. Dort kann er mit den Sicherheit der DB jetzt so richtig schön zocken gehen und natürlich immer übersehen was 1-2 Etagen "unter" ihm geschieht. Falls was schiefläuft hat er ja immer noch Merkeline.

  • +++ Beitrag von der Redaktion entfernt +++ Bitte bleiben Sie sachlich.

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