„Too small to live"
Kleinbanken in den USA geben auf

Die harte Regulierung nach der Finanzkrise sollte die Wall Street treffen. Doch sie rafft vor allem die kleinen Institute dahin. Viele können sich die teuren Aufsichtsprozesse nicht leisten.
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In den USA zeichnet sich ein neues Bankensterben ab. Die Neuregulierung der Finanzszene nach der Pleite der Investmentbank Lehman Brothers 2008 sollte das Phänomen des „Too big to fail" beenden. Stattdessen hat es ein Neues geschaffen: „Too small to live". Die Großbanken sollten durch höhere Auflagen so zur Verkleinerung gezwungen werden, dass sie bei einem Zusammenbrechen nicht mehr vom Staat gerettet werden müssen.

Doch während diese immer größere Marktanteile im Privatkundengeschäft zusammenraffen, sind die Institute am unteren Ende der Größenskala offensichtlich zu klein, um angesichts der neuen Belastungen zu überleben. Immer mehr Regional- und Lokalinstitute geben derzeit auf, weil die Kosten und der Aufwand der Regulierung für sie zu hoch werden. „Die kleinsten Banken merken, dass die Sache gegen sie läuft, weil es ihnen schwergemacht wird, noch vernünftige Renditen zu erwirtschaften", schrieb Mitchell Sacks, Fondsmanager bei Grand Slam Asset Management zuletzt in einem Brief an seine Kunden. Er glaubt an eine Welle neuer Fusionen und deckt sich derzeit mit Aktien kleiner Banken ein.

In diesem Jahr gab es bereits 90 Fusionen. 2012 könnte das Jahr mit den meisten Bankenzusammenschlüssen seit 2007 werden. Und die Zahl könnte nun schneller steigen als bislang erwartet. Denn vor wenigen Tagen erreichte die Lokal- und Regionalinstitute eine neue Hiobsbotschaft. Die US-Notenbank Fed entschied, dass auch sie die Kapitalanforderungen nach Basel III erfüllen müssen. Die erhoffte Ausnahmeregelung ist damit faktisch vom Tisch. Die Bankenverbände können zwar noch Einspruch einlegen, aber die Fed kann autonom entscheiden, ob sie darauf reagiert oder nicht.

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Kommentare zu " „Too small to live": Kleinbanken in den USA geben auf"

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  • Das war absehbar. Nachdem die grossen Banken gerettet werden "durften" - die kleinen hingegen nicht - sind diese Geldkraken noch grösser geworden. Die Kleinen werden jetzt an die Wand gefahren. Man rate mal, was da genau gelaufen ist. Eine riesen Schweinerei. Anders kann man das leider nicht sagen. Aber Geithner und Co. seis gedankt.

  • "BASEL-Regelungen überhaupt etwas gebracht haben" - Basel II im Zusammenspiel mit dem Platzen der Internetblase haufenweise Insolvenzen. Ich kann mich noch gut erinnern wie mir damals mein Bankberater in 2000 gesagt hatte, welche Sicherheiten können Sie noch bringen, wohlgemerkt, mein Start-Up Unternehmen hatte gerade mal 1 Jahr den KfW Kredit laufen und der war zu diesem Zeitpunkt nur zu 50% abgerufen. Von mir aus können alle diese Banken einfach abkacken, ich halte sie nicht im geringsten für systemrelevant. Der Bund kann jederzeit selbst seine Kredite vergeben. Unnütze Beamte, die noch unnützere Schnorrer-Regeln umsetzen, gibt es zu Hauf. Auch Bankster sind genug auf der Straße zu finden. Sollte also ein leichtes sein...

  • Lobbying bezeichnet man derartiges. Eine recht einfache Art Mitwettbewerber aus dem Weg zu räumen.

    In Deutschland ist es nicht anders.

    Bisher ist jedweder Nachweis verborgen geblieben, dass die teuren BASEL-Regelungen überhaupt etwas gebracht haben. Und geht's daneben, wird die Bank geschlossen. Es sei denn, es handelt sich um eine systemrelevante Bank, also um eine Großbank. Die erhält dann Staatshilfen. Praktisches Beispiel ist bei uns die Commerzbank.

    Ist die Bank im Ausland domiziliert, z.B. in Spanien, hilft Deutschland über den Rettungsfonds.

    Wie korrupt sind eigentlich unsere Politiker?

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