"Trauriges Beispiel für Missmanagement": HVB bleibt schwarzes Schaf unter Großbanken

"Trauriges Beispiel für Missmanagement"
HVB bleibt schwarzes Schaf unter Großbanken

Die Hypo-Vereinsbank bleibt erst einmal das schwarze Schaf unter den deutschen Großbanken. Während Konkurrenten wie die Commerzbank mittlerweile ihre Probleme im Griff haben und die Deutsche Bank mit Milliardengewinnen glänzt, wartet die HVB weiterhin mit schlechten Nachrichten auf.

HB MÜNCHEN. „Die Hypo-Vereinsbank ist ein trauriges Beispiel für Missmanagement“, sagte Wolfgang Gerke, Professor für für Bank- und Börsenwesen an der Universität Erlangen-Nürnberg, am Donnerstag der dpa in München. Zwar sei die aktuelle Führungsspitze nur für einen kleinen Teil der Probleme verantwortlich. Allerdings sei auch die Zukunftsstrategie noch nicht klar erkenntlich.

HVB-Chef Dieter Rampl ist derzeit immer wiederkehrende Mühsal gewohnt. Jeden Tag müsse er im verschneiten München den Schnee vor dem Haus wegschaufeln, klagte der 57-jährige Vorstandschef am Donnerstag. Schaue er am nächsten Tag aus dem Fenster, habe der Schneepflug die Einfahrt wieder aufs neue zugeschüttet. Eine ähnliche Sisyphus-Arbeit ist für Rampl die Sanierung der Hypo-Vereinsbank.

Denn In den vergangenen Jahren lief es immer wieder ähnlich bei dem Kreditinstitut: Kaum sah es so aus, als habe die Bank wieder Tritt gefasst, kamen schlechte Nachrichten daher. Dabei leidet die Bank vor allem unter Immobilienaltlasten aus der Vergangenheit. Diesmal musste Rampl einen Verlust von 2,3 Milliarden Euro und den Abbau von bis zu 2400 Stellen verkünden. „Es kommen immer wieder neue Hiobsbotschaften“, sagt Gerke.

Die schwierige Lage Rampls wird in der Bank allseits anerkannt. Zwar war er auch vor seiner Zeit als Chef schon als Vorstandsmitglied für die Strategie mitverantwortlich. „An der falschen Ausrichtung in den frühen 90er Jahren trägt er aber keine Schuld“, sagt Klaus Grünewald, der für die Gewerkschaft Verdi im HVB-Aufsichtsrat sitzt. „Rampl muss jetzt aufräumen.“

Der Vorstandssprecher hat nach eigener Einschätzung aber das schlimmste hinter sich. Mit den jüngsten Sonderwertberichtigungen sei „ein Schlussstrich unter das leidige Thema der Immobilienaltlasten in dieser Bank gezogen“ worden. Nach menschlichem Ermessen werde diesmal nichts mehr nachkommen und die Bank in diesem Jahr einen hohen Gewinn machen. Allerdings muss dazu auch das defizitäre Deutschlandgeschäft auf die Spur kommen. Konkurrenten wie die Citibank verdienten inzwischen gutes Geld, sagt Gerke. „Auch die Deutsche Bank ist im Inland wieder im richtigen Fahrwasser.“

Ob nun wirklich die ertragreichen Zeiten für die HVB anbrechen, ist in der Branche umstritten. „Bisher gibt es nur Ankündigungen“, sagt Gerke. Und Aufsichtsrat Grünewald sagt, auf die Frage, ob es das nun war mit schlechten Nachrichten: „Ich weiß es nicht.“ Viele glauben, dass die HVB nach der Bereinigung ihrer Altlasten irgendwann von einer ausländischen Bank übernommen wird, die in Deutschland Fuß fassen will. Gerke allerdings ist skeptisch: „Die Hypo-Vereinsbank ist billig, aber es will sie keiner haben.“

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