Trennbankensystem
Banken fürchten die Filetierung

Immer neue Bankskandale kochen hoch. Die Branche gerät weiter in Verruf. Eine Abhilfe sehen Experten in der Trennung von Investment-Banking und Privatkundengeschäft. Doch in den großen Häusern regt sich Widerstand.
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Frankfurt/DüsseldorfWenn normale Leser in der Zeitung Dinge erfahren, die ihnen nicht gefallen, schreiben sie oft einen Leserbrief. Paul Achleitner greift in diesem Fall lieber zum Telefon.

So wählte der Aufsichtsratschef der Deutschen Bank kürzlich die Nummer des Munich-Re-Chefs Nikolaus von Bomhard. Denn der Vorstandsvorsitzende der weltgrößten Rückversicherung hatte eine Zerschlagung der Großbanken gefordert, damit kein Institut im Pleitefall die ganze Wirtschaft mit in den Abgrund reißen könne. "Too big to fail darf es nicht mehr geben", sagte von Bomhard.

Achleitner war empört. Denn würde diese Erkenntnis umgesetzt, funktionierte das Geschäftsmodell der Deutschen Bank, das auf den Säulen Investment-Banking und Privatkundengeschäft beruht, nicht mehr. Die Universalbank müsste filetiert werden.

Von Bomhard ist zwar nicht für eine radikale Trennung, wie sie SPD-Chef Sigmar Gabriel in einem Gastbeitrag für das heutige Handelsblatt vorschlägt. Aber er möchte nur noch jene Teile des Investment-Bankings akzeptieren, die der Realwirtschaft nützen und die wie ein Börsengang oder eine Kapitalerhöhung große Firmen in ihren Aktivitäten unterstützen.

Alles andere - den Eigenhandel oder Derivategeschäfte im Volumen des Zehnfachen der Weltwirtschaftsleistung - möchte von Bomhard in eine Extraeinheit ausgegliedert sehen. Diese reine Investmentbank hätte keinen Zugriff mehr auf Spareinlagen und keinen Anspruch auf staatliche Hilfen.

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Kommentare zu " Trennbankensystem: Banken fürchten die Filetierung"

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  • Der Widerstand auf Seiten von Bankstern sollte niemanden interessieren. Zwingend notwendig ist eine Trennung von realwirtschaftlichen Geschäften und Spekulationsgeschäften. Es darf nicht sein, dass krumme Geschäfte, die den Großkapitalisten hörige Bankdirektoren zum Schaden der Banken und zum Vorteil des Großkapitals machen, die Sparguthaben von Kleinsparern, die mit Mikrozinsen abgespeist werden, und die Vergabe von Krediten an die Realwirtschaft gefährden.

    Das Las-Vegas Geschäft hat in einem ordentlichen Bankbetrieb nichts zu suchen, dafür kann das Großkapital ja eigene Casino-Betriebe einrichten, wenn es will.

    Auch muss es damit vorbei sein, dass Banken sich zu Holding-Monstern entwickeln.

    Dipl.-Kfm. Winfried Sobottka

    "Die Menschheit richte sich danach, was die gerechten und vernünftigen unter den Frauen am Ende des freien und für alle offenen Streites der Argumente wollen, im Kleinen, im Großen, in allem!"

    http://belljangler.wordpress.com/zeugungsverweigerung-als-mittel-des-widerstandes/

  • Wenn es in Europa nachgewiesenen Bedarf für ein Trennbankensystem gebe, werde "Deutschland sich nicht sperren", erklärte Finanzminister Wolfgang Schäuble.
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    WAS muß denn noch passieren, damit Herr Schäuble den "Bedarf" nach einem Trennbankensystem sieht?

    Es kann doch nicht sein, daß unsere Politiker sich derart von den Lobbyisten der Banken einseifen lassen, daß sie es nicht merken, wenn sie permanent über den Tisch gezogen werden.

    Prost Mitleid!

  • seit fast 20 Jahren kann man belegen, dass sich der Finanzsektor vom realwirtschaftlichen Sektor entkoppelt hat.
    Seit 2008 sieht man die Resultate sehr deutlich.
    Es ist "interessant" zu sehen wie lange die Politik mangelndes Verständnis kaschieren konnte. Durch ein paar sehr einfache aber wirkungsvolle Gesetze wäre es möglich gewesen diese Krise einzudämmen. Stattdessen wurde jedoch wertvolle Zeit verschwendet mit dem Resultat, dass Banken gerettet wurden und nun weiterhin "Monopoly" spielen dürfen

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