Trotz Eurokrise
Allianz verdient am Vermögen

Europas größter Versicherungskonzern liefert nach dem Gewinneinbruch im Vorjahr ein starkes Zahlenwerk für das zweite Quartal ab. Die Allianz schlägt sich überraschend gut – dank dem Geschäft mit der Vermögensverwaltung.
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MünchenVor ein paar Monaten war Michael Diekmann noch vorsichtig. „2012 könnte ebenso unberechenbar verlaufen wie das Vorjahr“, warnte der Allianz-Chef im Februar. Mit der weiteren Zuspitzung der Euro-Schuldenkrise hat Diekmann damit Recht behalten. Trotzdem sorgt er jetzt für eine Überraschung: Die Allianz hat sich im zweiten Quartal unerwartet gut geschlagen.

Der operative Gewinn stieg um knapp drei Prozent auf 2,36 Milliarden Euro, unter dem Strich blieben 1,32 (Vorjahr 1,07) Milliarden hängen, wie der nach Börsenwert größte Versicherer Europas am Freitag in München mitteilte. Von Reuters befragte Analysten hatten im Schnitt nur mit einem Überschuss von 1,19 Milliarden Euro gerechnet.

Der Nettogewinn stieg sogar um 23 Prozent auf 1,3 Milliarden Euro. Vor einem Jahr hatte die Allianz ihr Engagement in griechische Staatsanleihen abgeschrieben, was das Ergebnis damals um 326 Millionen Euro belastete.
Beim Umsatz verzeichnete die Allianz Gruppe mit 25,2 Milliarden Euro ein Plus von 2,5 Prozent gegenüber dem Vorjahreswert von 24,6 Milliarden Euro. „Unser operatives Geschäft ist stabil und bleibt auf Kurs“, sagte Konzernchef Michael Diekmann. Er bekräftigte zugleich das Ziel, im Gesamtjahr 2012 operativ 7,7 bis 8,7 Milliarden Euro verdienen zu wollen.
Die Anleger reagieren erfreut und greifen bei den Papieren im frühen Handel zu – sie stiegen um 1,3 Prozent und waren damit einer der größten Gewinner im Dax. „Auf den ersten Blick hat Allianz ein starkes Zahlenwerk abgeliefert“, schrieb DZ-Bank-Analyst Thorsten Wenzel in einem Kommentar.

Getragen wurde das Umsatzwachstum und das operative Ergebnis von der Vermögensverwaltung. Der Provisionsüberschuss lag mit 1,5 Milliarden Euro für das zweite Quartal um 15,2 Prozent über dem Ergebnis von 1,3 Milliarden Euro im Vergleichsquartal 2011. Nur die Vermögensverwaltung zeige eine wirklich gute Leistung, kritisierte der Analyst Fabrizio Croce von Kepler Capital Markets. „Alle Versicherungsbereiche sind ziemlich enttäuschend.“
Zwar verzeichnete die Allianz auch in der Lebensversicherung deutlich steigende Gewinne, trotzdem bleibt dieses Kerngeschäftsfeld der Allianz ein Sorgenkind: Die Beitragseinnahmen in der Lebens- und Krankenversicherung gingen leicht zurück und lagen bei 12,9 Milliarden Euro nach 13 Milliarden Euro im Vorjahresquartal.

Immerhin ist der starke Rückgang aus dem Vorjahr gestoppt. Im Gesamtjahr 2011 waren die Prämieneinnahmen in dieser Sparte im Vergleich zu 2010 sogar um über sieben Prozent auf 52,9 Milliarden Euro zurückgegangen.
Doch vor allem der Absatz von anlageorientierten Produkten ging weiter zurück: Deren Beiträge sanken auf 7,1 Milliarden Euro gegenüber 7,4 Milliarden Euro im Vergleichsquartal des Vorjahres. Die Allianz sieht das als eine Folge des schwierigen Kapitalmarktumfeldes.

Doch es gibt auch positive Entwicklungen: Die Beitragseinnahmen für traditionelle Lebensversicherungsprodukte stiegen um 0,2 Milliarden auf 5,8 Milliarden Euro. Und überraschend steigerte der Konzern vor allem in den schuldengeplagten Ländern Spanien in Italien die Umsätze.

Kommentare zu " Trotz Eurokrise: Allianz verdient am Vermögen"

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  • Die Arroganz, wer gut manipulieren kann, ist klar im Vorteil.
    Wenn der elende Euro hier kollabiert demnächst ist es auch mit der Arroganz aus....
    Alles schon verzockt, nur NOCH nicht offiziell.....

  • KLV-Check hat mir die Augen geöffnet. Seither bin ich auch Versicherungsaktionär, denn da sind meine Beiträge besser angelegt 8))

  • Hurra, die Allianz bekommt eine Umsatzrendite von 7,7 bis 8,7% hin.
    Wie passt das zu diesem HB-Artikel?
    http://www.handelsblatt.com/finanzen/vorsorge-versicherung/nachrichten/allianz-vorstand-im-interview-wir-rechnen-mit-einer-mittleren-lebenserwartung-von-102-jahren/6939572.html

    Ein Schelm, der böses dabei denkt...

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