Trotz Gewinnrückgangs
Goldman Sachs schlägt alle Erwartungen

Goldman Sachs hat es den Skeptikern mal wieder gezeigt. Die Investmentbank hat im ersten Quartal zwar einen Gewinneinbruch hinnehmen müssen. Dieser war aber nicht so stark wie erwartet.
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New YorkDer schleppende Anleihehandel und die Rückzahlung einer Finanzspritze an Warren Buffett haben den Gewinn der US-Großbank Goldman Sachs kräftig geschmälert. Im ersten Quartal brach der Gewinn nach Anteilen Dritter nach Angaben vom Dienstag um 72
Prozent auf 908 Millionen Dollar ein. Der Rückgang fiel damit allerdings weniger deutlich aus wie von Branchenexperten erwartet.

Analysten sprachen deshalb von einem ermutigenden Signal. Dies sahen die Investoren ebenso: Die Aktie von Goldman Sachs legte vorbörslich rund drei Prozent zu und zog auch den Gesamtmarkt mit nach oben.
Die Quartalseinnahmen bezifferte Goldman auf 11,89 Milliarden Dollar, ein Rückgang von sieben Prozent. Goldman Sachs kaufte Vorzugsaktion im Besitz von Buffett für fünf Milliarden Dollar zurück, die dieser als Vertrauensbeweis zum Höhepunkt der Finanzkrise übernommen hatte. Dabei wurde eine Sonderdividende von 1,64 Milliarden Dollar fällig. Ohne diesen Effekt hätte Goldman Sachs pro Aktie 4,38 Dollar verdient, nun standen unter dem Strich lediglich 1,56 Dollar je Anteilsschein.

Branchenexperten werteten die Quartalszahlen als insgesamt solide und als Hoffnungsschimmer für die in den vergangenen Jahren krisengeschüttelte Branche. „Goldman Sachs ist ein Leithammel, und diese Zahlen werden wahrscheinlich die Sorgen am Finanzmarkt dämpfen“, sagte Peter Cardillo von Avalon Partners in New York. Dieser Einschätzung schloss sich Jörg Rahn von Marcard, Stein & Co in Hamburg an: „Als Investmentbank ist Goldman ein guter Indikator für das globale Geschäft mit Fusionen und Börsengängen. Deshalb ist dies für den Blick nach vorne insgesamt ermutigend.“

„Wir sind sehr zufrieden mit unseren Ergebnissen aus dem ersten Quartal”, sagte denn auch Bankchef Lloyd Blankfein laut einer Mitteilung. Vor allem die Erholung der Märkte und ökonomischen Bedingungen hätten zu den soliden Ergebnissen geführt. „Wir sehen weiterhin ermutigende Anzeichen für wirtschaftliche Aktivität”.

Zuletzt musste Goldman allerdings mal wieder um seinen Ruf kämpfen: Die Investmentbank war vergangene Woche ins Kreuzfeuer der Kritik geraten. Grund war ein Senatsbericht, der sich mit den Ursachen der Finanzkrise beschäftigt – und ausführlich auf die unrühmliche Rolle eingeht, die die US-Investmentbank und auch die Deutsche Bank auf dem Hypothekenmarkt spielten.

„Der Bericht zeigt, dass die Institutionen Kunden und Öffentlichkeit bewusst getäuscht haben und dabei von Regulierern und Ratingagenturen unterstützt wurden“, empörte sich der Vorsitzende des Ausschusses, der demokratische Senator Carl Levin. „Nach meiner Auffassung hat Goldman eindeutig seine Kunden getäuscht und den Kongress“.

Der über 600 Seiten dicke Bericht des einflussreichen Unterausschusses für Untersuchungen (Permanent Subcommittee of Investigations) wirft den Top-Banken unter anderem vor, giftige Wertpapiere an Kunden verscherbelt zu haben, wohl wissend, dass diese bald nicht mehr wert weisen würden. In der Folge gerieten vor allem wegen solcher Papiere Geldhäuser ins Wanken.

Goldman selbst wies die Anschuldigungen zurück. Doch Levins Aussagen hätten Anwälte und Journalisten dazu animiert, die Aussagen Blankfeins zur Rolle seiner Bank genau zu prüfen und zu vergleichen, heißt es in Finanzkreisen. Bei einem einstündigen Briefing für Blogger sei es zudem zu einem großen Teil um Goldman und die ehemals größte US-Sparkasse Washington Mutual gegangen, die in der Krise gerettet werden musste.

Blankfein musste im vergangenen Jahr vor mehreren Gremien dazu aussagen. Sollte der Goldman-Chef den Kongress tatsächlich getäuscht haben, könne das zu einem ernsthaften Problem für sein Unternehmen werden, warnte Rechtsanwalt Andrew Stoltmann im US-Börsensender CNBC. Bereits im vergangenen Jahr hatte die US-Börsenaufsicht SEC eine zivilrechtliche Klage gegen Goldman eingereicht und einen 500 Millionen Dollar schweren Vergleich erzielt.

Astrid Dörner ist Korrespondentin in New York.
Astrid Dörner
Handelsblatt / Deskchefin Agenda
Nils Rüdel
Nils Rüdel
Handelsblatt / Deskchef Politik
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Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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