Trotz Krisenjahr
Schweizer Notenbank erzielt Milliardengewinn

Im Jahr 2010 musste die Schweizerische Nationalbank noch einen herben Verlust einstecken. 2011 sieht es unter anderem dank des steigenden Goldpreises deutlich besser aus. Die Aussichten sind allerdings unsicher.
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BernDer steigende Goldpreis und weltweit sinkende Zinsen für Staatsanleihen haben der Schweizerischen Nationalbank (SNB) im vergangenen Jahr zu einem Milliardengewinn verholfen. Nach Angaben vom Donnerstag erzielte die SNB einen Überschuss von 13,5 Milliarden Franken nach einem Rekordverlust von 19,5 Milliarden Franken im Jahr davor. 2010 hatte sich die SNB mit Milliarden-Interventionen gegen die Aufwertung der eigenen Währung gestemmt, diese aber nicht verhindern können. Die Euro, die die SNB gekauft hatte, waren Ende 2010 weniger wert. Im vergangenen Jahr verhinderte die im September zum Schutz der Schweizer Wirtschaft eingeführte Wechselkursuntergrenze von 1,20 Franken pro Euro weitere Wechselkursverluste auf den Devisenbeständen.

In gewisser Weise ist die SNB damit ein Krisengewinner. Der Anstieg des Goldpreises brachte der Notenbank einen Buchgewinn von 5,4 Milliarden Franken. Weitere 7,7 Milliarden Franken kamen von den Devisenanlagen, die die SNB weitgehend in ausländischen Staatsanleihen mit Spitzenrating investiert hat und deren Kurse gestiegen sind. Das alles könne sich sehr schnell wieder ändern, warnte der amtierende SNB-Chef Thomas Jordan. Der Gewinn dürfte in den kommenden Jahre weiterhin stark schwanken.

Um der Krise zu begegnen und den Franken so gut wie möglich zu schwächen, pumpte die SNB Milliarden in den Markt, was die Bilanz aufblähte. Die Devisenkäufe allein beliefen sich nach Jordans Worten auf umgerechnet rund 18 Milliarden Franken. Je größer die Probleme Griechenlands gegen Ende des vergangenen Jahres wurden, umso mehr näherte sich der Eurokurs der kritischen Marke von 1,20 Franken und die SNB musste vermutlich mehr Mittel einsetzen, um den Kurs zu verteidigen.

Die Schuldenkrise macht es für die SNB immer schwieriger, qualitativ gute Staatsanleihen für ihre Devisenreserven zu finden. Pläne, nun möglicherweise auch in russische Rubel oder südkoreanische Won zu investieren, gebe es aber nicht, sagte Jordan.

Dass die Nationalbank nun wieder Gewinne macht und auch eine Milliarde Franken an die öffentliche Hand ausschütten kann, hat ihren Kritikern Wind aus den Segeln genommen. Der Verlust des Jahres 2010 hatte der SNB den Vorwurf eingebracht, mit sinnlosen Devisenmarkt-Interventionen Volksvermögen zu verschleudern. Der Überschuss 2011 werde mindestens die lautesten Kritiker der Notenbank zum Verstummen bringen, sagte der Wirtschaftsexperte Peter Rosenstreich vom Schweizer Broker Swissquote.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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