Trotz Kritik
Aktionäre erlauben Commerzbank die Kapitalerhöhung

Auf der Hauptversammlung der Commerzbank haben die Aktionäre für eine Kapitalerhöhung gestimmt. Friedlich ging es dabei aber nicht zu. Besonders Vorstandschef Blessing und Aufsichtsratschef Müller bekamen ihr Fett weg.
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FrankfurtDie Aktionäre der Commerzbank haben den Weg für die Rückzahlung der restlichen Staatshilfen für die zweitgrößte deutsche Bank freigemacht. Die Hauptversammlung gab am späten Freitagabend mit einer Mehrheit von 96 Prozent grünes Licht für eine 2,5 Milliarden Euro schwere Kapitalerhöhung, die von Mitte Mai bis Anfang Juni über die Bühne gehen soll.

Vorstandschef Martin Blessing hatte sie als "wichtigen Wendepunkt" für die Bank bezeichnet. Er will damit den "Einstieg in den Ausstieg des Staates" schaffen, der die Commerzbank in der Finanzkrise mit 18 Milliarden Euro gestützt hatte.

Bei Kleinaktionären hatten Blessing und Aufsichtsratschef Klaus-Peter Müller für die Pläne massive Kritik geerntet. Das jahrelange Warten auf bessere Ergebnisse und ein absehbar weiter sinkender Aktienkurs sorgten für Unmut auf der Hauptversammlung.

Doch die nötige Zweidrittel-Mehrheit hatte der Vorstand sicher, weil nur 38 Prozent des Aktionariats erschienen waren. Der staatliche Bankenrettungsfonds SoFFin als Haupt-Nutznießer der Kapitalerhöhung vertrat allein 25 Prozent. Viele Großinvestoren und Fonds haben sich bei der Commerzbank längst zurückgezogen.

In der Abstimmung verpassten die Anteilseigner Müller einen Denkzettel. Er wurde nur mit 81 Prozent der Stimmen in den Aufsichtsrat wiedergewählt, alle anderen Mitglieder erhielten mehr als 95 Prozent.

Für Blessings Entlassung sprachen sich nur fünf Prozent aus. Dabei hatte der Vizepräsident der Aktionärsvereinigung DSW, Klaus Nieding, zuvor geschimpft: "Wir trauen diesem Management nicht. Uns reicht's. Wir haben mehr als genug von ihren Durchhalteparolen und sogenannten Erfolgsmeldungen."

Blessing rechtfertigte die große Kapitalerhöhung. "Wir haben von Anfang an gesagt: Wir wollen alles in unserer Macht stehende unternehmen, um die Mittel des Bundes so schnell wie möglich zurückzuführen. Das sind wir dem Steuerzahler schuldig." Er räumte ein, dass die Euro-Schuldenkrise und die Niedrigzinsen den Plan torpediert hätten, die Staatshilfen aus Gewinnen zu tilgen. Der SoFFin will seine Beteiligung im Zuge dessen von 25 Prozent auf rund 18 Prozent reduzieren.

Erst vom kommenden Jahr an seien erste Erfolge des Umbaus zu erwarten, mit dem das renditeschwache Geschäft mit Privatkunden auf Vordermann gebracht werden soll, sagte Blessing. Die Commerzbank sei auf einem Langstreckenlauf. "Schnelle Erfolge wird es dabei nicht geben. Viele unserer innovativen Pläne werden erst in den kommenden Jahren zum Tragen kommen."

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Blessing: Kapitalerhöhung im Sinne der Aktionäre

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  • Da wir aber nicht alleine (Europa) auf dieser Welt sind, wird uns gar nichts anderes übrig bleiben (die Angelsächsische Hochfinanz führt schon lange Krieg gegen Europa oder besser nutzt deren Schwächen gewinnbringend und auch zu Lasten der Europäischen Kleinaktionäre, für sich aus) , wollen wir denn den Kollaps noch etwas heraus zögern.

  • Ich kann Ihnen in sofern beipflichten dass gegenwärtig, mitgetragen von sämtlichen Entscheidungsträgern in der Finanz, Wirtschaft und vor allem Politik, eine Weltweit beispiellose Umverteilung des allgemein zirkulierenden Kapitals, weg von der Gesamtbevölkerung (oder zu Lasten der Gleichen), hin zu immer weniger Superreichen, statt findet. Dies bei gleichzeitiger Wertevernichtung. Was aber die Europäischen Banken und im speziellen die Commerzbank angeht muss man erkennen dass das Zusammenbrechen der Aktienkurse nicht von “großen finsteren Mächten” pilotiert wird mit dem Ziel dem Kleinaktionär eins aus zu wischen. Allenfalls werden die Kursverluste, durch Leerverkäufe, von ein paar Finanzspekulanten gefördert. Aber auch diese sehen sich die Vorgaben genau an bevor sie agieren, denn auch Leerverkäufe (siehe Beispiel VW Übernahme durch Porsche) können nach hinten los gehen. Daher nochmals. Die Kursverluste der Commerzbankaktien sind sicherlich nicht von einem Herrn Blessing (er besitzt übrigens selbst einige davon) oder einem Herrn Müller gewollt, sondern viel mehr das Ergebnis der gegenwärtigen, seitens der Politik diktierten, Konditionen, die es den Banken nicht ermöglichen Geld zu verdienen und zudem auch noch das für die Wirtschaft so wichtige Kreditgeschäft kompromittieren. Dies wiederum führt und da sind wir bei der sprichwörtlichen Katze, die sich in den Schwanz beisst, zu einer Verschärfung der wirtschaftlichen Situation mit einer daraus resultierenden Zunahme von Kreditausfällen, die das Bankenwesen natürlich noch zusätzlich belasten. Investoren sehen diese Dynamik und wenden sich daher zusehends von Bankaktien ab. Eine Erholung der Bankaktienkurse kann nur durch Deregulierung und damit das Ermöglichen im Investmentbanking wieder Geld zu verdienen, statt finden. Dass dies natürlich langfristig auch, Volkswirtschaftlich gesehen, ungesund ist zumal dadurch nur wieder neue, zum Platzen verurteilte Spekulationsblasen gebildet werden, ist ein anderes Thema.

  • Die Commerzbank hat nur einen Feind und der ist die Commerzbank. Schlicht und einfach.

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