Trotz Schuldenkrise
Volksbanken knüpfen an Rekordgewinne an

Die Volks- und Raiffeisenbanken haben 2011 trotz der Krise bei Einlagen und Krediten zugelegt. Der Überschuss liegt nur knapp unter dem Rekord aus 2010. Kritik übten die Banken indessen an der geplanten BaFin-Reform.
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BerlinDie 1121 deutschen Volks- und Raiffeisenbanken haben im vorigen Jahr trotz Schuldenkrise fast an ihre Rekordgewinne von 2010 angeknüpft. Der Jahresüberschuss nach Steuern lag kumuliert bei 3,0 Milliarden Euro und damit nur knapp unter dem Höchststand von 3,2 Milliarden Euro aus dem Jahr davor, wie der Dachverband BVR am Montag mitteilte. „Die Kreditgenossen haben im Jahr 2011 wieder ein hervorragendes Ergebnis erzielt“, sagte BVR-Präsident Uwe Fröhlich auf der Jahrespressekonferenz in Berlin.

Das Kreditvolumen stieg um 4,5 Prozent auf 425 Milliarden Euro und die Marktanteile bei Firmenkunden kletterten um gut einen Punkt auf 29 Prozent. Gleichzeitig legten die Kundeneinlagen um 3,4 Prozent auf 524 Milliarden Euro zu. Damit hätten die Institute auch langfristig genügend Spielraum, um im Kundengeschäft zu wachsen.

Für das laufende Jahr rechnet der Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) mit „einem soliden Ergebnis auf hohem Niveau und einem weiteren Ausbau der Marktanteile“. Anzeichen für eine Kreditklemme sieht Fröhlich nicht.

Zum Schuldenschnitt in Griechenland sagte der BVR-Chef, dass die Genossenschaftsbanken die Entwicklungen bereits angemessen in ihren Jahresabschlüssen für 2011 berücksichtigt hätten. Die Beteiligung der privaten Gläubiger dürfe keine Blaupause für die Zukunft sein. Die Politik müsse zu ihrem Versprechen stehen, dass so etwas nicht wieder geschehe, betonte Fröhlich.

Als Reaktion auf die geplante Reform der Finanzaufsicht BaFin drohen die deutschen Volks- und Raiffeisenbanken indessen mit dem Ausstieg aus der Finanzierung der Behörde. Wenn Finanzminister Wolfgang Schäuble die Vertreter der Finanzwirtschaft aus dem Verwaltungsrat der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) entfernen wolle, stelle sich auch die Kostenfrage, sagte der Präsident des genossenschaftlichen Branchenverbandes BVR, Uwe Fröhlich, am Montag. „Dann, bitteschön, sollte es auch aus Steueraufkommen finanziert werden.“ Bisher tragen die Finanzinstitute selbst die Kosten für ihre Überwachung. Die BaFin finanziert sich über Umlagen und Gebühren der von ihr beaufsichtigten Unternehmen - ohne einen Zuschuss vom Bundeshaushalt. Fröhlich schlug vor, die BaFin künftig - wie in anderen europäischen Ländern auch - über die öffentliche Hand zu finanzieren, wenn der Bund eine zu starke Abhängigkeit der Bankenaufsicht von der Finanzwirtschaft fürchte. Dagegen sagte ein Regierungsvertreter zu Reuters, es gebe juristisch keinen Zusammenhang zwischen dem Erheben von Sonderabgaben und dem Recht, über die Mittelverwendung zu bestimmen.

Im Verwaltungsrat der BaFin sitzen 21 Mitglieder, darunter sechs Vertreter der Bundesregierung, fünf des Bundestages, fünf der Banken, vier der Versicherer und eine Vertreter der Kapitalanlagegesellschaften. Den Regierungskreisen zufolge will Schäuble zur Stärkung der Unabhängigkeit die zehn Vertreter der Finanzwirtschaft aus dem Gremium entfernen und stattdessen sechs unabhängige Experten berufen. Der Gesetzentwurf befindet sich derzeit in der Ressortabstimmung der Regierung.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Wenn jede Bank so wirtschaften würde wie die Genossen, dann hätten wir weder eine Bank- noch Staatsschuldenkrise!!!!

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