Trotz Zinstief
Genossenschaftsbanken mit Milliardengewinn

Deutschlands Volks- und Raiffeisenbanken haben trotz anhaltender Niedrigzinsen und teurer Regulierung im vergangenen Jahr 2,1 Milliarden Euro Gewinn gemacht. Vor allem das Kundengeschäft half ihnen dabei.

FrankfurtDie Volks- und Raiffeisenbanken können sich über ihren Gewinn von gut zwei Milliarden Euro im abgelaufenen Jahr nicht richtig freuen. „Losgelöst von diesen guten Zahlen ist die Stimmung in der ein oder anderen Genossenschaftsbank richtig schlecht“, sagte Uwe Fröhlich, der Präsident des Branchenverbands BVR, am Mittwoch in Frankfurt. Grund seien die steigenden Belastungen durch regulatorische Vorgaben und die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB). Immer mehr kleinere Institute seien deshalb überfordert und müssten mit benachbarten Banken fusionieren. „Ein erfolgreiches Genossenschaftsbankenmodell wird zu Strukturreformen getrieben.“

Im vergangenen Jahr sank die Zahl von Volks- und Raiffeisenbanken, Sparda-Banken, PSD Banken und genossenschaftlichen Sonderinstituten um 26 auf 1021. Im laufenden Jahr geht Fröhlich von weiteren 40 bis 50 Fusionen aus, womit die Zahl der Geldhäuser unter 1000 fallen würde. Auch in den Folgejahren seien 30 bis 50 Zusammenschlüsse zu erwarten. „Das ist ein Konsolidierungsprozess, der nicht ohne Schmerzen abläuft“, betonte Fröhlich. „Da haben wir als Verband gut zu tun, die Schäfchen zusammenzuhalten.“

2015 profitierten die Genossenschaftsbanken von Zuwächsen im Kredit- und Wertpapiergeschäft und konnten die Belastungen durch rekordniedrige Zinsen damit fast vollständig kompensieren. Unter dem Strich fiel der Jahresüberschuss um ein Prozent auf 2,1 Milliarden Euro. Im laufenden Jahr werde der Gewinn vermutlich erneut leicht sinken, erklärte Fröhlich, allerdings nach wie vor auf „auskömmlichem Niveau“ liegen. Da im Anschluss immer mehr höher verzinste Kredite und Anlagen auslaufen, rechnet der BVR-Präsident ab 2017 dann mit stärkerem Gegenwind, wie er bereits Ende 2015 im Reuters-Interview angekündigt hatte.

Viele Wechsel von Großbanken zu Genossen

Laut Fröhlich profitieren die Genossenschaftsbanken derzeit davon, dass einige Großbanken ihr Filialnetz zusammenstreichen und sich zunehmend aus der Fläche zurückziehen. Viele Kunden und Mitarbeiter würden deshalb zu Volks- und Raiffeisenbanken wechseln. „Es ist interessant, wie viele Initiativbewerbungen wir derzeit kommen, insbesondere aus dem Großbankensektor.“ Gut ausgebildete Mitarbeiter, etwa im Firmenkundengeschäft oder in der Vermögensverwaltung, nehme die Gruppe gerne auf. Die HVB hat in den vergangenen Jahren etwa die Hälfte ihrer Filialen geschlossen, die Deutsche Bank will ab Herbst rund 200 Niederlassungen dichtmachen.

Fröhlich warnte die EZB, den Strafzins für Bank-Einlagen bei der Notenbank noch weiter in den negativen Bereich zu drücken. Es gebe eine Grenze, ab der es sich für Institute lohne, das Geld nicht mehr zur EZB zu tragen sondern es stattdessen in eigenen Tresoren zu bunkern. "Die Zahl ist nicht mehr allzu weit entfernt." Aktuell verlangt die EZB einen Strafzins von 0,3 Prozent, wenn Institute über Nacht Geld bei ihr parken.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
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