TV-Kritik Anne Will
„Wir können nicht die Welt mit Sparkassen bestücken“

In einem Handelsblatt-Interview hatte Finanzminister Wolfgang Schäuble eine Diskussion angestoßen: Umgehen Banken wieder kreativ Regeln? Bei ARD-Talkerin Anne Will ging die Diskussion ohne Schäuble in die nächste Runde.
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DüsseldorfSahra Wagenknecht, Parteivize der Linken, hatte am Mittwoch noch für Schlagzeilen gesorgt. Ausgerechnet für den in Italien inhaftierten Finanzakrobaten Florian Homm hatte sie sich stark gemacht und bei der deutschen Botschaft in Rom um Informationen über die Betreuung Homms im Gefängnis gebeten. Am Abend diskutierte die Politikerin dann in der ARD bei Anne Will über die vermeintlich wieder entflammte Unverfrorenheit von Banken – und griff vor allem Investmentbanker scharf an.

Will hatte die Frage in den Raum gestellt: „Zocken, manipulieren, betrügen - Sind die Banken wieder außer Kontrolle?“ Die Bühne für die Gesprächsrunde hatte Deutsche-Bank-Co-Chef Jürgen Fitschen bereitet. Er hatte vergangene Woche verschnupft auf ein Interview von Finanzminister Wolfgang Schäuble im Handelsblatt reagiert. Schäuble hatte Banken vorgeworfen nach der Finanzkrise weiter mit „Kreativität“ die Regulierung zu umgehen.

Fitschen erwiderte dann auf einer Veranstaltung in Berlin, dass es „unverantwortlich und populistisch“ sei, die Fortschritte der Banken zu missachten. Zu viel Regulierung könne die Fähigkeit gefährden, die Wirtschaft mit Krediten zu versorgen. Schäuble warf dann Fitschen vor, sich im Ton vergriffen zu haben. Dicke Luft also zwischen Berlin und der Frankfurter Bankenmetropole.

Die Reaktion des Deutsche-Bank-Chefs finde sie eine „Unverschämtheit“, so Wagenkneckt. Die Bank könne sich nicht herausnehmen, „einen Minister zu maßregeln“. Schließlich habe die Deutsche Bank eine unrühmliche Vergangenheit, wenn es um Zinsmanipulationen oder umstrittene Geschäfte mit der Bank IKB gehe, die schließlich von der staatlichen KfW gerettet werden musste. Überhaupt bedeute „Invesmtentbanking Gaunereien im ganz großen Stil“ – und auch das 25-Prozent-Renditeziel des Ex-Deutsche-Bank-Chefs brachte sie als verwerflich in die Diskussion ein.

Zur Verteidigung der Branche war Stefan Baron geladen, ehemaliger Kommunikationschef der Deutschen Bank. Die Kritik an Schäuble hätte er „nicht so gesagt“ – schließlich sei Schäuble ja auch für die Bankenaufsicht zuständig. Eine Jetzt-erst-recht-Reaktion des Ministers scheint Baron zu fürchten. Ansonsten trug Baron die üblichen Verteidigungsfloskeln der Branche vor.

25 Prozent Rendite? Viele Mittelständler machten mehr. Die 725-Millionen-Strafe für die Deutsche Bank wegen Zinsmanipulationen? Die Taten lägen lange zurück und außerdem hätten sich nur „null bis fünf Prozent der Bankmitarbeiter“ nicht korrekt verhalten – es gäbe viele tausend ehrliche Leute in den Geldhäusern. Außerdem hätten die Banken einen Selbstreinigungsprozess eingeleitet, aber der brauche lange. Schließlich habe es „zehn bis fünfzehn Jahre eine Parallelwelt im Investmentbanking“ gegeben.

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Am Ende „ein Modell wie die DDR“

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  • Die meisten, die sich über 25 % Eigenkapitalrendite aufregen, können nicht mal definieren, was damit gemeint ist.
    Die Rendite auf das Eigenkapital sollte schon deutlich höher sein als in dem Fall, dass die Bank ihr gesamtes Eigenkapital in Staatsanleihen anlegt. Dazu müsste sie nicht den enormen Personalaufwand betreiben, dazu reichte ein Mann wie Warren Buffet. Warren Buffet macht deutlich mehr Rendite als 5 % mit einem sehr geringen Personalaufwand.
    Die Aktionäre wären schon sehr froh, wenn die DBk-Aktie in etwas das Eigenkapital der DBk widerspiegelte und die Dividende der DBk kann man auch vergessen angesichts des Risikos der Aktie.

  • Es fiel in der Sendung der Lakai der Deutschen Bänkster, ein Herr Baron besonders unangenehm auf.
    Er hatte argumentativ einer Frau Wagenknecht rein gar nichts entgegen zu setzen, und wenn dann war er nicht dabei, wußte nichts von den Verbrechen der Deutschen Bänkster zu seiner Zeit, oder meinte es können nur 3% Kimminelle in der Bank tätig gewesen sein. Der Rest wäre koscher. Eine glatte Lüge: Das wissen selbst noch aktive Mitarbeiter der deutschen Skandalbank zu berichten. Als wenn sein Ex-Chef Ackermann, dem er besonders nahe stand und nahe stehen musste, davon nichts gewusst hätte oder hätte wissen können.
    Weiterhin ist es schwierig zu verstehen, warum ein Fossil wie Herr Kornblum Sendezeit über längst bekannte Tulpenzwiebeln-Geschichtchen verplappern konnte, um für eine weitere Regulierung der europäischen Banken zu plädieren, die er zeitgleich aber für relativ sinnlos hält.
    Frau Reding gefällt sich selbst, als Luxenburger Steuerhinterziehungs-Vertreterin besonders, indem Sie ernsthaft meint, ihre Arbeit wäre effizient und zielgerichtet erfolgreich.
    Einzig Frau Dr. Wagenknecht überzeugte in jedem Punkt ihrer Argumentation und erhielt dafür auch zu recht nach jedem Beitrag Applaus des Publikums. Auch den Meinigen.

  • Hier mal zwei Genossenschaftsbanken, die zeigen, dass es auch anders geht:

    http://www.ethikbank.de/
    https://www.gls.de/privatkunden/

    Die Genossenschaftsbanken haben übrigens nichts mit der DDR zu tun. Frau Wagenknecht Populismus vorzuwerfen und dann selbst populistisch zu agieren ist nicht gerade eine intellektuelle Glanzleistung der Herren in der Runde gewesen.

    Attac, in der auch Herr Geißler von der CDU Mitglied ist, hat folgende interessante Broschüre herausgegeben:
    http://www.attac.de/fileadmin/user_upload/Kampagnen/bankwechsel/Broschuere_zweite_Auflage.pdf

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