Twitter-Debatte
Der AfD-Fan von der Sparkasse

Ein Sparkassenangestellter greift den SPD-Politiker Christopher Lauer über seinen Firmenaccount an – daraufhin stellt ihn Lauer öffentlich bloß. Es folgen ein Shitstorm und Morddrohungen.
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Frankfurt Angefangen hat alles am 1. Januar. Der frühere Piratenpolitiker Christopher Lauer kritisierte die Kölner Polizei wegen deren Bezeichnung „Nafris“ für Menschen aus Nordafrika. „Ich halte diesen Begriff für in hohem Maße entmenschlichend“, sagte er der Nachrichtenagentur dpa.

Die Kölner Polizei verwende die Abkürzung eigentlich intern für Straftäter aus Nordafrika. „Wenn die nun in der Silvesternacht hunderte Menschen so bezeichnen, ist das eine pauschale Verurteilung einer ganzen Bevölkerungsgruppe nur nach dem Aussehen“, so Lauer weiter, der Vorsitzender der Piraten-Partei in Berlin war und zur SPD übertrat.

Mit seiner Kritik an der Verwendung des Begriffs „Nafri“ stieß Lauer seinerseits dennoch auf heftige Kritik, die über den Kurznachrichtendienst Twitter oder per E-Mail bei ihm aufschlug. Eine E-Mail veröffentlichte Lauer am Montag. Sie stammte von einem Angestellten der Kreissparkasse Groß-Gerau, der Lauer über seinen Firmenaccount geschrieben hatte – in giftigem Ton.

„Vielen Dank für Ihre Aussage gegenüber dem Verhalten unserer Polizei an Silvester in Köln und den Begriff Nafri“, so der Sparkassenangestellte. Er und sein Bekanntenkreis seien sich jetzt endgültig sicher, bei der nächsten Bundestagswahl, „die einzig wahre Partei zu wählen, nämlich die AfD“. „Die SPD war einmal und versinkt hoffentlich in der Bedeutungslosigkeit“, so der Sparkassenmitarbeiter. Unter seiner E-Mail prangt ein Sparkassenclaim.

Lauer versah den Screenshot der E-Mail mit der Bemerkung – wobei er den Namen des Angestellten, der auch in der E-Mail auftaucht, nennt und ein Foto von ihm zeigt: „Herr X. von der Kreissparkasse Großgerau wählt dieses Jahr AfD! Wisst ihr bescheid!“

In einem zweiten Tweet richtete sich Lauer, der 35.000 Follower bei Twitter hat, an den Deutschen Sparkassen- und Giroverband (DSGV): „Ist das eine offizielle Wahlempfehlung oder wie soll ich diese Mail über Firmenadresse verstehen?“

Seit diesen Twitter-Posts sieht sich Lauer einem Shitstorm gegenüber, der sich noch immer nicht gelegt hat. Allein am Donnerstagnachmittag gab es binnen zwei Stunden mehr als 200 Twitter-Kommentare dazu. Zuletzt kamen Kommentare im Minutentakt. Insgesamt dürfte es zu dem Thema inzwischen mehrere hundert Kommentare geben. Die meisten richten sich gegen Lauer. Einige Twitter-Nutzer werfen ihm vor, er habe den Sparkassenangestellten „denunziert“.

Viele davon attackieren ihn scharf, oftmals hasserfüllt und mit Ausdrücken unterhalb der Gürtellinie. „Da hat der Denunziant Lauer wohl was verloren. Der schaut jetzt hinter sich wenn er auf die Strasse geht“, schreibt ein Twitter-User.

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  • Gemessen daran, dass es ja eigentlich trotz der kurzen vergangenen Zeit bei jedem, der einigermaßen zum Denken befähigt ist, geistig angekommen ist, dass NAFRI ein von der Polizei verwendetes Kürzel für eine kriminelle Gruppe aus der Gesamtheit der Nordafrikaner ist, kann ich für diejenigen, die daraus Menschenverachtung und sonstigen geistig verwirrte Vorwürfe ableiten und das auch noch öffentlich behaupten, statt Mitleid für die geistige Kümmernis eigentlich nur Verachtung empfinden.

    Ich verachte nun mal auch solche kriminellen, bei uns als sogenannte „Schutzsuchende“ eingedrungene Menschen – dem kruden Denken mancher sich moralisch erhaben fühlender Typen nach zeige ich somit also menschenverachtendes Verhalten? Wie krank ist das denn?

    Die Kommentare der Herren

    Uwe Möller

    Heinz Keizer

    Und Josef Steiner

    teile ich als sachlich nachvollziehbare Meinungen.

  • Was geht nur in den Köpfen so vieler Menschen heutzutage vor? Jede Aussage, jede Tat wird erst einmal geprüft auf „political correctness“, Ethik und Moral. Der Kern allerdings wird dabei zunehmend in den Hintergrund gestellt. Ich habe das Gefühl, dass viele Menschen wie die Geier nur darauf warten um jemanden denunzieren zu können, so wie es Herr Lauer getan hat. Grauenhaft. Kein Wunder, dass man in Deutschland keine offene Diskussion mehr führen will, kann oder gar darf. Fallstricke lauern überall. Das ist einfach nur hinterlistig und links. Es ist traurig feststellen zu müssen, in welche Richtung sich unsere Gesellschaft bewegt hat.

    Und wenn man schon versucht ethisch korrekt zu handeln und zu denken, dann sollte man wenigstens in der Lage sein, tiefgründig genug zu forschen und zu analysieren. Das aber können die aller wenigsten. Die meisten verharren in der allerersten Stufe ohne weiter zu gehen. Hauptsache erst mal mit der Moralkeule draufhauen und sich profilieren ohne das Problem korrekt zu durchleuchten.

    Ich finde an der Bezeichnung Nafri nichts abwertendes. Was glauben diese „Gutmenschen“ eigentlich wie das Ausland mit uns umgeht oder über uns denkt oder was für Bezeichnungen es für uns Deutsche hat? Hat sich damit mal jemand auseinandergesetzt? Hat das mal jemand angeprangert? Nein! Und warum? Weil diese Gutmenschen keinen Durchblick besitzen, sondern Angst.

    Ich könnte auch sagen, dass ich es menschenverachtend finde, wenn man uns „Krauts, Kartoffeln, Piefke, Mof oder Boche“ nennt. Aber ich besitze genug Stolz und Selbstbewusstsein, um darüber hinwegzusehen und nicht gleich jammernd rechtliche Schritte einleiten zu müssen. Denunzianten wie Herr Lauer einer ist, sind nur große Feiglinge, die die Gunst der Stunde nutzen. Unsere linke Politik und unsere kaputte Gesellschaft bieten ihm den notwendigen Rückhalt, sonst hätte er sich nicht getraut so zu reagieren. Ein absolutes Armutszeugnis diese Tat.

  • Es ist völlig klar, dass der Sparkassenmitarbeiter falsch gehandelt hat und dies für ihn wohl auch Konsequenzen haben wird. Herr Lauer hätte sich direkt an die betreffende Sparkasse wenden können, aber als Politiker braucht er wohl Publicity. Nach den Vorkommnissen an Sylvester 2015 in Köln ist es eine Ungeheuerlichkeit, die Polizei dort zu kritisieren. Von diesen Leuten habe ich noch keinerlei Kritik am Verhalten der über 1.000 Personen, die von der Polizei kontrolliert wurden, gehört. Was hat diese veranlasst ausgerechnet an Sylvester nach Köln zu reisen? Haben die sich abgesprochen? Was hatten sie vor? Warum sind die überhaupt hier? Das moralische Aufblasen gewisser Politiker und Medien ist kaum noch zu ertragen. Wer das kritisiert und die Probleme beim Namen nennt, wird gnadenlos nieder gemacht.

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