UBS-Einstand
Axel Weber legt Schnellstart hin

Zum Februar startete Ex-Bundesbank-Chef Axel Weber bei der UBS. Den Verwaltungsrat führt er zwar erst ab Mai, doch die ersten Personalentscheidungen für das Gremium tragen bereits eindeutig seine Handschrift.
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Zürich/DüsseldorfAxel Weber hat es eilig. Seit genau sechs Tagen arbeitet der Ex-Bundesbank-Chef für die Großbank UBS. Vorerst hat er nur einen Beratervertrag. Anfang Mai soll er den Verwaltungsratsvorsitz übernehmen. Doch schon gestaltet der frühere Bundesbank-Präsident die Zukunft der Bank mit.

Am vergangenen Freitag verkündete UBS die ersten Personalentscheidungen, die eindeutig Webers Handschrift tragen: So soll die renommierte Ökonomin Beatrice Weder di Mauro mit Weber zusammen im Mai in den Verwaltungsrat gewählt werden. Mit Isabelle Romy erhält zudem eine anerkannte Rechtsexpertin Einzug in die oberste UBS-Etage.

Nach offizieller Lesart hat Weber die beiden Nominierungen „unterstützt“. Wie das Handelsblatt aus Bankkreisen erfuhr, war Weber aber nicht nur eingeweiht, sondern aktiv an den Personalentscheidungen beteiligt. Vor allem die Wahl von Weder di Mauro habe Weber vorangetrieben, heißt es. Weber kennt die Wissenschaftlerin gut, 2004 hat er sie zu seiner Nachfolgerin im Sachverständigenrat der Bundesregierung aufgebaut. Seitdem haben Weber und Weder di Mauro, eine ausgewiesene Expertin für Finanzmarktfragen, engen Kontakt.

Der Wechsel von Weder di Mauro in das UBS-Kontrollgremium dürfte aber nur der Beginn eines personellen Neuanfangs bei der Schweizer Bank sein. „Axel Weber wird genau prüfen, wer in der Führungsmannschaft der UBS seinen Vorstellungen entspricht und wer nicht. Das gilt für den Verwaltungsrat wie für den Vorstand“, sagte ein Insider dem Handelsblatt. Unklar sei nicht, ob noch weitere Posten neu besetzt werden, sondern nur, wie schnell Weber die personellen Änderungen plane.

Keine Schonzeit für Weber

Als designierter UBS-Präsident muss Weber mehr als nur kluge Personalentscheidungen treffen. Die Jahreszahlen, die UBS morgen vorlegen wird, werden die ganze Bandbreite der strukturellen Probleme zeigen. Analysten rechnen im Schnitt mit einem Gewinnrückgang um mehr als 40 Prozent auf rund 4,5 Milliarden Franken. Rund zwei Milliarden Franken kosteten UBS allein die unerlaubten Spekulationsgeschäfte des mutmaßlichen Betrugshändlers Kweku Adoboli.

Die Investmentbank-Sparte soll nun verkleinert werden – aber auch das kostet zunächst einmal Geld. Pünktlich zu Webers Antritt als Berater verkündeten die britische und Schweizerische Finanzaufsicht, dass sie nun offiziell eine Untersuchung über UBS einleiten, um über die „Angemessenheit der Kontrollmechanismen zu befinden“. Zudem prüft nun auch die Schweizer Wettbewerbsaufsicht, ob UBS und andere Großbanken den Libor-Zinssatz manipuliert haben. Die britische und US-Aufsicht ermitteln hier bereits.

Eine Schonzeit bekommt Weber daher nicht. Von großem Interesse ist vor allem, wie er mit dem neuen CEO Sergio Ermotti harmonieren wird. Ermotti selbst betont stets, dass er ein gutes Verhältnis zu Weber habe. Doch Ermottis Vorgänger Oswald Grübel warnte jüngst vor der Kombination eines starken Bankpräsidenten und eines CEO. „Der CEO oder Geschäftsführer muss die volle Verantwortung haben und kann sie nicht mit dem Verwaltungsratspräsidenten teilen, denn Verantwortung ist nicht teilbar“, hatte Grübel bei einer Ansprache erklärt.

Fragen haben Analysten auch zur neuen Strategie von UBS, die CEO Ermotti im November vorgestellt hatte. „Ein richtiges Geschäftsmodell kann ich noch nicht erkennen“, moniert zum Beispiel Analyst Dirk Becker vom Broker Kepler. Die Kritik: Zwar will UBS im Investment-Banking das Volumen der risikogewichteten Aktiva um 145 Milliarden Franken abbauen und damit halbieren. Vor allem die Anleihe-Sparte FICC will UBS zurückfahren, etwa bei strukturierten Kreditprodukten. Auch ein Personalabbau von derzeit knapp 18 000 auf rund 16 000 Stellen ist geplant. Die kleinere Investmentbank solle dann „enger mit UBS Vermögensverwaltung zusammenarbeiten“.

Kunden halten sich zurück

Vielen Analysten reicht das aber nicht. Denn auch nach der Schrumpfkur bleibt das Investment-Banking die Sparte, die den größten Kapitalverzehr hat. „Mit einer erwarteten Rendite im Investment-Banking von acht Prozent stellt sich die Frage, warum UBS 16 000 Angestellte und 150 Milliarden Franken risikogewichtete Aktiva braucht, um das Private-Banking-Geschäft zu unterstützten“, fragten zum Beispiel die Analysten von JP Morgan Cazenove nach dem Investor-Day.

Herausforderungen erwarten UBS und ihren designierten Präsidenten Weber auch im Stammgeschäft, der Vermögensverwaltung für reiche Privatkunden. Angesichts der volatilen Märkte und der niedrigen Zinsen halten sich Kunden zurück. In den ersten neun Monaten sank in der Sparte „Wealth Management“ der Vorsteuergewinn um vier Prozent. Die Kosten stiegen aber um zwei Prozent.

Bei UBS wird Weber Präsident einer Großbaustelle. Auf ein Netzwerk in der Schweiz kann der Deutsche dabei nicht zählen. Weber kann sich aber auf den Rat eines Schweizer Topbankers verlassen: Josef Ackermann. Der Noch-Chef der Deutschen Bank helfe intensiv dabei, Weber ein Netzwerk in der Schweiz aufzubauen, sagte ein Banker. Aus seiner Zeit als Bundesbank-Präsident weiß Weber, wie wichtig verlässliche Kontakte in die Wirtschaft und die Politik sind.

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  • Sagen Sie mal "Burgers Press": was ist eigentlich lovins Corinth?
    Meinen Sie Lovis Corinth?
    Milliardenschwere Konzerne?
    Menschen?
    sry - aber da komme ich nicht mehr mit.
    Oder meinten Sie"Psychoneuronale Probleme zwischen Eherleuten"?
    Oder gar "Männer auf der Suche nach Sex"?
    Legen wir doch alle nochmal ein "Frauenförderungsprogramm" auf.

  • Was ist eigentlich Presse?
    Ein technisches Gerät um, zb., die Bibel zu vervielfältigen.
    Das war schön - für die Bibel z.B.
    Druckreproduktion, die sich heute darin zu gefallen scheint: ein j'accuse zur Generalinquisition zu machen.

    Also eigentlich: ziemlich reaktionär.

    Nicht; dass gegeb die "vierte" Verfassungsinstanz, Bürger, also irgendwas einzuwenden: die wurde zu dem, was lovins Corinth nach seinem Schlaganafall gemalt hatte:; ecce homo: Ein weiteres Spiel von Milliardenschweren Konzernen.

    fein



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