UBS-Kommentar
Neue Zeiten, neue Chefs

Die Begründungen des Rücktritts von UBS-Chef Oswald Grübel überzeugen nicht. Hintergrund für den plötzlichen Abgang ist ein überfälliger Strategiewechsel, kommentiert Schweiz-Korrespondent Holger Alich.
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ZürichVor einer Woche zeigte sich der UBS-Chef Oswald Grübel noch vollkommen unbeeindruckt von dem Händlerskandal und betonte: "Ich habe keine Fehler gemacht." Sieben Tage später dann der Sinneswandel, Grübel will nun allein die Verantwortung für die Vorgänge übernehmen und schmeißt die Brocken hin. Das passt nicht zu einem sturen Charakter wie Grübel.

Es macht vielmehr den Eindruck, dass er die vom Board nun hektisch eingeleitete Strategiewende einfach nicht mittragen will. Grübel hielt stets die Hand über das Investmentbanking. Nach seiner Amtsübernahme 2009 heuerte hunderte neue Investmenbanker ein, um die UBS zu alter Größe in diesem Bereich zurück zu führen. Als dann die Umsätze nach unten ging, erhöhte Grübel bewusst das Risiko, um doch noch die Erträge rein zu holen, und den hohen Kostenblock zu decken.

Diese Strategie galt bereits gescheitert, bevor der mutmaßliche Betrugshändler Kweku Adoboli der Bank einen Schaden von 2,3 Milliarden Dollar einbrockte. Der Betrugsfall macht die nötige Strategiewende jetzt nur noch dringender: Rückführung der Investmentbank auf die Rolle eines Zulieferers für das Kerngeschäft, der Vermögensverwaltung. Da macht Grübel nicht mehr mit, das ist nicht mehr seine Welt - also geht er; und verdient für so viel Rückgrad auch Respekt.

Denn das Banker-Urgestein Grübel fand sich schon vorher nicht mehr in der neuen Bankenwelt angekommen. In dieser "Post-Lehman-Welt" akzeptiert die Politik und ihre Wähler einfach nicht mehr, dass eine handvoll hochbezahlter Banker mit ihren Geschäften im Investmentbanking die Welt erneut in die Nähe des Abgrundes führen können. Grübel wollte das aber nicht wahr haben und war daher einer der Wortführer, der gegen die neue Schweizer Bankenregulierung zu Felde zog.

Diese neue Welt verlangt jetzt eine andere Generation Banker in den Führungsetagen. Vielleicht eine, die insgesamt etwas leiser auftritt.

Für die UBS ist es nun wichtig, die neue Unsicherheitsphase so schnell wie möglich zu beenden. Dazu muss zuerst ein neuer CEO gefunden werden, der nicht den Beititel "Interim" führt. Und auch die Erneuerung der Board-Spitze kann nicht bis 2013 warten. Villiger war 2009 im Duett mit Grübel angetreten, die UBS aus der Krise zu führen. Nun steckt sie in einer neuen. Konsequenterweise sollte Villiger nun Grübels Beispiel folgen, und die Board-Spitze bereits 2012 Axel Weber frei machen.

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