UBS
Schweizer Großbank erhöht Vorsorge für Rechtsfälle

Die Hongkonger Börsenaufsicht untersucht die Rolle der UBS bei Börsengängen – und will Schritte gegen Mitarbeiter einleiten. Wegen Streitigkeiten in den USA hat UBS bereits Rückstellungen in Milliardenhöhe getätigt.

ZürichDie UBS ist ins Visier der Börsenaufseher in Hongkong geraten. Sie nehmen die Rolle der Schweizer Großbank bei Börsengängen am dortigen Kapitalmarkt unter die Lupe, teilte UBS in dem am Freitag veröffentlichten Quartalsbericht mit. Die Hongkonger Aufsichtsbehörde SFC habe UBS im Oktober mitgeteilt, dass sie gegen UBS und bestimmte Mitarbeiter des Instituts Schritte einleiten will. Sollte es dazu kommen, könnte die Bank Strafen oder Entschädigungszahlungen leisten müssen. Zudem könnte das Institut für einige Zeit keine Beratung für Unternehmenskunden in Hongkong mehr anbieten dürfen.

Bei diversen Rechtsfällen am US-Hypothekenmarkt stellt sich die Bank bereits auf Milliardenkosten ein. Der weltgrößte Vermögensverwalter erhöhte seine Rückstellungen für mehrere dort anhängige Streitigkeiten im Sommerquartal um 417 Millionen Dollar auf 1,4 Milliarden Dollar, wie aus dem am Freitag veröffentlichten Quartalsbericht hervorgeht. Dank einer guten Entwicklung im US-Vermögensverwaltungsgeschäft und geringeren Kosten durch das laufende Sparprogramm steigerte die Großbank ihren Vorsteuergewinn von Juni bis September dennoch um elf Prozent auf 877 Millionen Franken.

Der Hypothekenstreit in den USA ist einer der größten noch anhängigen Rechtsfälle der Bank. Auch andere Banken sind betroffen. Der Deutschen Bank etwa droht vom US-Justizministerium eine Strafe über 14 Milliarden Dollar. Viele Großbanken hatten in den USA Hypotheken an mittellose Familien vergeben. Die Risiken wurden anschließend an Investoren weitergereicht – in Form von hochkomplexen Anleihen, die den Banken hohe Gebühren brachten.

Als der Markt 2007 kollabierte, erwiesen sich diese Bonds als wertlos. Viele der Käufer fühlten sich über den Tisch gezogen und klagten erfolgreich gegen die Banken. Die UBS sieht sich neben einem Verfahren beim Justizministerium auch mit anderen Rechtsfällen am US-Hypothekenmarkt konfrontiert. Die Analysten von JP Morgan hatten für diese Fälle zuletzt eine Buße von insgesamt zwei Milliarden Dollar für die UBS erwartet. Konzernweit lagen die Vorsorgen für Rechtsstreitigkeiten bei dem Schweizer Institut Ende September bei 2,98 Milliarden Franken.

Im Vermögensverwaltungsgeschäft außerhalb der USA sammelte die UBS 9,4 Milliarden Franken an Neugeldern ein. Der Gewinn in dem Bereich schrumpfte jedoch angesichts sinkender Margen weiterhin: Viele der reichen Kunden halten sich wegen des schwachen Wirtschaftswachstums, und möglicher Umwälzungen durch die bevorstehenden US-Präsidentschaftswahlen oder den Brexit mit Käufen und Verkäufen von Wertpapieren zurück.

Stattdessen halten sie immer größere Teile ihres Vermögens in bar. Der Bank gehen damit wichtige Gebühreneinnahmen verloren – und sie muss in manchen Ländern Strafzinsen auf die Einlagen der Kunden zahlen. Rasche Besserung ist nicht in Sicht: Die UBS erwartet, das die Kunden weiterhin Risiken scheuen und die Transaktionsvolumina gering bleiben.

In der Investmentbank, in der die UBS vor allem im Aktienhandel stark ist, brach der operative Gewinn auf 161 von 496 Millionen Franken im Vorjahreszeitraum ein. US-Investmentbanken hatten hier von einem boomenden Anleihehandel profitiert, in dem der Schweizer Branchenprimus jedoch nicht so stark vertreten ist.

Um angesichts des schwierigen Umfelds gegenzusteuern, hat die UBS bereits ein Sparprogramm angestoßen: Im Zuge dessen sollen die Kosten bis Ende 2017 um 2,1 Milliarden Franken sinken – unter anderem mit dem Abbau von Stellen. Bis Ende September hatte sie 1,5 Milliarden Franken davon geschafft.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
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