UBS-Skandal
Adoboli-Prozess verschoben

Eigentlich hätte heute einer der schmerzhaftesten Prozesse in der Geschichte der Schweizer Großbank UBS beginnen sollen. Doch jetzt verschob das Gericht den Termin.
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LondonDer Prozess gegen Kweku Adoboli wegen Betrugs und Bilanzfälschung wurde auf den 14. September verschoben. Dem ehemaligen Investmentbanker wird vorgeworfen, bei der Schweizer Großbank UBS angeblich einen Verlust von 2,3 Mrd. Dollar mit nicht genehmigten Handelsgeschäften verursacht zu haben.
Der Gerichtsprozess hätte an diesem Montag in London beginnen sollen. Bei einer Anhörung wurden die Eröffnungserklärungen jedoch auf das Ende dieser Woche verlegt. Zunächst müssen nun die Jury-Mitglieder ausgewählt werden. Die mindestens zwölf Geschworenen dürfen keinerlei Verbindung zur UBS und zu den sieben geladenen Zeugen haben. Zudem müssen sie dem Gericht die kommenden zwei Monate lang zur Verfügung stehen.
Spannend dürfte es ab Freitag werden, wenn Anklägerin Sacha Wass den Fall präsentiert.

Der 32 Jahre alte Adoboli wurde am 15. September 2011 festgenommen. Am gleichen Tag gab die UBS einen Handelsverlust aufgrund nicht autorisierter Handelsgeschäfte bekannt, den die größte Schweizer Bank zunächst mit zwei und wenig später mit 2,3 Milliarden Dollar angab. Neun Tage später trat UBS-Konzernchef Oswald Grübel zurück und wurde durch Sergio Ermotti ersetzt.
Adoboli arbeitete bei UBS zuletzt in einer Abteilung, die mit Exchange Traded Funds (ETF) handelte. Dort ging es um sogenannte "Delta One"-Produkte, die so heißen, weil sie Aktienkurse praktisch im Verhältnis 1:1 nachbilden.

Nach seiner Festnahme saß Adoboli bis zum 8. Juni 2012 in Untersuchungshaft und wurde dann auf Kaution freigelassen. Wenn er für schuldig befunden wird, muss der aus Ghana stammende Sohn eines pensionierten UN-Diplomaten mit einer Haftstrafe von bis zu zehn Jahren rechnen.
Beobachter rechnen damit, dass das Verfahren vor dem Southwark Crown Court etwa acht Wochen dauern wird.

UBS selbst ist nicht Teil des Verfahrens und kann sich praktisch nicht zu dem äußern, was im Gerichtssaal gesagt wird. Im Prozessverlauf würden wohl auch die Kultur und die Praktiken der UBS zur Sprache kommen, schrieb Konzernchef Ermotti kürzlich in einem Brief an die Mitarbeiter. Prozessbeobachter rechnen damit, dass frühere und möglicherweise auch gegenwärtige Mitarbeiter der UBS während des Verfahrens in den Zeugenstand gerufen werden. "So unangenehm das ganze Verfahren für UBS sein wird: Es zeigt uns, welche Folgen es haben kann, wenn wir Fehlverhalten zulassen oder wenn einzelne Personen ihre Verantwortung nicht ernst nehmen", erklärte Ermotti weiter in seinem Mitarbeiter-Brief.

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Bloomberg / Nachrichtenagentur
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AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

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